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Der junge Messias

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 3. November 2016

Der junge Messias

In regelmäßigen Abständen wird der Zuschauer mit der Verfilmung der katholischen Geschichte konfrontiert, doch wo die meisten von der Geburt Jesus Christi, dessen Lehren und der späteren Wiedergeburt berichten, geht Regisseur Cyrus Nowrasteh einen Schritt weiter. Dieser verfilmt nämlich den fiktiven Stoff von Autorin Anne Rice, die sich der bisher wenig beachteten Kindheit Jesus widmete.

Der junge MessiasDer siebenjährige Jesus (Adam Greaves-Neal) lebt zusammen mit seinen Eltern Maria (Sara Lazzaro) und Josef (Vincent Walsh) in Alexandria, wohin sie seinerzeit vor der Verfolgung von König Herodes geflohen sind. Schon früh zeigt sich die besondere Gabe Jesus, denn wo er mit einem Wort seine Gegner niederstrecken kann, kann er diese sogar mit einer Berührung von den Toten zurückholen. Eines Tages erfährt Josef in einem Traum vom Tode Herodes, woraufhin dieser kurzerhand beschließt, nach Galiläa mit seiner Familie zurückkehren zu wollen.

Die Reise nach Nazareth wird zügig angetreten, doch als Jesus seinen schwer erkrankten Onkel Cleophas (Christian McKay) heilt, verbreitet sich die Kunde von diesem Wunder wie ein Lauffeuer im ganzen Land. Natürlich erfährt auch die römische Führung davon, woraufhin der Centurio Severus (Sean Bean) den Auftrag erhält, den Knaben zu finden und zu töten. Während sich Jesus, Maria und Josef nun der Verfolgung durch die Römer ausgesetzt sehen, versteht Jesus die Welt um sich herum nicht mehr.

Der junge MessiasSchriftstellerin Anne Rice (Interview mit einem Vampir) fand nach dem Tode ihrer Tochter Halt am katholischen Glauben, woraufhin diese kurzerhand beschloss, einen dreiteiligen fiktiven Roman über Jesus zu schreiben. Von besagten drei Romanen sind leider nur zwei erschienen, da sich Rice vom Glauben erneut abwendete und damit ihre Bibel-Geschichte unvollendet ließ. Der Film „Der junge Messias“ basiert daher auf eben jenen zwei veröffentlichten Büchern, in denen auf die wenig beachtete Kindheit Jesus eingegangen wird, von der selbst in den heiligen Schriften kaum etwas niedergeschrieben ist.

Für Regisseur Cyrus Nowrasteh (Tödliche Zeilen) und Autorin Betsy Giffen Nowrasteh (Under Pressure) sollte sich diese Adaption als ganz besondere Herausforderung darstellen, denn wo man eine offensichtliche Lücke in den historischen Aufzeichnungen auszunutzen versucht, ruft dies nur allzu schnell die Gläubigen auf den Plan, die exakt dies zu kritisieren versuchen. Der Spagat zwischen Fiktion und überlieferten Fakten ist mit „Der junge Messias“ durchaus gelungen, was allerdings auch daran liegt, dass Nowrasteh auf kritische Äußerungen komplett verzichtet hat.

Der junge MessiasWo sich Martins Scorseses mit „Die letzte Versuchung Christi“ noch an eine sehr skandalträchtige Interpretation herangewagt hat, ist „Der junge Messias“ eher als lupenreiner Familienfilm zu verstehen. Maria wird als einfache Frau dargestellt, die Gefahr durch die Römer ist zu spüren, nie aber zu sehen, während selbst die Flucht vor diesen eher als lockerer Ausflug umgesetzt wird. Dies ist zuweilen zu hinterfragen, doch liegt der Fokus hier vielmehr auf dem Zwiespalt an sich, wenn Jesus seine eigenen Fähigkeiten zur Heilung sieht, dabei aber erkennen muss, das seine Eltern ihm etwas verbergen.

Stilistisch kann „Der junge Messias“ mit den großen Produktionen ohne weiteres mithalten, denn die lupenreine Inszenierung besticht in erster Linie mit ihren kräftigen Farben, einem gelungenen Setting und einer passenden Musikuntermalung. Etwas enttäuschend ist dahingehend schon beinahe die Umsetzung des Bösen ausgefallen, denn wo man den römischen Herodes bestenfalls als leicht verrückten Mann zu sehen bekommt, wird der Satan als lockenköpfiger Mann mit Kutte abgebildet, den nur Jesus sehen kann.

Von den Darstellern kann kaum jemand wirklich hervorstechen, was weniger deren Leistung als vielmehr dem Drehbuch und der entsprechenden Figurenzeichnung zuzuschreiben ist. Beinahe alles konzentriert sich einzig und allein auf die Person Jesu, der mit dem jungen Adam Greaves-Neal (Sherlock) wirklich passend besetzt ist. Mit seinen Rehaugen strahlt dieser beinahe zwei Stunden einzig und allein Unschuld und Unwissenheit aus, was letzten Endes auch dem fiktiven Stoff von Anne Rice entspricht.

Die Romanadaption von Cyrus Nowrasteh ist eine lupenreine Inszenierung und am ehesten als lockerer Familienfilm zu verstehen, der trotz aller Fiktion darauf verzichtet, Dinge zu hinterfragen oder gar kritische Äußerungen zu tätigen.

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Der junge Messias

Länge: 111 min

Kategorie: Drama

Start: 03.11.2016

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Der junge Messias

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 111 min
Kategorie: Drama
Start: 03.11.2016

Bewertung Film: (6/10)

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