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Cordelias Kinder

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 1. April 2015

Cordelias Kinder

Im Grunde ist es jedes Jahr das gleiche, wenn man zu den Filmhochschulen unseres Landes blickt und die stille Erwartungshaltung hegt, einen der nächsten großen Filmemacher zu entdecken, die in den kommenden Jahren von sich reden machen könnten. Lars Kokemüller und die Hamburger Underground-Filmcrew „Radikal & Arrogant“ könnte man womöglich dazu zählen, die nach „Warum Hans Wagner den Sternenhimmel hasst“ und „Emma hat Flügel“ erneut ohne jedwede Fördermittel versucht haben ein neues Projekt auf die Beine zu stellen, welches beim Obsessive Underground Festival am 11. April 2015 seine Premiere feiern wird.

Cordelias KinderCordelia hat den Familienbetrieb erst zu dem gemacht was er ist, denn die kleine Firma hat sich schnell einen gewissen Ruf in den etwas anderen Kreisen erarbeitet, auf den man durchaus stolz sein kann. Schutzgelderpressung, Prostitution und das Vermitteln von Auftragskillern steht auf der Tagesordnung, doch eines Tages droht dies alles in die Brüche zu gehen. Schuld daran ist ausgerechnet Cordelias Mann, doch wäre es gelacht wenn man sich darum nicht auch kümmern könnte. Besagter Mann ist schnell ermordet, was bleibt sind eine Menge Fragen, ein paar Polizisten sowie die beiden Kinder Thomas und Julia, die mit der Situation sehr differenziert umzugehen versuchen. Während Thomas seine erste große Liebe in einem Stricher findet der für seine Mutter arbeitet, kommt Julia einfach nicht über den Tod ihres Vaters hinweg, woraufhin schon bald die ersten außerplanmäßigen Todesfälle anstehen.

Die Hamburger Underground-Filmcrew „Radikal & Arrogant“ hat man wohl am ehesten im Norden wahrgenommen, in Kreisen die sich mit der Produktion unabhängiger Filme beschäftigen und denen man gleichwohl einen gewissen Mut nachsagt, wenn man unabhängig der üblichen Fördertöpfe versucht seine ganz eigenen Ideen umzusetzen. Mit dem Erstlingswerk „Warum Hans Wagner den Sternenhimmel hasst“ wurde dies bereits erfolgreich praktiziert, „Emma hat Flügel“ wurde als DVD über eigene Vertriebskanäle verkauft, woraufhin sich Lars Kokemüller dazu entschloss auch für seinen neusten Film namens „Cordelias Kinder“ den Weg des Crowdfunding einzuschlagen. Das Projekt wurde damals mit einer Mischung aus Sex, Crime & Cthulu beworben, das Ergebnis könnte letztendlich nicht sonderbarer sein.

Cordelias KinderGanz in Schwarz-Weiß gehalten versucht die Crew von „Radikal & Arrogant“ eine ganz und gar untypische Gangstergeschichte zu erzählen, die gleich in mehrfacher Hinsicht von allem abweicht, was man drehbuchtechnisch bisher gesehen hat. Eine Frau namens Cordelia entschließt sich dazu ihren eigenen Mann zu töten, mit dessen Geist sie zuweilen Zwiegespräche führt, während sie sich mit einem Stricher zu vergnügen versucht. Auf der anderen Seite zwei dilettantisch agierende Polizisten, ein 15-jähriger Thomas der seine Sexualität mit einem Stricher seiner Mutter zu entdecken beginnt, während die ältere Julia den Tod des eigenen Vaters zu hinterfragen versucht und daraus ihre eigenen Rückschlüsse zieht.

Verpackt in rund 75 Minuten ist dies eine Menge Stoff, der allerdings weder aufgebläht wirkt, noch mit allerlei Nebensächlichkeiten überfrachtet. Das „Cordelias Kinder“ mit überaus geringen Mitteln realisiert wurde, ist nur in wenigen Einstellungen zu merken, spielt doch beinahe der gesamte Film in einem kleinen Einfamilienhaus, bei dem die Kamera nur gelegentlich mit einem kurzen Schwenk den Blick nach draußen wagt. Ein wenig undurchsichtig wirken bei dieser Inszenierung die kurzen Unterbrechungen, in denen Filmemacher Lars Kokemüller bewusst die Welt des Schwarz-Weiß verlässt und den Zuschauer mit unwirklichen Szenen in Farbe konfrontiert. Wie auch beim letzten Film, so wurde auch diesmal sehr viel wert auf einen stimmigen Soundtrack gelegt, der erneut selbst eingespielt wurde. Kurze Gesangsszenen mit Natalie Winz folgen auf recht rockige Stücke, was konzeptionell beinahe immer passt.

Die Hamburger Underground-Filmcrew „Radikal & Arrogant“ geht ihren Weg konsequent weiter, wenn sie ungewöhnliche Ideen mit einer unabhängigen Finanzierung umzusetzen versuchen. Man darf bereits jetzt darauf gespannt sein, welches Projekt als nächstes folgt.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Radikal & Arrogant

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Länge: 75 min

Kategorie: Crime, Drama, Mystery

Start: 11.04.2015

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

Cordelias Kinder

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 75 min
Kategorie: Crime, Drama, Mystery
Start: 11.04.2015

Bewertung Film: (6,5/10)

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