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Elle

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 1. November 2016

Elle

Die Karriere des 78-jährigen Paul Verhoeven glich zuletzt einer Achterbahnfahrt, denn entweder ernteten seine Filme bestenfalls durchschnittliche Kritiken, oder sie wurden bereits nach den ersten Ideen wieder verworfen. Mit „Elle“ meldet sich der Altmeister nun eindrucksvoll zurück, denn der ungewöhnliche Rape-Thriller erntete nicht nur in Cannes jede Menge Applaus, sondern er ist auch Frankreichs Beitrag für die Oscarverleihung 2017.

ElleDie etwa 60-jährige Michelle (Isabelle Huppert) genießt das Leben als Frau der französischen Oberschicht, denn neben ihrer kleinen Villa liebt sie nicht nur die klassische Musik, sondern ebenso delikates Essen und eine gute Flasche Wein. Eines Tages wird Michelle in ihrer Villa von einem hereinstürmenden Einbrecher überwältigt und schließlich auch vergewaltigt, doch anstatt traumatisiert die nächste Polizeistation aufzusuchen, zieht sich diese um und versucht das Ereignis zu vergessen.

Die Tage gehen dahin, Michelle geht ihrer Affäre mit einem Kollegen nach, da erreichen sie plötzlich geheimnisvolle Botschaften. Der Vergewaltiger beobachtet sie noch immer, woraufhin sie schließlich bei einem Abendessen ihrem Ex-Mann und zwei Freunden davon erzählt, die ihre Reaktion kaum nachvollziehen können. Während ihr Ex-Mann sich genötigt sieht Michelle fortan zu beschützen, lauert der Einbrecher bereits, um seine Tat erneut zu wiederholen.

ElleBereits im Vorfeld berichteten Freunde aus dem Umfeld von Paul Verhoeven (Basic Instinct) von einem ungewöhnlichen Rape-Thriller, der nicht nur die Opfer-, sondern auch die Täterrolle zu thematisieren versucht. Basierend auf dem erfolgreichen Roman „Oh…“ von Philippe Djian (Betty Blue) versucht Verhoeven erneut zu polarisieren, denn mit seinen expliziten Bildern dokumentiert er nicht nur systematisch eine Vergewaltigung, er frönt auch einer gewissen frauenfeindlichen Einstellung, die eher unterschwellig transportiert wird und zum Kinostart mit Sicherheit ein Thema werden wird.

Sieht man von letzterem einmal ab, so ist „Elle“ mit weitem Abstand der stärkste Film, den Verhoeven in den letzten Jahren umgesetzt hat. Eine interessante Geschichte, eine überaus starke Isabelle Huppert (Liebe) und nicht zuletzt ein paar sehr seltsame Wendungen, die sein Werk bis zuletzt spannend erscheinen lassen. Das Besondere ist dabei insbesondere die im Mittelpunkt stehende Figur der Michelle, denn trotz ihres gehobenen Alters schafft sie es ein Selbstbewusstsein an den Tag zu legen, mit dem sie ihre männlichen Kollegen locker in die Schranken verweist.

Als Chefin einer Computerspielefirma degradiert sie Frauen zum reinen Lustobjekt, ihrem Sohn hat sie dagegen nichts entgegen zu setzen, der einmal mehr ohne Job und Perspektive im Leben zu versinken droht. Letzteres ist nur eine von zahlreichen Nebengeschichten in „Elle“, die zwar angesprochen werden, sich im Laufe der Zeit aber wieder aufzulösen beginnen. Zuweilen sind eben diese Nebengeschichten etwas zu viel des Guten, was insbesondere am ausführlichen Leben des Nachbars dokumentiert wird, der von seiner streng katholischen Frau nahezu erstickt wird.

ElleEin wenig enttäuschend ist bei alledem beinahe die sehr frühe Auflösung des Films, denn bereits nach nur einer Stunde erfährt der Zuschauer die eigentliche Identität des Einbrechers, was schließlich auch in ein perverses Spiel umschlagen soll, bei dem Michelle ebenso ihren Anteil hat. Ein gangbarer Weg für Paul Verhoeven, bei dem er allerdings auch reichlich Kritik hat einstecken müssen.

Die wohl größte Überraschung ist einmal mehr Frankreichs Ausnahmetalent Isabelle Huppert, die selbst im hohen Alter noch herausfordernde Rollen annehmen will. Die Figur der Michelle ist eine recht undankbare Rolle, welche Huppert nicht nur annahm, sondern auch erfolgreich meistern konnte. Trotz vieler expliziter Szenen ist sie sich nicht zu schade noch einen Schritt weiter zu gehen, wodurch „Elle“ letzten Endes zu einem wirklich sehenswerten Film geworden ist.

Mit „Elle“ präsentiert Paul Verhoeven einen packenden Rape-Thriller, der neben seiner interessanten Geschichte insbesondere auf eine sehr starke Isabelle Huppert bauen darf. Frankreichs Beitrag für den Oscar 2017, den man auf jeden Fall gesehen haben sollte.

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Elle

Länge: 130 min

Kategorie: Drama, Thriller

Start: 16.02.2017

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 130 min
Kategorie: Drama, Thriller
Start: 16.02.2017

Bewertung Film: (7,5/10)

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