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A War

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 6. März 2016

A War

Das überschaubare Dänemark ist mit seinen Soldaten an nahezu allen Krisenherden dieser Erde präsent, doch die meisten Verluste sind bisher in Afghanistan zu verzeichnen gewesen. Afghanistan prägt die dänische Bevölkerung, was nicht nur in dem in Cannes uraufgeführten Dokumentarfilm „Camp Armadillo“ zur Sprache kam, sondern nun auch im Oscar-nominierten Film „A War“.

A WarFernab ihrer Heimat muss eine kleine dänische Einheit unter der Führung von Kommandant Claus Michael Pedersen (Pilou Asbæk) täglich um ihr eigenes Leben fürchten. Die Aufgabe besagter Soldaten ist es, die Bevölkerung eines kleinen Dorfes in Afghanistan zu schützen und einige Minen zu entfernen. Doch gegen die Vielzahl der Taliban-Kämpfer ist kaum etwas auszurichten. Eines Tages gerät die kleine Einheit am helllichten Tage ins Kreuzfeuer der Taliban, woraufhin Pedersen Luftunterstützung anfordert und ein Haus bombardieren lässt.

Das eigene Leben und das Leben seiner Kameraden scheint gerettet zu sein, doch nur wenige Stunden später sind die ersten Ermittler im Lager zu finden. In besagtem Haus befanden sich angeblich Zivilisten und Kinder, weswegen Pederson nicht nur seines Amtes enthoben wird, sondern sich in Dänemark auch vor einem Gericht zu verantworten hat. Während seine Frau die Wiederkehr ihres Mannes begrüßt, sieht dieser sich nun einem schwierigen moralischen Dilemma ausgesetzt, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint.

A WarDie meisten Kriegsfilme über die Kämpfe in Afghanistan kommen zumeist aus den Vereinigten Staaten, wo nicht nur wehende Fahnen, sondern auch jede Menge Feuergefechte zu sehen sind. Die grausame Realität sieht oft anders aus, denn im Krieg gibt es nicht nur viele Verluste, sondern auch sehr viel Leid. Der dänische Filmemacher Tobias Lindholm (Die Kommune) hat mit „A War“ nun eben dies in Bilder einzufangen versucht, was nicht nur ergreifend ist, sondern auch das moralische Dilemma offenbart, dem die dort stationierten Soldaten beinahe täglich ausgesetzt sind.

Das Drehbuch von Tobias Lindholm ist das beste Beispiel für einen gelungenen Anti-Kriegs-Film, denn hier stehen nicht schnelle Schusswechsel und wehende Fahnen im Mittelpunkt, sondern der ganz normale Alltag der Soldaten sowie existentielle Fragen, wenn es um das eigene Überleben geht. Darf ich den Befehl geben? Ist der Befehl moralisch fragwürdig und was ist, wenn eine Entscheidung falsch ist, diese mir und meinen Kameraden aber das Leben retten könnte? Diese Frage und die darauf folgende Entscheidung bilden den Mittelpunkt von „A War“, bei dem das erste Drittel an der Front spielt, der Film sich dann aber in ein Gerichtsgebäude verlagert. Eine taffe Anwältin versucht zu beweisen das ein Befehl zu Unrecht gegeben wurde, dass die Folge davon der Verlust ziviler Menschenleben war, auch wenn das Leben der Soldaten dadurch gerettet wurde.

A WarAuf der Anklagebank sitzend, entsteht für den Kommandeur ein moralisches Dilemma, denn obwohl Leben gerettet wurden, musste anderes Leben gelassen werden. Es zeigt aber auch den Unterschied zwischen jenen Personen auf, die die Front kennen und jenen, die bestenfalls das Gesetzbuch herunterbeten können. Was ist richtig? Was ist falsch? Fragen, auf die es mehr als nur eine Antwort geben kann. Für Tobias Lindholm ist aber nicht nur die Perspektive der Soldaten wichtig, denn Lindholm versucht dem Zuschauer ebenso jene Situation der zurückgelassenen Familie zu verdeutlichen, die auf den Ehemann und Vater oftmals für mehrere Monate zu verzichten hat. Pedersens Frau versucht so gut es geht, für die drei kleinen Kinder zu sorgen, doch so sehr sie sich auch bemüht, der älteste Sohn zeigt aggressive Tendenzen, bei denen eine präsente Vaterfigur helfen könnte. Gleichzeitig zeigt die Figur der Mutter aber auch, dass sie nicht noch länger auf ihren Ehemann verzichten kann, denn trotz aller moralischen Fragen und der eventuellen Opfer in Afghanistan bestärkt diese doch ihren Mann, einen Meineid zu leisten.

Dieses moralische Dilemma ist letzten Endes aber auch jene Stelle des Filmes, bei der man als Zuschauer nicht gänzlich verstehen kann, worauf Tobias Lindholm überhaupt hinaus will. Möchte er uns erzählen, dass selbst gute Soldaten falsche Entscheidungen treffen können? Möchte er uns verdeutlichen, dass es gar keine guten Soldaten in einem Krieg geben kann, oder ist es eher doch das Politische, das diesen Film gegen Ende hin maßgeblich prägt? Fragen, die nur sehr schwer zu beantworten sind, die dem Zuschauer aber auch jede Menge Möglichkeiten zur Interpretation geben, um nach dem Film das dargelegte Thema in mehrerer Hinsicht zu hinterfragen.

Tobias Lindholm präsentiert mit „A War“ einen wirklich sehenswerten Anti-Kriegs-Film, der seinen Fokus maßgeblich auf ein interessantes moralisches Dilemma legt.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Studiocanal

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A War

Länge: 115 min

Kategorie: Drama, War

Start: 14.04.2016

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Info

A War

A War

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 115 min
Kategorie: Drama, War
Start: 14.04.2016

Bewertung Film: (7,5/10)

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