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Private Revolutions – Jung, Weiblich, Ägyptisch

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 16. August 2015

Private Revolutions - Jung, Weiblich, Ägyptisch

Es ist gerade einmal vier Jahre her als tausende Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo standen und für einen Machtwechsel demonstriert haben, nur wenige Wochen später wurde dieser schließlich auch vollzogen, doch geändert hatte sich nur wenig. Filmemacherin Alexandra Schneider war davon tief bewegt und wollte mehr erfahren, woraufhin schließlich über zwei Jahre hinweg eine Dokumentation entstand, die sich vier Frauen widmet, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Private Revolutions - Jung, Weiblich, ÄgyptischFür die Wiener Filmemacherin Alexandra Schneider war der Machtwechsel in Ägypten im Januar des Jahres 2011 ähnlich spektakulär wie für Millionen andere Menschen überall auf der Welt, denn nicht nur das ein Machthaber über Nacht durch ein Militärregime abgesetzt wurde, es zeigte auch den unabdingbaren Willen eines Volkes, das sich etwas besseres für die eigenen Kinder wünschte. Nur wenige Monate später traf Schneider die junge Fatema Abouzeid, die zum Europaparlament eingeladen wurde und symbolisch für das neue Ägypten stand. Der Anfang ihrer Dokumentation „Private Revolutions – Jung, Weiblich, Ägyptisch“ war gegeben, denn Fatema bildete die erste von vier Frauen, die Schneider in den kommenden zwei Jahren porträtieren wollte.

Besagte vier Frauen könnten unterschiedlicher kaum sein, denn in den jeweiligen Geschichten wird uns ein Bild präsentiert, das Politik und Privatleben unabdingbar miteinander vereint. Es tritt dabei aber auch zutage das ein jeder Interviewpartner ganz eigene Ziele verfolgt, wenn es darum geht die eigene Meinung durchzusetzen und ein Resultat zu erzielen, mit dem man sich zufrieden geben kann. So ist Fatema beispielsweise Mitbegründerin der politischen Partei der Muslimbrüder, gibt Schulungen und Seminare, organisiert den Wahlkampf für Mursi, während sie ganz nebenbei auch noch für ihre drei Kinder zu sorgen hat.

Private Revolutions - Jung, Weiblich, ÄgyptischGanz anders sieht dies bei Amani Eltunsi aus, die nicht nur einen Verlag unterhält, sondern ganz nebenbei auch noch einen Radiosender im Internet, mit dem sie im arabischen Raum allein fünf Millionen Zuhörer erreicht. Mit Themen wie häuslicher Gewalt, sexuelle Diskriminierung und persönliche Freiheit eckt sie bei Religionsvertretern und dem Staat an, was ihr nicht nur so manchen Besuch bescherte, sondern insbesondere in der Nachbarschaft einen zweifelhaften Ruf eingebracht hat.

Ganz anders sieht dies bei May Gah Allah aus, die als Nubierin zu einer Minderheit in Ägypten gehört. Ihren Job als Finanzberaterin bei einer internationalen Bank hat sie aufgegeben, um ein Entwicklungsprojekt im konservativen Süden Ägyptens zu starten. Die vierte und letzte Interviewpartnerin ist Sharbat Abdullah, die wohl den radikalsten Weg aller vorgestellten Frauen geht. Mit Flugblättern bewaffnet ist sie bei nahezu jeder Demonstration zusammen mit ihren Söhnen zu sehen, was ihr nicht nur zuhause Probleme mit ihrem Mann eingebracht hat, sondern ebenso für so manche Verhaftung gesorgt hat, bei denen ihre Söhne sogar gefoltert wurden.

Private Revolutions - Jung, Weiblich, ÄgyptischEine jede der vorgestellten Geschichten ist sehr persönlicher Natur, berührt, zeigt aber gleichfalls auf, dass der Kampf in Ägypten noch lange nicht ausgestanden ist. Im Jahre 2011 wurde der damalige Machthaber durch eine Militärdiktatur ersetzt, es folgte eine Diktatur Mursis, die auch nur zwei Jahre angedauert hat. Die Dokumentation „Private Revolutions – Jung, Weiblich, Ägyptisch“ zeigt dahingehend beinahe beiläufig den Verlauf einer solchen Revolution auf, die nicht nur im kleinen und privaten Bereich beginnt, sondern mit der Euphorie des Umbruchs ebenso eine Zeit der Ermüdung durchlebt, wodurch der dauerhafte Prozess des Aufbruchs ins stocken gerät.

Alexandra Schneider porträtiert in „Private Revolutions – Jung, Weiblich, Ägyptisch“ gleich vier junge Damen, die für das neue Ägypten stehen. In teilweise sehr privaten Einblicken erfährt der Zuschauer mehr über die gegenwärtige Situation in Ägypten, den Antrieb der Protagonistinnen und warum ein Umbruch nur langfristig Erfolg haben kann.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: DANIELA PRAHER FILMPRODUKTION

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Private Revolutions - Jung, Weiblich, Ägyptisch

Länge: 98 min

Kategorie: Documentary, Drama, History

Start: 10.09.2015

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Private Revolutions – Jung, Weiblich, Ägyptisch

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 98 min
Kategorie: Documentary, Drama, History
Start: 10.09.2015

Bewertung Film: (7,5/10)

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