cinetastic.de - Living in the Cinema

Self/Less – Der Fremde in mir

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 27. Dezember 2015

Self/Less - Der Fremde in mir

Seit Jahrhunderten versucht sich der Mensch bereits vergeblich daran, die Grenzen der eigenen Sterblichkeit zu überwinden, was jedoch erst in den letzten Jahren durch die gezielte Genanalyse zumindest im Ansatz zum Erfolg führte. Während man bereits bei Ratten den Alterungsprozess verlangsamen kann, geht Filmemacher Tarsem Singh noch einen Schritt weiter, denn seine Grundidee beruht darauf, dass sich der Mensch kurz vor dem Tode einfach einen neuen Körper aussucht und diesen wie einen Anzug wechselt.

Self/Less - Der Fremde in mirDer New Yorker Damian Hale (Ben Kingsley) ist etwa 60 Jahre alt, hat im Leben im Grunde alles erreicht und ist ganz nebenbei auch noch steinreich, hat er sich doch in den letzten Jahrzehnten einen Namen als erfolgreicher Immobilien-Mogul gemacht. Leider nutzt alles Geld der Welt nichts, wenn eine tödliche Krankheit die eigene Existenz bedroht, doch dann erfährt Damian etwas von einer Technik namens Shedding, die von einem britischen Wissenschaftler erfunden wurde. Besagter Wissenschaftler verspricht Damian nichts weniger als die Unsterblichkeit, indem er dessen gesamte Erinnerungen und sein Ich in einen neuen Körper transferiert. Der eigene Tod ist schnell vorgetäuscht, der Körper wird gewechselt, woraufhin Damian nun unter dem Namen Edward (nun: Ryan Reynolds) ein Leben als Playboy führt. Im Grunde scheint alles perfekt zu sein, doch nachdem Edward seine Medikamente einzunehmen vergisst, folgen auf Kopfschmerzen die seltsamsten Erinnerungen, die unmöglich seine eigenen sein können.

Die Idee vom Tausch des eigenen Körpers ist natürlich alles andere als neu und dennoch waren die beiden Brüder David und Àlex Pastor (Carriers) sichtlich darum bemüht, ihren Film „Self/Less – Der Fremde in mir“ zumindest ein Stück weit von der breiten Masse abheben zu lassen. Unter der Regie von Tarsem Singh (Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen) entstand dabei aber kein Film, der auf philosophischer Ebene ansetzt und sich mit der Materie der Unsterblichkeit auseinandersetzt, sondern ein recht austauschbarer Thriller, der in erster Linie durch seine Actionszenen zu gefallen versteht.

Self/Less - Der Fremde in mirEin wenig mag „Self/Less – Der Fremde in mir“ an „Der Mann, der zweimal lebte“ erinnern, doch beide Filme könnten trotz gleicher Thematik kaum unterschiedlicher sein. Hier prallen vielmehr die Gegensätze aufeinander, wenn uns erst das glänzende New York mit einem doch recht arroganten Damian präsentiert wird, der sich durch sein Vermögen alles erlauben kann, während wir nur wenig später mit New Orleans konfrontiert werden, das sich nach den schweren Überschwemmungen grade erst auf dem Weg der Besserung befindet.

An dieser Stelle beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen, denn während der neugeborene Edward seine zweite Jugend mit allerhand jungen Frauen und Basketball auszuleben versucht, wird der Zuschauer mit dem eigentlichen Kern des Films konfrontiert. Mehr und mehr Erinnerungen gelangen an die Oberfläche, die gar nicht seine eigenen sind, es wird eine Spur verfolgt die darauf aufbaut, und schon bald steht eine Familie, bestehend aus Frau und Kind, vor einem, der ihnen doch ein wenig bekannt vorkommen könnte. Moralische Fragestellungen entstehen, doch an diesen ist Tarsem Singh zu keiner Zeit gelegen, wodurch sich „Self/Less – Der Fremde in mir“ wie ein Film anfühlt, der ungemein viel versucht zu sein, dennoch aber leider nur an der Oberfläche kratzt.

Self/Less - Der Fremde in mirZwischen wilden Verfolgungsjagden mit dem Auto und sehenswerten Schießereien versucht sich der auf knapp zwei Stunden gestreckte „Self/Less – Der Fremde in mir“ irgendwie von einer Location zur anderen zu hangeln, wobei die bekannten Thriller-Elemente abgespult werden. Für Hauptdarsteller Ryan Reynolds (Deadpool) scheint dieser Film nach einigen Flops dennoch ein Gewinn zu sein, denn er verkörpert seine Figur glaubhaft, auch wenn diese nie auch nur annähernd eine interessante Figurenzeichnung erfahren hat. Figuren wie der britische Wissenschaftler Albright (Matthew Goode) oder Edwards Frau und Kind hat es dagegen jedoch noch schlimmer getroffen, denn mit Ausnahme einiger Szenen gegen Ende dürften diese bereits nach nur wenigen Minuten vergessen sein. Was bleibt, sind nett anzusehende Actionsequenzen, gut inszenierte Handgreiflichkeiten und natürlich das Science-Fiction-Thema an sich, das zum Träumen nach einer besseren Zukunft einlädt.

Tarsem Singh’s „Self/Less – Der Fremde in mir“ ist ein recht oberflächlicher Science-Fiction-Film, der sich weniger mit den moralischen und philosophischen Fragen der Existenz auseinandersetzt, sondern als reiner Actionfilm funktioniert.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Concorde

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Self/Less - Der Fremde in mir

Länge: 117 min

Kategorie: Mystery, Sci-Fi, Thriller

Start: 23.12.2015

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Self/Less - Der Fremde in mir

Self/Less – Der Fremde in mir

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 117 min
Kategorie: Mystery, Sci-Fi, Thriller
Start: 23.12.2015

Bewertung Film: (6/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten