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Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 29. März 2015

Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis

Wenn die Nachrichten der letzten Nacht am Morgen im Fernsehen kommen, wird man zumeist mit allerlei Dingen konfrontiert, in die man lieber nicht verwickelt sein möchte. Unfälle, Schießereien, Auseinandersetzungen zwischen alkoholisierten Menschen, doch wer nimmt all dies überhaupt auf? Das ist meist die Arbeit von freien Mitarbeitern, sogenannten Nightcrawlern, die sich an Unfallherde begeben und anschließend ihr Filmmaterial an den meistbietenden verkaufen.

Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren PreisDer Mittdreißiger Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) schlägt sich mit allerhand windigen Geschäften durchs Leben und nutzt dabei jede noch so kleine Gelegenheit an Geld zu kommen, die sich ihm bietet. Des Nachts stiehlt er Stahl und verkauft es an Geschäftspartner weiter die gar nicht wissen wollen wo es herkommt, tagsüber werden am Strand arglose Touristen bestohlen und wenn dann noch Zeit ist, widmet sich Lou seinem Fernstudium im Bereich der Betriebswirtschaftslehre. Eines Nachts wird Lou schließlich Zeuge eines schweren Autounfalls, wo ein Team von Kameramännern auch sofort zur Stelle ist, um besagte Szene zu filmen. Am nächsten Morgen ist die Szene im Frühstücksfernsehen zu sehen, woraufhin Lou erneut eine glänzende Geschäftsidee bekommt. Kurzerhand kauft er sich eine gebrauchte Kamera, stellt für ein paar Dollar einen Assistenten ein und beginnt zu filmen, doch obwohl die ersten Bilder noch von geringer Qualität sind, macht sich Lou schon bald einen Namen durch seine Kaltschnäuzigkeit, mit der er bei der Newsproduzentin Nina Romina (Rene Russo) bleibenden Eindruck hinterlässt.

Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren PreisDie Idee hinter „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ ist recht einfach, denn bereits in den frühen 30er Jahren versuchten eine Hand voller Männer die Sensationslust des Publikums zu bedienen. Es ging schon damals nicht um ehrliche Nachrichten, denn ein erschossener Schwarzer im Ghetto reißt niemanden mehr vom Hocker. Es muss ein Weißer sein, wenn möglich in einem vornehmen Viertel, je blutiger desto besser und genau das treibt wiederrum die Quote nach oben. Regisseur und Drehbuchautor Dan Gilroy (Real Steel – Stahlharte Gegner) hat aus genau dieser Prämisse einen Film gemacht, bei dem er nicht nur die Art des Nachrichtenfernsehens infrage stellt, sondern dies auch noch als bitterböse Mediensatire aufbereitet.

Der im Mittelpunkt stehende Lou Bloom ist bei alledem von der ersten Minute an als Figur gezeichnet, die der Zuschauer gar nicht lieben kann. Lou lebt seine ganz eigene Version des amerikanischen Traums, wenn er Diebstähle begeht, das Diebesgut verkauft und schließlich das Geld wieder reinvestiert. Sätze aus dem BWL Studium fallen ein ums andere Mal, es wird von Businessplänen gesprochen und dennoch ist dem Zuschauer genau eines klar, Lou ist ein Soziopath wie er im Buche steht, der keinerlei Gewissen kennt.

Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren PreisMit genau diesen Eigenschaften scheint er genau das mitzubringen, was das Newsfernsehen und vor allem Newsproduzentin Nina Romina bitter nötig hat. Lou kümmert sich nicht um das Leid anderer Menschen, er zeigt kein Mitgefühl, er interessiert sich nicht für die Arbeit der Polizei oder des Rettungsdienstes, Lou ist da um zu filmen und je blutiger die Tat ist, desto mehr Geld kann er verlangen. Wir sprechen von bitterböser Satire die es auf die Medien abgesehen hat, gleichwohl aber auch den Konsum des Zuschauers infrage stellt, der genau diese Art von Nachrichten sehen möchte. Wenn ein Schwarzer irgendwo im Ghetto umgebracht wird interessiert das niemanden, wenn es aber ein Weißer in einem noblen Viertel erwischt hat, ist die Sorge um das eigene Wohl und die eigene Sicherheit groß.

In den meisten Filmen dieser Art ist das Ende bereits von Anfang an klar umrissen, denn der Antiheld stirbt irgendwann und der Zuschauer wird doch noch mit dem guten im Menschen konfrontiert. Hier ist vieles anders, Dan Gilroy schlägt eine Wendung nach der anderen ein, schafft es dabei aber spielend leicht den Zuschauer kaum zu verwirren und stets an der Stange zu halten. „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ ist genau deswegen großartig weil sein Drehbuch zu begeistern versteht, weil der Zuschauer mitgerissen wird, gleichwohl aber auch weil er einen Hauptdarsteller im Mittelpunkt platziert, der seine Rolle wie kein zweiter spielt. Jake Gyllenhaal (Prisoners) besitzt diese gewisse Portion Kaltschnäuzigkeit, diese Art Skrupellosigkeit und gleichwohl eine Form der inneren Ruhe, um die Stärken und Schwächen eines Soziopathen darstellen zu können.

Dan Gilroys „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ ist bitterböse Mediensatire und gleichwohl einer der besten Filme des vergangenen Jahres. Eine absolute Empfehlung!

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Wir vergeben daher 8,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Concorde

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Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis

Länge: 117 min

Kategorie: Crime, Thriller

Start: 26.03.2015

cinetastic.de Filmwertung: (8,5/10)

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Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis

Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 117 min
Kategorie: Crime, Thriller
Start: 26.03.2015

Bewertung Film: (8,5/10)

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