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Slow West

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 28. Juni 2015

Slow West

Den Regeln des klassischen Westerns zu folgen und dieses Genre dennoch mit Innovationen anzureichern, ist alles andere als leicht. Dem dänischen Filmemacher Kristian Levring gelang dies mit „The Salvation“, einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt nun Musiker John Maclean in seinem Regiedebüt, wenn er die Eroberung des neuen Landes in märchenhaften Bildern einzufangen versucht.

Slow WestIm späten 19. Jahrhundert versucht der 16-jährige Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee) von Schottland ausgehend den Wilden Westen zu durchqueren, einzig und allein auf der Suche nach seiner großen Liebe, die in das neue Land aufgebrochen war. Jay stammt aus adligem Hause, ist so naiv wie kein zweiter und das er überhaupt so weit gekommen ist, verwundert selbst den Outlaw Silas (Michael Fassbender), den er eines Tages trifft. Gegen ein Handgeld von 100 Dollar heuert Jay schließlich Silas an, unwissend das dieser noch ganz andere Gedanken verfolgt. Auf Jays angebetete und ihren Vater ist nämlich ein Kopfgeld ausgesetzt, dass sich allerdings nicht nur Silas beabsichtigt zu holen.

Als Musiker John Maclean (Pitch Black Heist) beim Sundance Film Festival seinen Western „Slow West“ dem Publikum präsentierte, erntete dieser in erster Linie sehr viel Lob, was schließlich auch mit dem Großen Preis der Jury belohnt wurde. Mclean selber zeichnet sich in diesem Fall aber nicht nur für die Regie verantwortlich, sondern gleichwohl auch für das Drehbuch, bei dem er seinen Fokus auf einen romantisierenden Blick des Wilden Westens gesetzt hat, kann dieser doch allen Menschen einen Neuanfang ermöglichen.

Slow WestWie es der Titel kaum sprechender ausdrücken könnte, ist „Slow West“ ein sehr langsamer Film, der sich trotz seiner überschaubaren 84 Minuten jede Menge Zeit für das unwesentliche nimmt. Zwei Männer wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten stoßen beinahe zufällig zusammen, der eine ein 16-jähriger Junge der in erster Linie von Naivität gezeichnet ist, der andere ein wortkarger Outlaw, der vor den Augen des Jungen soeben erst einen angeblichen Gesetzeshüter erschossen hat. Beide verbindet fortan die Sehnsucht, die Sehnsucht nach der Liebe der man von Schottland aus nachgereist ist, aber auch die Liebe nach dem guten Geld, das am Ende der Reise winken soll.

In sehr ruhigen Bildern erzählt erleben wir eine knapp anderthalb stündige Reise durch die frühe Phase des Wilden Westens, wo das Recht des stärkeren noch existierte und Morde an der Tagesordnung waren. Wir erleben wir eben diese beiden Männer durch Wälder und Ebenen voller Gras reiten, während die ruhige Kamera von Robbie Ryan (Philomena) diese Szenerie einzufangen versucht. „Slow West“ könnte man deswegen in erster Linie als sehr ruhigen Film bezeichnen, in dem Dialoge nicht unbedingt überwiegen und der Zuschauer sich in in einer beobachtenden Rolle befindet. Es ist aber gleichwohl auch eine Ode an die Anfänge der Besiedlung dieses Landabschnittes, wo ein jeder Tag völlig unvorhersehbar war.

Slow WestNatürlich wird dieser eher stille Film immer wieder durch kurze Actionszenen aufgelockert, wenn beispielsweise Indianer das Lager entdecken, plötzlich ein Fremder auftaucht oder einfach nur gegen Ende hin um sich geschossen wird. Leise Kritik am damaligen System lässt aber auch Mclean zu, wenn er nicht nur den beschwerlichen Alltag der ersten Siedler thematisiert, sondern ebenso die Verbrechen an den Ureinwohnern, die an der Tagesordnung waren.

Im Hinblick auf die Darsteller konnte man nur wenig falsch machen, denn während Kodi Smit-McPhee (The Road) den verträumten jungen Mann verkörpert der seiner großen Liebe hinterher zu reisen versucht, bekommen wir mit Michael Fassbender (Prometheus) einen wortkargen Outlaw, dessen Dialoge sich an wohl zwei Händen abzählen lassen.

Mit „Slow West“ präsentiert uns John Maclean einen recht ungewöhnlichen Western, der sich nicht nur ungemein viel Zeit für seine Geschichte lässt, sondern einen eher verträumten Blick auf die damaligen Zustände der ersten Siedler wagt.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Prokino

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Slow West

Länge: 84 min

Kategorie: Action, Thriller, Western

Start: 30.07.2015

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

Slow West

Slow West

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 84 min
Kategorie: Action, Thriller, Western
Start: 30.07.2015

Bewertung Film: (6,5/10)

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