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Escobar: Paradise Lost

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 16. November 2015

Escobar: Paradise Lost

Über den kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar kann man unzählige Geschichten erzählen. Angefangen von seiner Kindheit mit seinen zahlreichen Geschwistern über den Aufbau seines Kartells bis hin zum Drogenschmuggel in die USA, lassen sich dabei viele interessante Aspekte finden, die es wert sind näher betrachtet zu werden. Filmemacher Andrea Di Stefano lässt diese biografischen Grundlagen jedoch weitestgehend außer acht, wenn er die fiktive Geschichte eines Außenseiters erzählt, der für seine große Liebe mit Escobar und dessen Grausamkeiten konfrontiert wird.

Escobar: Paradise LostKolumbien in den 90er-Jahren: Der Kanadier Nick (Josh Hutcherson) möchte zusammen mit seinem Bruder Dylan an einem wunderschönen Strandabschnitt eine Bar inklusive Surfschule eröffnen, doch als die ersten Wände der Bar stehen, machen beide unliebsame Bekanntschaft mit einheimischen Gangstern. Nur wenig später lernt Nick die wunderschöne Maria (Claudia Traisac) kennen und lieben, die ihren neuen Freund natürlich auch sogleich der Familie vorstellen möchte. In besagter Familie befindet sich ebenso der kolumbianische Drogenbaron Pablo Escobar, der nicht nur Marias Onkel ist, sondern sich auch sogleich um Nicks Problem zu kümmern versucht. Nur wenige Tage später hängen Nicks Widersacher an den Füßen aufgehängt an einem Baum, doch kann dafür tatsächlich Onkel Pablo verantwortlich sein? Während Maria den Drogenverkauf als ein Nationalgut Kolumbiens ansieht, beginnt Nick langsam aber sicher hinter die Fassade von Pablo Escobar zu blicken, doch für eine Flucht ist es bereits viel zu spät.

Erst vor wenigen Wochen veröffentlichte der US-amerikanische Video-on-Demand-Anbieter Netflix seine Fernsehserie „Narcos“, die sich in erster Linie um den Aufstieg und Fall von Pablo Escobar dreht. Das Regiedebüt von Andrea Di Stefano lässt sich damit nur bedingt vergleichen, denn wo „Narcos“ auf eine Vielzahl von nachgewiesenen Tatsachen baut, verlässt sich Stefano vielmehr auf jede Menge Fiktion. Letzteres erscheint vollkommen legitim, verbindet dieser doch die undurchschaubare Person von Escobar mit einer jungen und aufkeimenden Liebe, die im Sumpf von Drogen und Gewalt zu ersticken droht.

Escobar: Paradise LostBereits zu Beginn wird der Zuschauer mit reichlich verworrenen Handlungssträngen konfrontiert, wenn wir einen unbekannten Jungen Mann in einen Wagen einsteigen sehen, dem gerade erst von Pablo Escobar höchst persönlich mitgeteilt wurde, dass er an seinem Ziel nicht nur eine wertvolle Fracht zu verstecken hat, sondern gleichfalls einen Bauern töten soll. Wir springen in der Zeit nun um einige Monate zurück, von wo aus der eigentliche Aufbau dieses Dramas beginnen soll. Im Mittelpunkt von „Escobar: Paradise Lost“ soll fortan ein aufstrebender junger Mann mit vielen Idealen stehen, der im fernen Kolumbien als kanadischer Staatsbürger noch einmal von vorn beginnen möchte und dabei alles nur Erdenkliche versucht, zusammen mit seinem Bruder etwas auf die Beine zu stellen.

An dieser Stelle wechselt im weitesten Sinne der Grundton der Inszenierung, denn fortan soll sich alles nur noch um das junge Glück drehen, das Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist. Auf der einen Seite Nick, der grade erst seine große Liebe gefunden hat, auf der anderen Maria, die zufällig die Lieblingsnichte von Pablo Escobar ist. Bereits das erste Zusammentreffen erinnert daher ein wenig an „Der Pate“, wenn Nick auf das pompöse Anwesen eingeladen wird und sich dort die Crème de la Crème des Verbrechens die Hand gibt. Aus diesen ersten Eindrücken erwachsen bereits erste Zweifel, die sich fortan nicht wieder legen möchten. Mehr und mehr wird der Zuschauer in die Welt von Pablo Escobar eingeführt, der zum einen ein liebender Familienmensch ist, zum anderen aber auch ganz anders kann, wenn er seine Gegner auf grausamste Art und Weise ermorden lässt.

Escobar: Paradise LostParallel dazu verläuft der Brudertwist zwischen Nick und Dylan, aus dem die Autoren jedoch weitaus mehr hätten machen können. Viele Gefühle verbleiben an der Oberfläche, die Figurenzeichnung von Dylan ist unglaublich schwach, weswegen die eigentlichen Beweggründe für sein Handeln recht undurchschaubar bleiben. Neben leichten inhaltlichen Defiziten hätte man sich aber auch im Bereich der Darsteller zuweilen etwas mehr gewünscht, denn die Liebe zwischen Nick und Maria – gespielt von Josh Hutcherson (Die Tribute von Panem – The Hunger Games) und Claudia Traisac (Apaches) – ist zwar offensichtlich, wird aber zuweilen wenig glaubhaft herübergebracht. Ganz anders sieht dies bei Oscarpreisträger Benicio del Toro (Die üblichen Verdächtigen) aus, der zwar eine recht übersichtliche Leinwandzeit bekommen hat, der aber Pablo Escobar mit sehr viel Hingabe spielt und dabei nicht nur den Familienmenschen wunderbar porträtiert, sondern ebenso den unnachgiebigen Killer, der seine Opfer mit eigener Hand abgeschlachtet hat.

Filmemacher Andrea Di Stefano ist mit „Escobar: Paradise Lost“ ein starkes Regiedebüt gelungen, das lediglich zuweilen mit einigen Schwächen im Drehbuch zu kämpfen hat.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Alamode Film

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Escobar: Paradise Lost

Länge: 120 min

Kategorie: Crime, Drama, Romance

Start: 20.11.2015

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Escobar: Paradise Lost

Escobar: Paradise Lost

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 120 min
Kategorie: Crime, Drama, Romance
Start: 20.11.2015

Bewertung Film: (6,5/10)

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