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Herr Fuku-chan von nebenan

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 29. Juni 2015

Herr Fuku-chan von nebenan

Neben einer Vielzahl an Actionfilmen ist das kleine Land Japan insbesondere für seine Komödien bekannt, doch finden diese oftmals leider nicht den Weg nach Europa, ist die Zielgruppe doch viel zu klein, um dieses finanzielle Wagnis einzugehen. Mit der erst dritten Regiearbeit von Fujita Yosuke verhält es sich zum Glück ein wenig anders, denn obwohl besagter Film keine umfangreiche Synchronisation erfahren hat, bringt der Rapid Eye Filmverleih diesen zumindest mit deutschen Untertiteln in unser Wohnzimmer.

Herr Fuku-chan von nebenanDer 32-jährige Fukuda Tatsuo (Oshima Miyuki) ist im Grunde ein ganz normaler junger Mann, welcher tagsüber für eine Malerfirma die Wände anderer Menschen streicht und des Abends die Zeit mit guten Freunden verbringt. Zu letzteren zählen nach einem kleinen Vorfall mit einer Schlange die beiden Nachbarn Nonoshita (Asato Iida) und Mabuchi (Tateto Serizawa), aber auch sein bester Freund Shimacchi, der ihn unbedingt mit einer Frau zusammen bringen will. Etwa zur gleichen Zeit muss die gleichaltrige und sehr hübsche Chiho Sigiura (Asami Mizukawa) von einem berühmten Fotografen erfahren, dass sie ein schlechtes Karma hat, woraufhin sie sich an jene Tage ihrer Schulzeit zurückerinnert, an denen sie mit anderen Fukuda geärgert hat. Sie begibt sich nun auf dem Weg zu diesen, um nicht nur ihr Karma durch eine Entschuldigung zu reinigen, sondern gleichwohl einen neuen Weg zu finden, irrt sie doch scheinbar ähnlich zielsuchend durchs Leben.

Die letzte Regiearbeit von Fujita Yosuke liegt bereits vier Jahre zurück und selbst dort war er im besten Fall ein Puzzleteil eines großen Projektes, wurden in „Sabi otoko sabi onna“ doch vier Kurzgeschichten von gleich vier Regisseuren erzählt. Für „Herr Fuku-chan von nebenan“ nahm Yosuke das Zepter erneut in die eigenen Hände, wenn er eine Geschichte zu erzählen versucht, die nicht nur komisch ist, sondern gleichwohl eine Vielzahl an aktuellen Problemen der japanischen Gesellschaft aufgreift.

Herr Fuku-chan von nebenanEs kommt daher nicht von ganz ungefähr, dass sich Yosuke in diesem Fall auch selbst für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, doch wer denkt er handelt dieses ebenso schnell ab wie in der Vergangenheit, der soll sich diesmal gewaltig irren. Insbesondere für den Anfang und die damit verbundene Vorstellung der Figuren lässt sich Yosuke jede Menge Zeit, wenn er sich erst dem liebevollen Verlierer Fukuda widmet und wenig später der erfolgreichen Geschäftsfrau Chiho, die für ein Treffen mit ihrem langjährigen Idol kurzerhand einen Job sausen lässt.

Was danach kommt soll in erster Linie einen kulturellen Charakter haben, denn plötzlich steht gutes und schlechtes Karma im Fokus der Geschichte, worum sich fortan alles dreht. Auf der einen Seite der liebevolle Fukuda der sich absolut jeder Person anzunehmen vermag und das positive daraus zu machen versucht, auf der anderen Chiho, die ein prägendes Ereignis aus ihrer Jugend wiedergutmachen muss. Natürlich kommen beide zumindest im Ansatz zusammen, doch wer hier eine romantische Komödie vermutet, der wird womöglich etwas enttäuscht.

Herr Fuku-chan von nebenanYosukes „Herr Fuku-chan von nebenan“ lebt von seinen quirligen Figuren, wenn wir auf einem Ausflug plötzlich den Nachbarn auf einer einsamen Bergwiese beim großen Geschäft beobachten dürfen, Chiho mit einer riesigen gelben Kamera umherläuft oder man sich in einem indischen Restaurant einer Diskussion mit dem Koch ausgesetzt sieht, dass man zu Curry doch auf keinem Fall Wasser trinken darf. Es sind aber weniger diese witzigen Szenen die in Erinnerung verbleiben, sondern vielmehr der gesellschaftskritische Ansatz, der sich hinter diesem Werk auf dem zweiten Blick verbirgt. Hinter jeder Fassade kann ein warmes Herz stecken, ein Großteil der über 30-jährigen sind in Japan momentan Single und wenn etwas ganz vorne steht, dann ist es in den letzten zehn Jahren nicht die Familie gewesen. Der Film setzt an dieser Stelle zumindest im Ansatz an, verleitet zum nachdenken, obwohl dies Filmemacher Yosuke womöglich gar nicht in dieser Komplexität beabsichtigt hatte.

Neben den sehenswerten Darstellern die alle wie ganz normale Menschen aus der Nachbarschaft wirken, muss an dieser Stelle unbedingt noch ein Detail erwähnt werden. Die männliche Hauptrolle des Fukuda Tatsuo spielt niemand geringeres als die japanische Entertainerin Oshima Miyuki (Masuko biyori), die sich einem Interview zufolge für diese Rolle kurzerhand ihre Haare hat abschneiden lassen, um möglichst wie ein Mann auszusehen. Zugegeben, der Zuschauer wird ihr dies nicht im Ansatz abnehmen, vor der Aktion selber sollte man jedoch seinen Hut ziehen, können sich Frauen in Japan zumindest in diesem Bereich doch kaum allein durchsetzen.

Mit „Herr Fuku-chan von nebenan“ liefert Fujita Yosuke eine sehenswerte Regiearbeit ab, die zum einen eine herzerwärmende und vor allem komische Geschichte erzählt, zum anderen aber auch den Zahn der Zeit trifft, werden doch eine Vielzahl an gesellschaftskritischen Problemen Japans angesprochen.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Rapid Eye Movies

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Herr Fuku-chan von nebenan

Länge: 100 min

Kategorie: Comedy

Start: 10.07.2015

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 100 min
Kategorie: Comedy
Start: 10.07.2015

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