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The Girl with All the Gifts

Geschrieben von Frank Schmidke am 2. Dezember 2016

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Das apokalyptische britische Drama “The Girl With All the Gifts” öffnet die Büchse der Pandora und verfilmt den internationalen Bestseller von Mike Carey, der auch gleich das Drehbuch schrieb. Das Thriller-Drama bleibt zwar im Zombie-Genre verhaftet, hat aber durchaus überraschende Aspekte zu bieten. Der Film eröffnete in diesem Jahr auch das renommierte Filmfestival in Locarno.

the_girl_with_all_the_gifts_szenenbilder_08-ctDas junge Mädchen in dem Hochsicherheitstrakt kommt einem als Zuschauer schon seltsam vor. Melanie (Sennia Nanua) und ihre Mitgefangenen, allesamt Kinder, werden unter großen Sicherheitsvorkehrung auf einem Rollstuhl angeschnallt zum Schulunterricht gebracht. Trotzdem scheint sich das aufgeweckte Mädchen auf die tägliche Routine zu freuen. Vor allem wenn Lehrerin Helen Justineau (Gemma Arterton) die Stunde gibt.

Bedrückend und finster ist es in der Bunkeranlage, die für die Kinder die ganze bekannte Welt ausmacht, und das Drehbuch von Mike Carey, auf dessen gleichnamigem Roman (auf Deutsch als „Die Berufene“ 2014 bei Knaur erschienen) das apokalyptische Drama beruht, baut zunächst seine Atmosphäre auf, um den Zuschauer dann mit Informationen zu versorgen: Bei den Kindern handelt es sich um so genannte „Hungries“ (Hungrige), die wie der größte Teil der Menschheit von einem Pilz befallen wurden und ihren hirnlosen Fressreflex daraufhin nicht mehr unterdrücken können. Weil die Pilzinfektion weit um sich gegriffen hat, haben sich die Reste der Menschheit in militärische Sicherheitseinrichtungen geflüchtet.

the_girl_with_all_the_gifts_szenenbilder_03-ctAber die Kinder hier unterscheiden sich von den normalen Hungries, weil sie die zweite Generation sind und daher mit Intelligenz ausgestattet. Die Forscherin Dr. Caroline Caldwell (Glenn Close) hofft ein Gegenmittel für die Infektion zu finden und führt Versuche an den Kindern durch. In der Zwischenzeit werden diese unterrichtet, um ihre geistigen Fähigkeiten zu untersuchen.

Doch das Experiment wird abrupt unterbrochen, als die Sicherheitseinrichtung von Hungries überrannt wird. Nur Miss Justineau, Doktor Caldwell und den Soldaten  Gallagher (Fisayo Akinade) und Parks (Paddie Considine) gelingt mit Melanies Hilfe die Flucht. Doch weit und breit ist kein Unterschlupf zu finden und die Gruppe wendet sich nach London in der Hoffnung, dort trotz allem überleben zu können.

the_girl_with_all_the_gifts_szenenbilder_10-ctVor allem im ersten Teil, in dem den inhaftierten Kindern, die so harmlos wirken, Furcht und Hass entgegenschlägt, entfaltet „The Girl With All The Gifts“ seine große Stärke, wirft grundsätzliche moralische Fragen auf und lässt dem Zuschauer Möglichkeiten genug, sich mit dem intelligenten Zombie Melanie zu identifizieren. Die darstellerische Leistung von Sennia Nanua in ihrer ersten Rolle  ist mehr als beachtlich.

Sobald sich jedoch die in sich geschlossene Welt des Bunkers öffnet, wird auch wieder handelsübliche Zombie-Apokalypse zelebriert. Das Überleben der Gruppe folgt dabei ästhetisch eher Danny Boyles „28 Days Later“ als der Erfolgsserie „The Walking Dead“. Immerhin sorgt  die Abhängigkeit der menschlichen Gruppe ausgerechnet von einer verhassten Infizierten für einige gelungene Momente und auch für ein überraschendes und gelungenes Ende.

the_girl_with_all_the_gifts_szenenbilder_13-ctDer Titel bezieht sich übrigens auf den Mythos von Pandoras Büchse. Die erste von Zeus geschaffene Frau hatte vor allem Laster und Schlechtigkeiten in ihrer Büchse, die eine Gabe für die Menschen war, allerdings unter gar keinen Umständen geöffnet werden sollte. Daher blieb die Hoffnung in der Dose gefangen. Als übergeordnetes Thema eines apokalyptischen Thrillerdramas mag das zwar etwas strapaziert sein, aber der griechische Mythos sorgt auch für eine der besten Szenen des Films, wenn nämlich die Schüler sich selbst auch Geschichten ausdenken sollen und Melanie ihre vorliest.

Regisseur Colm McCarthy, der sich als Regisseur in diversen britischen Serien behauptete („Sherlock“, „Peaky Blinder“, „Ripper Street“), gelingt in seinem dritten Spielfilm eine sehenswerte Bestseller-Adaption, die trotz einiger weniger überzeugenden Sequenzen spannend unterhält. Das sollte nicht nur Genrefans ansprechen.

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Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Universum / SquareOne

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The Girl with All the Gifts

Länge: 116 Minuten

Kategorie: Drama, Horror, Thriller

Start: 09.02.2017

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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The Girl with All the Gifts

The Girl with All the Gifts

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 116 Minuten
Kategorie: Drama, Horror, Thriller
Start: 09.02.2017

Bewertung Film: (8/10)

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