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The Gang – Auge um Auge

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 23. September 2015

The Gang - Auge um Auge

Das holländische Kino zeichnet sich von Zeit zu Zeit mit der einen oder anderen Genreperle aus, die zwar nicht unbedingt Hollywood Paroli bieten kann, auf einer ganz bestimmten Art es aber dennoch schafft den Zuschauer angenehm zu unterhalten. Mit „The Gang – Auge um Auge“ kommt nun ein Film in unser Heimkino, der beim Niederländischen Film Festival im Jahre 2011 nicht nur fünf Nominierungen in den unterschiedlichsten Kategorien erhielt, sondern ebenso für die Beste Filmmusik ausgezeichnet wurde.

The Gang - Auge um AugeHolland, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. In der kleinen Stadt Oss tobt die Gewalt. Mord, Raub und Vergewaltigungen stehen an der Tagesordnung, wofür eine Bande verantwortlich gemacht wird, die fest in der Bevölkerung verwurzelt ist. Die Polizei steht dem machtlos gegenüber, denn sobald diese etwas versucht zu unternehmen, wird des Nachts der oberbefehlshabende Polizist kurzerhand ermordet. Inmitten dieser Gewalt versucht eine junge Frau namens Johanna (Sylvia Hoeks) ein Restaurant zu eröffnen, um zusammen mit ihrem Ehemann Ties (Matthias Schoenaerts), der soeben erst aus dem Gefängnis entlassen wurde, ein neues Leben zu beginnen. Leider ist Ties auch der Neffe des örtlichen Bandenchefs, woraufhin dieser schon bald beginnt in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Für Johanna muss sich etwas ändern, notfalls mit Gewalt.

Basierend auf wahren Begebenheiten verspricht zumindest das Cover von „The Gang – Auge um Auge“ eine Art Gangsterfilm, in dem die Gewalt dominiert und Bandenkriege ausgetragen werden. Dass dem nicht ganz so ist wird sich dem Zuschauer schon bald erschließen, denn Regisseur André van Duren (Mariken) war in erster Linie an den Figuren und dessen Ambitionen interessiert, die er herausarbeiten wollte. Zusammen mit Drehbuchautor Paul Jan Nelissen (Mein Kriegswinter) erschuf er schließlich ein Drama, in dessen Mittelpunkt sich eine einsame junge Frau befindet, die mit aller Macht versucht etwas an ihrem Leben zu verändern.

The Gang - Auge um AugeBesagte Frau ist Johanna, die erst eine Bar betreibt in der sich das halbe Dorf des Nachts betrinkt, die als Dirne oberhalb der Bar ein Zubrot verdient und ganz nebenbei die Hoffnung verfolg, mit Hilfe eines neu gegründeten Restaurants zusammen mit ihrem Mann ein neues Leben zu beginnen und der Gewalt zu entfliehen. Natürlich erfährt der Zuschauer bereits nach den ersten zehn Minuten das dies leichter gesagt ist als getan, denn nicht nur das ihr Ehemann in alte Verhaltensmuster verfällt, sich betrinkt und sie schlägt, er ist auch mit der Schwangerschaft von Johanna nicht einverstanden, woraufhin er diese zum Abbruch drängt.

Aus dieser Prämisse heraus entstehen schon bald die unterschiedlichsten Konflikte, denn zum einen muss sie irgendwie ihren Ehemann loswerden, zum anderen muss dies so geschehen, dass dessen Onkel und Bandenanführer davon nichts mitbekommt. Es folgen ausgeklügelte Pläne, versuchter Versicherungsbetrug, die Mithilfe eines Geliebten und dennoch scheint die Gewalt unaufhaltsam über diese herein zu brechen.

Der dramaturgische Aufbau eben dieser Geschichte vermag insbesondere in der ersten Hälfte zu gefallen, wenn mit dem Ehemann ein klares Feindbild geschaffen wird, dem man sich irgendwie erwehren muss. Sobald dies allerdings Vergangenheit ist, strandet „The Gang – Auge um Auge“ in einem sehr seichten Fahrwasser, in dem mehr und mehr die Beweggründe der im Mittelpunkt stehenden Figur hinterfragt werden. Das mag auf der einen Seite für ein ambitioniertes Drama mit historischem Ansatz reichen, auf der anderen Seite werden allerdings all jene Zuschauer verschreckt, die einfach mehr erwartet haben.

The Gang - Auge um AugeIm Hinblick auf die Darsteller kann man kaum etwas Negatives bescheinigen, denn genauso wie man Sylvia Hoeks (The Best Offer – Das höchste Gebot) den Wunsch nach einem besseren Leben abnimmt, überzeugt Matthias Schoenaerts (Der Geschmack von Rost und Knochen) als grausamer Ehemann, der seine schwangere Frau sogar noch voller Zorn mit den Füßen zusammen tritt. Zuweilen ist die gezeigte Gewaltdarstellung etwas zu viel für ein Drama, was allerdings auch hier mit der damaligen Zeit begründet werden kann. Mit diesem historischen Kontext geht aber auch die visuelle Umsetzung einher, die sich voll und ganz der damaligen Zeit verschrieben hat. Die Bilder sind vornehmlich in Gelb- und hellen Brauntönen gehalten, dicker Zigarettenqualm scheint omnipräsent zu sein, während inmitten dessen die 30er Jahre sehenswert nachempfunden wurden.

Der holländische Filmemacher André van Duren versucht mit „The Gang – Auge um Auge“ historische Fakten zu einem spannenden Drama zu vereinen. Dies ist allerdings nur bedingt gelungen, denn wo insbesondere die erste Hälfte zu überzeugen vermag, schleicht sich in der zweiten dann doch etwas Langeweile ein.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Koch Media

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The Gang - Auge um Auge

Länge: 110 min

Kategorie: Crime, Drama

Start: 24.09.2015

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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The Gang - Auge um Auge

The Gang – Auge um Auge

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 110 min
Kategorie: Crime, Drama
Start: 24.09.2015

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