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20,000 Days on Earth

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 24. Februar 2015

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„Dieser Tag ist sowohl realer und weniger real, wahrhaftiger und weniger wahrhaftig und interessanter und weniger interessant als ein wirklicher Tag in meinem Leben. Je nachdem, wie man es betrachtet.“ Nick Cave

20000daysonearth-7-ctDokumentationen über Musiker und Künstler besitzen meist den faden Beigeschmack, unreflektiert einen großen Star wiederzugeben und dabei das essentielle aus den Augen zu verlieren. Für Musiker und Schriftsteller Nick Cave war es einer jener Gründe stets einem Biopic ihm gegenüber abgeneigt gewesen zu sein, bis er schließlich das britische Künstlerpaar Ian Forsyth und Jane Pollard traf, die ihm das Gegenteil bewiesen. Eigentlich sollten diese nur ein paar Aufnahmen zu Caves neuster Scheibe „Push the Sky Away“ machen, was folgte war Vertrauen darin, dass durchaus auch mehr möglich sein kann.

Ähnlich wie auf dem aktuellen Album-Cover wird auch der Beginn von „20,000 Days on Earth“ inszeniert, wenn Nicks Wecker des Morgens klingelt, er sich aus dem Bett bewegt und die Lamellen seiner Fenster öffnet. Es ist der 20.000 Tag im Leben eines Nick Cave, einem Künstler der im Grunde alles bereits gesehen hat und diese Erkenntnisse Tag für Tag in Wörter umzusetzen versucht. Als Mischung zwischen Fiktion und Dokumentation versuchen Ian Forsyth und Jane Pollard den Mythos des Nick Cave zu entzaubern, gleichwohl den Fans aber auch Antworten auf eine Vielzahl an Fragen zu liefern, die sich in den letzten Jahrzehnten angesammelt haben.

20000daysonearth-8-ctNatürlich fehlt auch „20,000 Days on Earth“ diese gewisse Authentizität, denn eine Dokumentation die der Künstler selbst in Auftrag gibt, spiegelt immer genau das Bild wieder, dass er von sich vermitteln möchte. Auch hier ist es nicht anders, was im Grunde aber auch gar nicht schlimm ist. Wir erleben Cave bei den Proben zu seinem neusten Album, sehen ihn auf seiner Schreibmaschine Songtexte tippen, diese im Anschluss in seinem Notizbuch wieder korrigieren. In einem sehr intimen Gespräch mit Psychoanalytiker Darian Leader kommt Cave auf seine Kindheit und frühe Jugend zu sprechen, gleichwohl aber auch auf den Tod seines Vaters, der bereits vor langer Zeit von ihm gegangen ist.

Neben diesen Szenen und einzelnen Konzertausschnitten kommen aber auch Wegbegleiter von Nick Cave zu Wort. So sehen wir Cave zusammen mit Freund Warren Ellis zusammen am Frühstückstisch über Gott und die Welt diskutieren, während sich viele andere Szenen ganz einfach im Wagen abspielen. Cave fährt, neben ihm und auf dem Rücksitz zumeist eine Person, mit der er eine Unmenge an Erfahrungen teilt. Mit seinem langjährigen Gitarristen Blixa Bargeld spricht er beinahe beiläufig über dessen Ausstieg aus der Band, während ein anderes Mal intime Gespräche mit Sängerin Kylie Minogue entstehen, mit der er im Jahre 1995 den größten Singleerfolg seiner Karriere feiern durfte.

20000daysonearth-3-ctNatürlich kommt bei alledem auch die Musik selber nicht zu kurz, wo uns neben einzelnen Konzertausschnitten in erster Linie Song seines letzten Albums begleiten. An dieser Stelle sei einem jenen Fan auch unbedingt die Special Edition der Blu-ray Veröffentlichung von „20,000 Days on Earth“ ans Herz gelegt, die jede Menge weitere Hintergrundinformationen zum Film bietet. In einem ausführlichen Making Of dürfen wir der Entstehung seiner letzten CD beiwohnen, in einzelnen Interviews sprechen Nick Cave, Ian Forsyth und Jane Pollard über einzelne Szenen der Dokumentation, während zahllose andere auf uns warten, die leider dem Schnitt zum Opfer gefallen sind.

Ian Forsyth und Jane Pollard gelingt mit „20,000 Days on Earth“ ein einzigartiges Künstlerporträt über Nick Cave, das die Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion gekonnt verschwimmen lässt. Ganz großes Kino, dass sich kein Fan seiner Musik entgehen lassen sollte.

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Wir vergeben daher 8,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Rapid Eye Movies

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20,000 Days on Earth

Länge: 96 min

Kategorie: Documentary, Music

Start: 20.02.2015

cinetastic.de Filmwertung: (8,5/10)

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20,000 Days on Earth

20,000 Days on Earth

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 96 min
Kategorie: Documentary, Music
Start: 20.02.2015

Bewertung Film: (8,5/10)

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