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The Forest

Geschrieben von Frank Schmidke am 22. Januar 2016

THE_FOREST_01Der 35 km² große Aokigahara-Wald, am nördlichen Fuß des japanischen Berges Fuji gelegen, ist zwar ein Naturdenkmal, hat seinen Ruf aber vor allem aufgrund der Beliebtheit als Ort für Selbstmorde. Seit den 1960er Jahren kommen immer wieder Menschen in diesen Urwald, um sich das Leben zu nehmen. Neben der Golden Gate Bridge ist der Aokigahara einer der weltweit bekanntesten Selbstmord-Orte. Genau das richtige Setting für einen Horrorfilm, der auf dichte Atmosphäre und Psychologie setzt.

Sara (Natalie Dormer) bekommt einen Anruf aus Tokio. Ihre Zwillingsschwester Jess, die dort als Lehrerin arbeitet, ist seit Tagen verschwunden und die Behörden nehmen an, dass sie sich etwas angetan hat. Doch Sara glaubt nicht daran, dass sich ihre Schwester in dem berüchtigten Aokigahara-Wald das Leben genommen hat, und setzt sich umgehend in ein Flugzeug nach Japan.

The ForestDoch die Behörden sind wenig hilfreich und den Schülerinnen von Jess jagt das Auftauchen der Zwillingsschwester einen ganz schönen Schrecken ein. Doch auch hier erfährt die junge Frau nichts Neues und macht sich zu jenem Ort auf, an dem ihre Schwester verschwunden ist. Am Fuße des Berges Fuji rät man ihr allerdings davon ab, allein in den undurchdringlichen Wald zu gehen. Zu viele Menschen haben in diesem Urwald  schon die Orientierung verloren, weil sie die Wanderwege verlassen haben. Als Sara den australischen Journalisten Aiden (Taylor Kinney) trifft, bietet sich eine Gelegenheit, sicher in den Wald zu kommen.

Aiden will das „Meer aus Bäumen“ am folgenden Tag mit dem Führer Michi (Yukiyoshi Ozawa) erkunden und Sara schließt sich an. Schon bald stößt die kleine Expedition auf Spuren diverser Selbstmörder, doch von Jess fehlt weiter jede Spur.

The ForestRegie-Neuling Jason Zada, der seine Sporen in der Werbeindustrie verdient hat, inszeniert „The Forest“ nicht als Shocker oder Slasher, sondern baut die Atmosphäre langsam auf und orientiert sich an den klassischen Gruselfilmen der 60er und 70er Jahre. Glücklicherweise wird auch nicht auf wackeliges Found Footage-Material zurückgegriffen. Stattdessen taucht der an Originalschauplätzen in Japan gedrehte Gruselthriller ganz in die Atmosphäre des von dunklen Mythen umrankten Naturdenkmals Aokigahara ab. Als stimmungsvolles und unübersichtliches Setting funktioniert das ausgesprochen gut und ist auch ziemlich beeindruckend aufgenommen. Immer wieder werden gruselige Details und Spuren vergangener Selbstmörder eingestreut, und die vielen Höhlen und moderig bemosten alten Bäume werden einem Spukwald mehr als gerecht.

Und dennoch kann „The Forest“ nicht auf ganzer Linie überzeugen. Die Idee von Produzent David S. Goyer („Ghost Rider“, Dark Knight Rises“, „The Unborn“) hat durchaus Potential, aber so recht will der Funke nicht überspringen. An Natalie Dormer („Game of Thrones“, „Mockingjay 1& 2“) liegt es nicht. Die Britin verleiht ihrer Figur eine zielstrebige Aufrichtigkeit, die mit einer Sceam-Queen nichts gemeinsam hat. Auch die wenigen Auftritte der Zwillingsschwester meistert Dormer gut. Die männlichen Darsteller, allen voran Taylor Kinney, leiden unter der Vorhersehbarkeit ihrer Charaktere. Das trägt nicht eben zum Spannungsaufbau bei.

The ForestVielleicht liegt es auch an dem etwas rumpeligen, überhasteten Auftakt, dass während des Waldspazierganges vergleichsweise wenig  Spannung aufkommt. Bereits in den ersten Minuten, während der Charakter Sara eingeführt wird, leidet diese schon wiederholt unter Alpträumen. Für die Handlung erweist sich das als Nachteil, weil man ständig erwartet, dass sich sowieso alles als Traum oder Halluzination herausstellt. Auch ist die Story in Hinblick auf Geistererscheinungen und Wanderanleitungen nicht sonderlich konsequent. Vielleicht hätte man „The Forest“ eher als Vermissten-Thriller mit übernatürlichen Elementen anlegen sollen. Die Story und das Zwillingsmotiv hätten das sicherlich auch hergegeben. Und auch die kulturellen Unterschiede zwischen Ost und West hätte man so ausbauen können.

„The Forest“ ist vor allem eine atmosphärische gelungene Inszenierung, die den verruchten japanischen Selbstmörderwald ins rechte, zwielichtige Licht rückt. Die Handlung leidet ein wenig unter mangelnder Spannung. Von einem „Horror“-Film erwartet man schon etwas mehr.

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Wir vergeben daher 5,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Splendid / Tobis

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Länge: 93 Minuten

Kategorie: Horror

Start: 04.02.2016

cinetastic.de Filmwertung: (5,5/10)

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Info

The Forest

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 93 Minuten
Kategorie: Horror
Start: 04.02.2016

Bewertung Film: (5,5/10)

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