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Tokyo Tribe

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 29. Juni 2015

Tokyo Tribe

Das asiatische Kino steht seit jeher für Innovationen, ganz vor mit dabei der japanische Regisseur Shion Sono, der für seine verrückten Ideen bekannt ist. Mit Filmen wie „Suicide Circle“, „Noriko’s Dinner Table“ und „Love Exposure“ erarbeitete Sono sich einen Ruf als Mann der Extreme, den er nun mit „Tokyo Tribe“ weiter auszubauen gedenkt. Umgesetzt als bunter Neon-Mix der Rap-Geschichte, präsentiert dieser nun ein völlig ungewöhnliches Musical, mit den besten der Besten der japanischen Hip Hop Szene.

Tokyo TribeIn Tokyo einer nahen Zukunft herrschen 23 Clans über die gewaltige Stadt, welche die Territorien metergenau untereinander aufgeteilt haben. Die einen sind friedliebend, andere wehren sich gegen feindliche Angriffe, wieder andere gehen offensiv gegen Nachbarn vor, um das eigene Gebiet zu vergrößern. Zu letzteren zählt definitiv die Bukuro Wu-Ronz, welche unter der Führung des wahnsinnigen Yakuza Buppa (Riki Takeuchi) alles daran setzen, die Alleinherrschaft in Tokyo zu übernehmen. Um dies zu realisieren werden andere Clans gegeneinander ausgespielt, doch als sein Handlanger Mera (Ryohei Suzuki) plötzlich den von allen geschätzten Tera tötet, dreht sich das Blatt. Die restlichen Clans schließen sich zusammen, um den Wu-Ronz ein für allemal ein Ende zu bereiten.

Basierend auf dem gleichnamigen Manga von Santa Inoue (Rinjin 13-gô) versucht Filmemacher Shion Sono seine ganz eigene Version dieses Stoffes abzuliefern, wenn er den Rahmen der Geschichte übernimmt, um ein einzigartiges Rap-Musical zu entwerfen. Die Texte des Mangas wurden von den bekanntesten Stars der japanischen Hip Hop Szene in Songs umgeschrieben, wodurch ein Werk entsteht, das in dieser Form wohl einmalig ist. Natürlich bleibt bei alledem der beinahe typische Stil von Sono nicht außen vor, wenn er jede Menge Gewalt mit Nackten Frauen zu vermischen gedenkt.

Tokyo TribeBereits die Eingangssequenz könnte ungewöhnlicher nicht sein, wenn wir einer beinahe fünfminütigen Plansequenz bewohnen dürfen, in der wir einen jungen Mann die Straße hinunter begleiten, während an deren Ende ein namensloser Irrer eine Polizistin aufzuschlitzen gedenkt. Die Bluse wird aufgerissen, das Messer an die Brust gehalten und schon geht es los. An dieser Stelle würde es in vielen ähnlichen Filmen zu einer wilden Gewaltorgie kommen, hier wird uns nun jedoch erst einmal die Geschichte der Clans erzählt, die zuweilen recht kompliziert aufgebaut ist.

23 Clans herrschen in Tokyo, 23 Geschichten, zwischen denen Shion Sono mehr oder weniger hin und her zu springen gedenkt. Angelegt als wilder Neon-Mix in einer fernen Zukunft, wird der Zuschauer in erster Linie mit einer Unmenge an grellen Farben konfrontiert, mit unzähligen Charakteren und einem Tempo, dem nur sehr schwer zu folgen ist. Im japanischen Original mit Untertiteln bleibt der Zuschauer gefesselt am lesen, stets darauf bedacht, dass die Textzeilen der Rap-Songs wie Maschinengewehrsalven durchs Bild feuern.

Tokyo TribeLetzteres dominiert den Film, denn ganz normale Dialogzeilen kommen erst nach rund 30 Minuten zum Vorschein, wenn wir zum ersten Mal mit dem verrückten Yakuza Buppa konfrontiert werden. Verkleidet in einem Anzug aus Gold, regierend mit einem Maschinengewehr und einem riesigen Dildo, während sein Handlanger im wohl knappsten String Tanga der Filmgeschichte posiert, das kann wirklich nur Shion Sono eingefallen sein. Was bei alledem noch fehlt sind gegen Ende hin recht übertrieben dargestellte Panzer aus schlechtem CGI, ein Mann der per Side Kick seine Gegner hunderte Meter treten kann und natürlich ein Finale der Extravaganz, dass man in Worten auch nur schwer beschreiben könnte.

Im Hinblick auf die Darsteller kann man als europäischer Zuschauer nur sehr wenig sagen, doch eins sollte an dieser Stelle unbedingt noch erwähnt werden. Für die zahlreichen Neben- und Statistenrollen rief Shion Sono ausgerechnet zu einem YouTube Casting auf, in dem sich Fans als jene Figur verkleiden sollten, die sie auch spielen wollten. Einfach nur großartig diese Idee, mit der man Fans der Manga-Vorlage bestens einfangen kann.

Je nachdem welche rosarote Brille der Zuschauer auf der Nase hat, wird er in „Tokyo Tribe“ entweder mit 116 Minuten Schwachsinn konfrontiert werden oder aber mit einem der genialsten Rap-Musicals der Filmgeschichte, das sich wirklich nur Shion Sono hat ausdenken können.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Rapid Eye Movies, Inoue Santa

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Tokyo Tribe

Länge: 116 min

Kategorie: Drama, Sci-Fi

Start: 16.07.2015

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Tokyo Tribe

Tokyo Tribe

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 116 min
Kategorie: Drama, Sci-Fi
Start: 16.07.2015

Bewertung Film: (7/10)

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