cinetastic.de - Living in the Cinema

Therapie für einen Vampir

Geschrieben von Frank Schmidke am 6. Juli 2015

Therapie für einen Vampir_Petro Domenigg-ct-1Schon die erste Einstellung einer Grabinschrift auf einem verfallenen Friedhof ist richtungsweisend für den Humor von David Rühms Blutsaugerkomödie „Therapie für einen Vampir“: „Wenn man jemandem alles verziehen hat, ist man mit ihm fertig.“ Der Film lief auf diversen Festivals und in seiner Heimat Österreich auch unter dem Titel „Der Vampir auf der Couch“ und punktet nicht nur mit seiner sehenswerten Besetzung. Moderne Action oder Teenie-Romanzen sucht man hier allerdings (glücklicherweise) vergebens.

Therapie-für-einen-Vampir-ct-2Zu Beginn der 1930er Jahre fristet der ungarische Graf Geza von Közsnöm (Tobias Moretti) in der Nähe von Wien sein untotes Dasein als Vampir eher mit gelangweilter Appetitlosigkeit. Auch geht ihm seine Gattin (Jeanette Hain) auf den Senkel. Die fragt nämlich mehrmals nächtlich, wie sie den nun aussehe und wirft dem Grafen vor, dafür verantwortlich zu sein, dass sie sich nicht im Spiegel sehen kann. So landet der Graf nach großzugiger Spende beim Therapeuten Siegmund Freud (Karl Fischer) auf der Couch.

Der Arzt und Psychologe beschäftigt immer wieder den jungen Maler Viktor (Dominik Oley), um die Träume seiner Patienten in Bilder umzusetzen. Viktor hat gerade Beziehungsstress, denn immer wenn er seine Freundin Lucy (Cornelia Ivancan) portraitiert, macht er sie blond statt dunkelhaarig und steckt die überzeugte Hosenträgerin in ein Kleid.

Therapie für einen Vampir_ct-3Als der Vampir-Graf dann Freud sein Leid mit der Gattin klagt, schlägt der ein Portrait vor und verweist auf Viktors letztes Gemälde, das in der Praxis steht. Der Graf erkennt darin seine ewige Liebe, auf die er nun schon seit Jahrhunderten wartet, und schreitet zum Handeln. Während er die Gräfin zum Maler schickt, umgarnt er gleichzeitig Lucy, die allerdings aus freien Stücken zum Vampir werden muss, damit des Grafen Geliebte in ihr auferstehen kann. Doch ganz einfach wie der Herr Graf es gerne hätte, entwickeln sich die Dinge dann doch nicht.

Wie eingangs erwähnt zielt David Rühms romantische Vampirkomödie keinesfalls auf ein „Twilight“-Publikum, sondern eher auf Liebhaber des Vampir-Genres, die sich über der fein besetzten Geschichte genüsslich in den Kinosessel zurückfallen lassen und all die Anspielungen und Variationen klassischer Vampirthemen mit einem Lächeln zu goutieren wissen. So muss man sich auch nicht lange mit den Effekten herumschlagen, die zwar großteils ganz ordentlich wirken, aber nur Beiwerk sind.

Therapie für einen Vampir_ct-4Viel spannender sind die beiden Beziehungen, die hier mit feinem Humor seziert werden. Die Frauen in „Therapie für einen Vampir“ sind es, die dem Ganzen einen herausragenden Twist geben: einerseits die moderne Lucy, die mit dem Grafen schon wieder an einen Kerl gerät, der aus ihr eine andere machen will, andererseits die Gräfin, die sich mit einer ganz eigenen Variante des Schönheitswahns von Schneewittchens Stiefmutter abplagen muss und so auch auf der Suche nach ihrer verschütteten Identität ist.

Das Wien der 1930er wirkt mit seinen Weichzeichnern, Farbtönen, seinen detaillierten Zimmerausstattungen und dem gewollten Studiolook zwar etwas überstrapaziert, aber so ist nun eben die Vision des Filmmachers Rühm ausgefallen. Immerhin kommt „Therapie für einen Vampir“ so die zweifelhafte Ehre zu, der letzte Film zu sein, der in den Wiener Rosenhügel-Studios produziert wurde. Auch das eine Hommage an die Zeit, in der der Film spielt.

Therapie für einen Vampir_ct-5Und schließlich wäre da noch der Herr Doktor, selbst eine fast mystische Figur und von dem als Sergente Vianello aus den Donna Leon Verfilmungen bekannten Karl Fischer mit hinreißender Langmut vorgetragen. Die Verquickung mit der Psychoanalyse gibt dem Vampirfilm noch eine ganz andere sozusagen ironische Metaebene. Gleiches gilt übrigens auch für die Kunst, denn in den Maler Viktor kann man durchaus Andeutungen an Alfred Kubin hineinlegen.

So hätte David Rühms erstem Film seit 1997 doch ein bissl mehr Wiener Schmäh gut zu Gesicht gestanden; trotz all der gelungenen Elemente und der wunderbar agierenden Darsteller, zu denen in schönen Nebenrollen auch noch Lars Rudolf („Gold“) und David Bennent („Die Blechtrommel“) zählen. Vielleicht wäre auch ein bissl mehr charmantes Chaos bei der Reihung der Szenen angesagt gewesen, um aus einem sehr gelungenen einen hinreißenden Vampir-Film zu machen.

Der erste Film des österreichischen Regisseurs David Rühm seit 17 Jahren ist eine schöne romantische Vampir-Komödie, die zunächst von den Darstellern lebt, denen zuzuschauen einfach Freunde macht. Der Humor kommt erst im Nachgang voll zur Geltung – für Connoisseure.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: MFA

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden

Länge: 87 min

Kategorie: Comedy, Horror

Start: 10.09.2015

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Therapie für einen Vampir

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 87 min
Kategorie: Comedy, Horror
Start: 10.09.2015

Bewertung Film: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten