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Guten Tag, Ramón

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 14. Oktober 2015

Guten Tag, Ramón

Zehntausende Flüchtlinge hat Deutschland in den letzten Monaten aufgenommen, auf politischer Ebene tobt eine Flüchtlingsdebatte und zur gleichen Zeit kommt mit „Guten Tag, Ramón“ ein Film in unser Heimkino, der es treffender kaum ausdrücken könnte. Regisseur Jorge Ramírez-Suárez verarbeitet in diesem nämlich seine eigene Geschichte als mexikanischer Einwanderer, die vor allem von vielen freundlichen Menschen in unserem Land erzählt.

Guten Tag, RamónDer 18-jährige Ramón (Kristyan Ferrer) ist beim besten Willen nicht zu beneiden, denn um in seiner kleinen mexikanischen Stadt zu überleben, gibt es nicht unbedingt viele Möglichkeiten. Auf der einen Seite könnte er natürlich für die Mafia arbeiten, doch dafür ist er zu klug. Auf der anderen könnte er die Flucht in die USA wagen, doch dafür ist er – nachdem er fünf Mal gefasst wurde – augenscheinlich zu dumm. Es bleibt der Ausweg in ein Land, von dem er bisher noch nichts gehört hat, denn sein bester Freund besitzt eine Tante in Deutschland.

Gesagt, getan. Das Ticket ist gebucht, die Stadt schnell gefunden, doch dort wohnt statt der älteren Dame nur ein grimmiger Mann, woraufhin Ramón mitten im Winter kurzerhand auf der Straße landet. Zum Glück findet dieser einen Bioladen in dem viele ältere Menschen einkaufen, woraufhin er nicht nur beginnt, diesen für ein Handgeld den Einkauf nach Hause zu tragen, sondern ebenso eine Freundschaft zur älteren Ruth (Ingeborg Schöner) aufzubauen, die ihm nach kurzer Zeit zu helfen beginnt.

Guten Tag, RamónIn Mexiko war „Guten Tag, Ramón“ ein Publikumserfolg, zum einen weil Filmemacher Jorge Ramírez-Suárez (Amar) seine eigene Geschichte ein wenig zu verarbeiten versuchte, zum anderen aber auch, weil der Film den Zahn der Zeit trifft und gerade in Mexiko ein brandaktuelles Thema verfolgt. Ähnlich aktuell ist er nun aber auch in Deutschland, obwohl zur Zeit die Asyl Beantragenden zwar aus einer ganz anderen geografischen Ecke kommen, im Kern jedoch oft das gleiche Ziel verfolgen.

Die Stärke von „Guten Tag, Ramón“ ist seine Wohlfühlatmosphäre, denn obwohl das Thema ernst ist, werden hier doch weitestgehend die kalten sozialen Randthemen klar umschifft. Das lässt diesen aber nicht unbedingt zu einem oberflächlichen Werk verkommen, sondern ergibt am ehesten zu einem Film, der eine eindeutige Botschaft verfolgt, dabei aber mit einem leichten Augenzwinkern agiert, wenn es darum geht auf einzelne Themen hinzuweisen. So ist im Film stets das Thema der älteren Menschen präsent, die mit Ramón eine angenehme Abwechslung erfahren, dabei aber auch erkennen müssen, dass diese für lange Zeit sehr allein waren. Niemand hat sich um sie gekümmert, der Tod eines Nachbarn wurde kaum zur Kenntnis genommen, Ramón allerdings schafft es, mit einem klärenden Blick von außen die Situation zu erfassen und für Abhilfe zu sorgen.

Guten Tag, RamónEgal ob es gemeinsame Tanzstunden sind, die Kommunikation über Zeichnungen hinweg oder das gegenseitige Erzählen der eigenen Geschichte in einer anderen Sprache, „Guten Tag, Ramón“ besitzt sehr viel Herz, ohne dabei den gängigen Klischees zu verfallen. Ein wenig störend mag womöglich das Finale wirken, das zwar rundum gelungen ist, dann aber doch etwas zu sehr ins Märchenhafte abzudriften droht, sodass es unrealistisch zu werden beginnt. Wer damit allerdings leben kann, dem wird ein nahezu rundum gelungenes Werk präsentiert. Hohen Anteil am Erfolg haben hier vor allem zwei Darsteller, was zum einen Kristyan Ferrer (Sin nombre) als aufgeschlossener Ramón ist, zum anderen aber auch Ingeborg Schöner (Ich und die Kuh), die mit ihrer warmen und freundlichen Art den jungen Mann aufzunehmen vermag.

Mit „Guten Tag, Ramón“ liefert der mexikanische Filmemacher Jorge Ramírez-Suárez eine mögliche Antwort auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte, wenn er ein warmherziges Deutschland mit seinen Einwohnern zeigt, die sich bereitwillig und freundlich der Neuankömmlinge anzunehmen versuchen.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: 20th Century Fox

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Guten Tag, Ramón

Länge: 120 min

Kategorie: Drama

Start: 22.10.2015

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Info

Guten Tag, Ramón

Guten Tag, Ramón

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 120 min
Kategorie: Drama
Start: 22.10.2015

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