cinetastic.de - Living in the Cinema

Dessau Dancers

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 30. Oktober 2015

Dessau Dancers

Noch vor kurzem wurde der 25. Jahrestag der Wiedervereinigung gefeiert, ein geteiltes Deutschland kennen nur noch die Älteren unter uns und dennoch erleben wir momentan eine Welle der Ostalgie, in der die guten alten Zeiten noch einmal hervorgeholt werden. Im Falle des Tanzfilms „Dessau Dancers“ verhält es sich ganz ähnlich, denn was widerspricht sich mehr, als in einem strickt geordneten Regime mit ungewöhnlichen Körperbewegungen aus der Reihe zu tanzen?

Dessau DancersDie DDR im Jahre 1985: Der 18-jährige Frank (Gordon Kämmerer) ist wie elektrisiert, als er eines Tages zusammen mit Kumpel Alex (Oliver Konietzny) den Film „Beatstreet“ in den Kinos sieht. Die Körperbewegungen sind fließend, die Musik eine Wucht und ganz nebenbei wird auch noch eine Botschaft transportiert, die von Freiheit und einem unbeschwerten Leben berichtet. Zusammen mit Martina (Sonja Gerhardt) und Michel (Sebastian Jäger) wird kurzerhand Dessaus erste Breakdance-Crew gegründet, welche fortan auf den Straßen ihre Darbietungen vorträgt und somit unterschwellig gegen das System rebelliert.

Natürlich bleibt dieses Treiben auch der Staatssicherheit nicht verborgen, welche dagegen allerdings nur bedingt etwas machen kann. Was nicht verboten werden kann, das wird eben kontrolliert, woraufhin Frank und seine Crew schon bald nicht nur als Künstler der Kategorie B geführt, sondern gleichwohl auch subventioniert werden. Angefangenen mit einem eigenen Bus, eigener Wohnung und allerhand anderer Annehmlichkeiten, treten sie fortan in den FDJ-Heimen auf, woraufhin sie nicht nur zu echten Helden der Jugend werden, sondern auch zu Individuen, die ihre Ideale längst an das System verloren haben.

Dessau DancersBereits zu Beginn versuchen die Filmemacher eines in „Dessau Dancers“ klarzustellen, denn obwohl es den Film „Beatstreet“ wirklich in den DDR-Kinos gab und sich daraufhin durchaus auch eine Breakdance-Bewegung gebildet hat, sind alle hier vorgestellten Figuren dennoch frei erfunden. Damit fahren Regisseur Jan Martin Scharf (Wahrheit oder Pflicht) und Autorin Ruth Toma (Kebab Connection) auch ganz gut, denn beide verbinden unentwegt Fiktion und reale Tatsachen, wodurch die einen oder anderen Probleme im konzeptionellen Aufbau entstehen.

Das wohl größte Problem an „Dessau Dancers“ soll jedoch ausgerechnet das gewählte Genre sein, denn wo vergleichbare Werke ihre Energie aus den ausgefeilten und bis ins letzte Detail choreografierten Tanzeinlagen ziehen, versucht man hier, am ehesten auf witzige Dialoge und komödiantisches Talent zu bauen. Dadurch werden eine Unmenge von Vorurteilen über die ehemalige DDR bedient, Mitglieder der Partei werden als dicke, Zigarre rauchende Menschen in grauen Anzügen dargestellt, die aus Breakdance mal eben akrobatischen Schautanz machen, um dies möglichst vom kapitalistischen Pendant unterscheiden zu können.

Dessau DancersDiese – im Grunde witzig gemeinten Szenen – bauen in erster Linie auf überzeichnete Figuren der Staatssicherheit, die mit aller Macht versuchen, etwas Neues für sich zu verwerten, und dabei den Leitlinien des Kommunismus folgen. Zuweilen entstehen daraus recht interessante Konstellationen, Fragestellungen, die mit etwas mehr Mut durchaus Potential für mehr gehabt hätten, doch wird dieses oft einfach links liegen gelassen. Stattdessen bauen die Verantwortlichen auf eine unausgereifte Liebesgeschichte, die nicht nur jedwede Emotionen vermissen lässt, sondern die im letzten Drittel auch noch dazu beiträgt, dass ein recht konstruiert wirkendes Finale konzipiert wird.

Vom Breakdance selber, dem damit verbundenen Spaß und der Möglichkeit, etwas ohne jedwede Worte auszudrücken, sieht man in „Dessau Dancers“ leider sehr wenig, was neben der oberflächlichen Geschichte vor allem den grob skizzierten Figuren zuzuschreiben ist. Nicht viel anders verhält es sich in den zahlreichen Nebenhandlungen, in denen der Zuschauer beispielsweise mit einer zweiten Breakdance-Crew konfrontiert wird, die keinerlei Mehrwert besitzt, oder mit einem Konflikt zwischen Frank und seinem Vater, der recht seltsame Bahnen nimmt und zu keiner Zeit von den involvierten Personen hinterfragt wird.

Hinsichtlich der Darsteller bleibt vieles aufgrund der oberflächlich angelegten Figuren leider ebenso im Verborgenen, denn wo die beiden Hauptdarsteller Gordon Kämmerer (Rakete Perelman) und Sonja Gerhardt (Türkisch für Anfänger) ihr Möglichstes versuchen, als Mitglieder der damaligen Breakdance-Szene zu glänzen, werden sie dennoch leider nie echte Sympathieträger, mit denen der Zuschauer im Laufe der anderthalb Stunden mitfiebern könnte.

Jan Martin Scharfs „Dessau Dancers“ ist eine recht oberflächliche Komödie, die auf der Welle der Ostalgie zu reiten versucht und dabei lediglich die bereits bekannten Klischees bedient.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 5,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Wild Bunch Germany

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Dessau Dancers

Länge: 91 min

Kategorie: Comedy, History, Music

Start: 30.10.2015

cinetastic.de Filmwertung: (5,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (1/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Dessau Dancers

Dessau Dancers

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 91 min
Kategorie: Comedy, History, Music
Start: 30.10.2015

Bewertung Film: (5,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (1/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten