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Mali Blues

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 26. September 2016

Mali Blues

Das westafrikanische Mali gilt mit seinen 14 Mio. Einwohnern als Ursprung des Blues, den verschiffte Sklaven auf die Baumwollfelder Amerikas brachten und der dort als Sprachrohr diente, dem eigenen Leid Ausdruck zu verleihen. Der deutsche Filmemacher Lutz Gregor begab sich nach Mali, um gleich vier Musiker zu porträtieren, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Mali BluesSeit dem Jahre 2012 ist im Norden Malis kaum noch ein Musiker sicher, denn radikale Islamisten eroberten diesen und führten die Scharia ein. Musik wurde verboten, Musiker gefoltert, Instrumente und andere Kulturgüter zerstört, um Land und Bevölkerung zu brechen. Viele Musiker verstummten, mussten ins Exil gehen oder in die Hauptstadt Bamako fliehen, doch der Terror weitete sich auch auf andere Teile Malis auf. Obwohl die UNO das Gebiet sicherte, terrorisieren selbst heute noch verstreute Splittergruppen zahlreiche Musiker, weswegen diese nach wie vor um ihr Leben fürchten.

Regisseur Lutz Gregor (Verborgenes Venedig) hat sich die Situation in Mali angeschaut, wollte mehr über die Ursprünge des Blues wissen und hat sich dafür vier Musiker gesucht, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gleichwohl zusammen mit ihrer Musik und ihrer Stimme für Frieden und Versöhnung einstehen. So kehrt Musikerin Fatoumata Diawara – der Shootingstar des AfroPop – aus dem Exil in ihr Heimatland zurück, um im Jahre 2015 ihr erstes Konzert in Mali zu geben. Diawara floh seinerzeit vor einer arrangierten Ehe ins Ausland, singt heute über die Rechte der Frauen, über Armut und vor allem die Gewalt an Frauen, die meist von den Ehemännern ausgeht.

Mali BluesGanz anders ist da Rapper Master Soumy, der mit seinen politischen Texten nicht nur von der Jugend Malis gehört wird, sondern von korrupten Politikern ebenso. Musiker Bassekou Kouyaté gilt als Virtuose der Ngoni, jenes traditionellen Lauteninstruments in Mali, von dem das Banjo angeblich abstammen soll. Kouyaté schwärmt von seinem Instrument auf einer staubigen Straße Malis, lässt ein Lied erklingen und zeigt gleichzeitig auf, wie sehr sich die Bedienung des Instrumentes verändert hat, seitdem sein Vater dieses spielte. Die Musiker Malis wollen sich vor allem von den Weißen abheben, wird ein ums andere Mal gesagt, sie möchten etwas Eigenes machen, eine eigene Identität besitzen, um wahrgenommen zu werden.

Neben der wunderschönen Bluesmusik, die auf dem Festival sur le Niger in Ségou zu hören ist, tritt diese zumeist leise aus dem Hintergrund hervor, wenn unsere vier Musiker vom Leben in Mali und ihren Songtexten berichten. Die Interviews sind zumeist auf Französisch gehalten, während die Lieder in der traditionellen Sprache Malis vorgetragen werden. Musik verbindet, Musik vereint, das erkennt man am ehesten am Musikfestival, wo dutzende ethnische Gruppen umarmt tanzen und ihrer Leidenschaft nachgehen. Die Musik Malis ist ein erstes Zeichen gegen den Terror im Norden, denn ergeben hat sich diese Jugend ihrem Schicksal noch lange nicht.

Dem deutschen Dokumentarfilmer Lutz Gregor gelingt mit „Mali Blues“ eine faszinierende Dokumentation über die Musik dieses kleinen Landes, die als Sprachrohr für Frieden und Versöhnung dienen kann.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Real Fiction, Konrad Waldmann

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Mali Blues

Länge: 90 min

Kategorie: Documentary, Music

Start: 29.09.2016

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Mali Blues

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 90 min
Kategorie: Documentary, Music
Start: 29.09.2016

Bewertung Film: (7/10)

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