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Gone Girl – Das perfekte Opfer

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 4. Februar 2015

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In einem Interview ließ David Fincher einmal verlautbaren, dass er im Grunde gar kein so großer Anhänger des Thriller Genres ist. Schaut man sich nun jedoch seine bisher veröffentlichten Filme einmal etwas genauer an, ergibt genau diese Aussage nur bedingt einen Sinn. Sein neuster Film namens „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ reiht sich in genau diese Erkenntnis nahtlos mit ein, doch auch diesmal soll für Fincher weniger die Spannung im Vordergrund stehen, als vielmehr die menschlichen Abgründe, die es auszuleuchten gilt.

Gone-Girl-4Vor vielen Jahren waren Nick (Ben Affleck) und Amy Dunne (Rosamund Pike) noch ein Vorzeigeehepaar das gegen jedweden Sturm bestehen konnte, doch nach nunmehr fünf Jahren Ehe scheinen die meisten Gefühle verblasst zu sein. Aufgrund der Wirtschaftskrise sind beide von New York ins verhasste Missouri gezogen, wo Nick zwar nicht mehr als Journalist arbeiten kann, zumindest aber einen Job als unterrichtender Professor gefunden hat und nebenbei mit seiner Schwester Margo (Carrie Coon) eine Bar betreibt. Für Amy bleibt ein lebloser Alltag, den sie zumeist in völliger Einsamkeit ohne jedwede Freunde verbringt.

Wie in jedem Jahr veranstalten beide eine gemeinsame Schnitzeljagd um den Hochzeitstag entsprechend zu würdigen, die in Reimen geschrieben von einer Etappe zur nächsten leiten soll. Leider ist in diesem Jahr alles anders, denn Amy ist plötzlich verschwunden, woraufhin Nick die örtliche Polizei kontaktiert. Für diese steht sofort ein Gewaltverbrechen im Vordergrund, denn nicht nur das Amy auf der Kinderbuchfigur „Amazing Amy“ beruht, Nick hat auch erst vor kurzem ihre Lebensversicherung erhöht. Zu allem Überfluss findet die Polizei auch noch Blutspuren in der Küche, woraufhin dieser zusammen mit Anwalt Tanner Bolt (Tyler Perry) alles nur Erdenkliche versucht, um seine Unschuld zu beweisen. Als dann auch noch eine Affäre ans Tageslicht kommt und die Polizei ein geheimes Tagebuch findet, scheint eine Verurteilung unausweichlich zu sein.

Gone-Girl-3Basierend auf der Romanvorlage „Gone Girl: Das perfekte Opfer“ von Autorin Gillian Flynn (Dark Places) versucht David Fincher (Sieben) erneut etwas ganz großes zu erschaffen, indem er sich dem schwierigen Stoff annimmt und diesem seine ganz persönliche Note verleiht. Für die Adaption der Vorlage zeichnet sich die Romanautorin selber verantwortlich, die zusammen mit Fincher vor dem großen Problem stand, die Gliederung in einzelne Kapitel aus Sicht der jeweiligen Figuren aufzulösen und die Geschichte an sich zu verdichten.

Genau diese Entzerrung der einzelnen Kapitel ist hier durchaus als gelungen anzusehen, denn wo die literarische Vorlage noch mit vielen Ecken und Kanten zu kämpfen hatte, wirkt die filmische Adaption wesentlich gestrafter. Auf einzelne Elemente wie die gewonnene Freiheit Amys, die Wandlung ihrer Figur oder im Tagebuch erwähnte Passagen braucht hier jedoch nicht verzichtet zu werden, denn Fincher bedenkt auch dies in Form zahlreicher Rückblenden, in denen die Vergangenheit beider aufgearbeitet wird. Für Kenner des Romans werden die zahlreichen Wendungen innerhalb der Handlung nur wenig überraschend kommen, doch im Grunde ist die Geschichte über eine kriselnde Ehe als beinahe zweitranging anzusehen. Es geht vielmehr um die inneren Abgründe beider Figuren, die jeweils für sich genommen positive, aber auch zahlreiche negative Eigenschaften in sich vereinen.

Gone-Girl-2Im Grunde sollen aber auch diese Eigenschaften bestenfalls Mittel zum Zweck sein, denn Nick wie auch Amy sind die perfekten Schachfiguren, um die Medien an sich zu kritisieren. Ähnlich wie in „Maps to the Stars“ wird hier mit einer ordentlichen Portion Satire gearbeitet, wenn aus losen Spekulationen plötzlich Behauptungen geformt werden und somit der Bürger an sich schnell in jenen Fokus gerückt wird, wo nur noch Einschaltquoten durch Meinungsmache im Vordergrund stehen. Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt man hier aber auch mit der Figur des Anwalts, der durch geschickt angelegte Schachzüge nicht nur die Medien, sondern vor allem die Meinung der Bürger zu lenken versucht. Beweise und Fakten sind egal, was zählt ist die Geschichte, die letzten Endes zahlreiche Möglichkeiten zur Interpretation zulässt.

Natürlich wäre David Fincher nicht David Fincher, wenn er für „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ nicht einen großartigen Cast hätte aufbieten könnten. Für Oscargewinner Ben Affleck (Argo) war es die Chance einen selbstbewussten Schönling zu spielen, dem sprichwörtlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird, doch über allem steht stets Darstellerin Rosamund Pike (James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag), die hier eine der besten Rollen ihres Lebens spielen darf. Augenscheinlich die nette Nachbarin die niemanden etwas zuleide tun kann, entwickelt sie sich nach und nach zu einem echten Biest, dem man wirklich alles zutrauen kann. Die Hinterlist in Person, doch kann man ihrer Figur wirklich böse sein?

Mit „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ geht David Fincher seinen Weg im Thriller Segment konsequent weiter, wenn er die Buchvorlage von Gillian Flynn entzerrt und zur offenen Medienkritik verkommen lässt. Eine wunderbar spannende Geschichte mit zahlreichen Wendungen und vor allem ein Cast, der bis in die Nebenrollen hinein brilliert.

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Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: 20th Century Fox

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Gone Girl - Das perfekte Opfer

Länge: 149 min

Kategorie: Drama, Mystery, Thriller

Start: 05.02.2015

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Gone Girl - Das perfekte Opfer

Gone Girl – Das perfekte Opfer

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 149 min
Kategorie: Drama, Mystery, Thriller
Start: 05.02.2015

Bewertung Film: (8/10)

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