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Umrika – Das Glück beginnt hinter dem nächsten Hügel

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 13. März 2016

Umrika

Kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht mit Flüchtlingen in den Medien konfrontiert wird, und dennoch sind gerade diese Einzelschicksale kaum greifbar, kann man sich doch nicht im Ansatz vorstellen, was in diesen Menschen vorgehen mag. Abseits einer Vielzahl an Klischees erzählt Filmemacher Prashant Nair mit „Umrika“ nun die etwas andere Flüchtlingsgeschichte von einem besseren Leben, was nicht nur mit beeindruckenden Bildern unterlegt, sondern ebenso mit sehr viel Herz erzählt wird.

UmrikaIndien in den 80er Jahren: Der etwa 18-jährige Udai (Prateik Babbar) lebt in einem kleinen indischen Dorf und träumt von einem besseren Leben. Besagtes bessere Leben könnte er in Umrika (das indische Wort für Amerika) finden, woraufhin er sich von seiner Mutter (Smita Tambe) und seinem jüngeren Bruder Ramakant (Suraj Sharma) verabschiedet. Die Tage, Wochen und Monate ziehen ins Land, doch von Udai ist kein Lebenszeichen zu vernehmen.

Seine Mutter macht sich Sorgen, stürzt in eine tiefe Depression, doch plötzlich erreicht ein erster Brief das kleine Dorf. Es ist die Rede von einem wunderschönen Land, von Wohlstand und anderen unglaublichen Dingen, was fortan das ganze Dorf unterhalten soll. Eines Tages stirbt Udais Vater bei einem tragischen Unfall, woraufhin nicht nur die Briefe von Udai ausbleiben, sondern Ramakant auch das ganze Ausmaß des Schwindels erfährt. Zusammen mit seinem besten Freund Lalu (Tony Revolori) macht sich Ramakant auf, die Spur seines älteren Bruders zu verfolgen, was ihn schließlich zum geheimnisvollen Mr. Patel (Adil Hussain) führen soll.

UmrikaNach „Delhi in a Day“ durfte Prashant Nair sofort mit seinem erst zweiten Film zum bekannten Filmfest nach Sundance, wo er nicht nur das Publikum begeisterte, sondern gleich auch mit dem Publikumspreis belohnt wurde. Anders als viele vergleichbare Filme erzählt Nair mit „Umrika“ nicht nur jene Geschichte des Wunsches nach einer besseren Welt, sondern er berichtet ebenso von der Aufklärung gegenüber westlichen Werten, und dass eben nicht alles Gold ist was glänzt.

Für das ungewöhnliche Drehbuch zeichnet sich Prashant Nair auch dieses Mal selbst verantwortlich, indem er im ersten Drittel in einem eher lockeren Erzählton von einem kleinen indischen Dorf berichtet, das jedwede Postkarte zum Anlass nimmt, in die unbekannten Sphären hinaufzugleiten und ein Loblied auf das sagenumwobene Umrika zu singen, wo jeder in Luxus lebt und ausreichend Essen hat. Im zweiten Drittel wird dieser lockere Erzählton zuweilen gebrochen, wenn Ramakant hinter das Geheimnis der Karten kommt und die Suche nach seinem Bruder aufnehmen wird. Zum ersten Mal wird nun Umrika infrage gestellt, ohne dass der Film selber jedoch in ein Drama abgleiten soll.

UmrikaZwischen illegalen Aktivitäten, Drogenschmuggel und dem Schleusen von Menschen wird im letzten Drittel die beinahe typische Flüchtlingsgeschichte erzählt, was zuweilen deutlich an Fahrt verliert, durch eine Wendung gegen Ende hin allerdings noch einmal spannend werden soll. Den großen Pluspunkt von „Umrika“ bildet aber weniger das Drehbuch, das wir in ähnlicher Form bereits aus anderen Filmen kennen, sondern die durchweg gelungene Kameraarbeit von Petra Korner (My Soul to Take), der ein ums andere Mal wirklich einmalige Bilder gelingen.

Neben der gelungenen Figurenzeichnung allgemein darf aber auch Suraj Sharma (Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger) nicht unerwähnt bleiben, der mit seinem zurückhaltenden Spiel maßgeblich dazu beigetragen hat, dass „Umrika“ trotz einiger Schwächen bis zum Ende hin sehenswert bleibt. Damit einher geht aber auch das Spiel von Smita Tambe, die als Mutter zweier ausgewanderter Kinder wunderbar jene Gefühle zum Ausdruck bringt, nicht zu wissen, was mit diesen wohl geschehen sein könnte. Tambe könnte universell für tausende andere Mütter in der aktuellen Flüchtlingsdebatte stehen, sind unter den sog. Wirtschaftsflüchtlingen doch oftmals nur die Kinder im arbeitsfähigen Alter zu finden.

Mit seinem erst zweiten Spielfilm schafft es Prashant Nair, eine herzerwärmende Geschichte mit einem wirklich sehenswerten Cast zu verbinden. Trotz einiger Schwächen ein wirklich gelungener Film, den man gesehen haben sollte.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Ascot Elite

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Umrika - Das Glück beginnt hinter dem nächsten Hügel

Länge: 98 min

Kategorie: Comedy, Drama

Start: 11.03.2016

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Umrika - Das Glück beginnt hinter dem nächsten Hügel

Umrika – Das Glück beginnt hinter dem nächsten Hügel

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 98 min
Kategorie: Comedy, Drama
Start: 11.03.2016

Bewertung Film: (7/10)

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