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Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 22. September 2015

Der Unbestechliche - Mörderisches Marseille

Den Vereinigten Staaten sind Kolumbien und Mexiko schon lange ein Dorn im Auge, denn kein anderes Land hat den Drogenschmuggel so perfektioniert, das man nur schwer dagegen angehen kann. Das war allerdings nicht immer so, denn in den 70er Jahren florierte der Drogenhandel von Frankreich aus, wofür die sogenannte French Connection verantwortlich war. Filmemacher Cédric Jimenez widmet sich in seinem erst zweiten Spielfilm dieser Zeit, was er nicht nur spannend, sondern vor allem optisch eindrucksvoll aufbereitet hat.

Der Unbestechliche - Mörderisches MarseilleFrankreich im Jahre 1975: Nach einer erfolgreichen Zeit im Bereich der Jugendkriminalität wird Pierre Michel (Jean Dujardin) von Metz zur Anti-Drogenbehörde in Marseille versetzt, wo er mit einem ähnlichen Engagement aufräumen soll. Dort findet dieser allerdings katastrophale Zustände vor, woraufhin er kurzerhand seine eigene Abteilung zu gründen versucht. Ausgestattet mit einer Hand voller unbestechlicher Mitarbeiter, diversen Freiheiten und einem messerscharfen Verstand beginnt Michel sich schon bald einen Namen als gnadenloser Richter zu machen. Beginnend mit kleinen Fischen arbeitet er sich stetig nach vorn, stets mit dem Ziel vor Augen, Gaëtan „Tany“ Zampa (Gilles Lellouche) als obersten Drogenboss das Handwerk zu legen.

Die Ereignisse in den späten 70er Jahren sind zumindest in Frankreich recht bekannt, denn die sogenannte French Connection war nicht nur für einen recht voluminösen Drogenhandel in Richtung USA verantwortlich, sondern ebenso für ein recht rigoroses Vorgehen, was damals zahllose Leben gefordert hat. In seinem erst zweiten Spielfilm versucht sich Regisseur Cédric Jimenez (Aux yeux de tous) diesem Thema zu widmen, wobei er sich einerseits auf historische Fakten stützt, sich zum anderen aber auch jene Freiheiten gewährt, sodass die Geschichte als rundes Etwas betrachtet werden kann.

Der Unbestechliche - Mörderisches MarseilleDer eine oder andere wird sich mit Sicherheit noch an den Film „French Connection“ aus dem Jahre 1971 erinnern, der nicht nur fünf Oscars abgeräumt hat, sondern mit Gene Hackman in der Hauptrolle das gleiche Thema, nur aus Sicht der USA abgehandelt hat. In Cédric Jimenez seiner Version geht nun vieles wesentlich ruhiger zu, denn anstatt auf wilde Verfolgungsjagden und Schießereien im Stadtzentrum zu bauen, widmet dieser sich vielmehr den Figuren und den Menschen hinter der Geschichte, die ihre Machtspiele ausgetragen haben.

Dabei kommen Pierre Michel und Gaëtan Zampa etwa gleich gut weg, denn beide Personen werden als Menschen mit Stärken, gleichwohl aber auch mit jeder Menge Schwächen dargestellt, die sie erst menschlich werden lassen. Auf der einen Seite der Richter gnadenlos der mit allerhand unlauterer Methoden versucht gegen das Verbrechen vorzugehen, auf der anderen ein Mann, der sich nicht nur der Polizei, sondern auch den Menschen aus den eigenen Reihen erwehren muss. Obwohl beide als liebende Ehemänner und Familienväter dargestellt werden, ist die Ausarbeitung der weiblichen Figuren erschreckend oberflächlich, denn diese dienen maximal als Mittel zum Zweck. Egal ob es die Frau eines Drogenbarons ist die ihren Mann einkleidet oder Michels Frau die mit der Abwesenheit ihres Mann leben muss, beide sind maximal in kurzen Sequenzen am Rande zu sehen.

Der Unbestechliche - Mörderisches MarseilleNeben den genannten Themen kommt aber auch die Korruption der Politiker und der Polizeibeamte zur Sprache, Wege zum Export der Drogen in die USA werden per Voice-Over dem Zuschauer erklärt, wodurch dieser weitaus mehr Einblick in Geschehnisse bekommt, die damals als unüberwindbar galten. Aus visueller Hinsicht geht dies mit einer sehenswerten Umsetzung einher, denn „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ spielt nicht nur in den 70er Jahren, er fühlt sich auch so an. Dafür ist in erster Linie Kameramann Laurent Tangy (The Transporter) verantwortlich, der auf sehr viel Gelbtöne setzt und dabei die Schönheit von Marseille nicht unberücksichtigt lässt.

Von Seiten der Darsteller her ist „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ bis in die Nebenrollen hinein unwahrscheinlich gut besetzt. Hauptdarsteller Jean Dujardin (The Artist) darf endlich wieder einmal eine ernste Rolle spielen und meistert dies mit Bravour, während Gilles Lellouche (Liebe mich, wenn du dich traust) den finsteren Gegenspieler gibt, der sich gnadenlos und unberechenbar alle Probleme vom Hals zu schaffen versucht.

Mit „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ ist Cédric Jimenez ein intelligenter Drogenthriller gelungen, der weniger mit wilder Action, als vielmehr mit ausgefeilten Figuren und historischen Fakten zu überzeugen vermag.

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Copyright: Koch Media

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Der Unbestechliche - Mörderisches Marseille

Länge: 135 min

Kategorie: Action, Crime, Thriller

Start: 24.09.2015

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Der Unbestechliche - Mörderisches Marseille

Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 135 min
Kategorie: Action, Crime, Thriller
Start: 24.09.2015

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