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Stopping – wie man die Welt anhält – Wege zur Meditation

Geschrieben von Peter Gutting am 2. Januar 2015

Stopping

Der Zeitdiagnose von Meditationslehrer Bhante Nyanabodhi ist kaum zu widersprechen: „Alle haben die gleichen Bedürfnisse, jeder will ein bisschen weniger Stress“. Mit welcher Entspannungstechnik das zu erreichen ist, wird damit freilich noch nicht gesagt. Wer sich allerdings für eine Form der Meditation interessiert, ist mit dem Dokumentarfilm von Bernhard Koch und Nils Landmark gut bedient. Regisseur und Co-Autor legen den Akzent auf praktische Beispiele und die Neugierde von Einsteigern.

StoppingEs ist kaum ein Problem, sich mit den vier Protagonisten von „Stopping – Wie man die Welt anhält“ zu identifizieren. Friedrich nimmt zu viele Probleme von seiner Arbeit als Anästhesiearzt mit nach Hause und belastet damit nicht nur sich selbst, sondern auch die Beziehung zu seinem Lebenspartner. Uta verliert im durchorganisierten Alltag einer Familie mit drei Kindern öfter mal die Nerven – zu oft für ihr Empfinden. Dorothea findet zwischen Job, Doktorarbeit, Kind und Partner kaum eine Minute der Selbstbesinnung. Und Theologe Nico möchte nicht am Ende seines Lebens dastehen und sich fragen, ob das schon alles gewesen ist.

Das Bedürfnis nach einem intensiveren Leben, nach dem Sich-Selbst-Spüren, steht im Zentrum dieser vier Erfahrungsberichte. Sie handeln alle davon, wie jemand sich für einen Meditationskurs entscheidet, wie er dort hingeht, was er dort erlebt und wie er es bewertet. Angereichert werden die hintereinander erzählten Geschichten durch dazwischen geschnittene Statements prominenter Lehrer, von Pater Anselm Grün über Lama Ole Nydal bis zu Fred von Allmen. Sie vertiefen das praktisch Erlebte, ohne in allzu theoretische Betrachtungen oder gar einen Streit unterschiedlicher Meditationsschulen abzudriften.

StoppingDurch die Wahl ihrer Kurse decken die vier Protagonisten recht unterschiedliche Methoden des Sich-Versenkens ab: Vipassana, Anthroposophie, Achtsamkeit (MBSR) und Zen. Zusätzlich besuchen die Filmemacher das Sommercamp des Diamantweg-Buddhismus und stellen diese Episode in die Mitte des fünfteiligen Films – als Gelegenheit, das Spektrum um eine weitere, mehr gemeinschaftsorientierte Facette zu erweitern. Insgesamt liegt der Fokus bei Auswahl und Montage des Materials aber eindeutig auf dem Gemeinsamen und Verbindenden.

Denn der Grundgedanke ist immer derselbe: nichts tun, einfach dasitzen, zur Ruhe kommen. Das klingt wie das Simpelste von der Welt, ist aber, wie die Meditationslehrer aller Schulen einräumen, das Schwerste. Denn der Geist ist nicht dazu gemacht, einfach stillzustehen und nichts mehr zu denken. Deshalb kommt es darauf an, auch das Rasen der Gedanken zuzulassen, aber eine andere Haltung dazu einzunehmen: sie nämlich kommen und gehen zu lassen. Wer das übt, so versichern die Lehrer und die Protagonisten, bringt sich in ein anderes Verhältnis zur Welt und zu sich selbst, in ein intensiveres Genießen des Augenblicks und ein gelasseneres Umgehen mit überzogenen Ansprüchen. „Es wirkt wie eine bewusstseinserweiternde Droge“, sagt Nico, der sich mit 90-minütigem Stillsitzen die härteste der Methoden ausgesucht hat. „Die Sinne werden geschärft, Details intensiver wahrgenommen“.

StoppingMit Worten können diese Erfahrungen nur annäherungsweise umkreist, aber nicht eins zu eins wiedergegeben werden. Die Bildsprache hat da im Prinzip bessere Möglichkeiten, weil sie ähnlich vielschichtig, ähnlich ungenau sein darf. Nicht von ungefähr spricht man von meditativen Filmen, aber das war erkennbar nicht der Anspruch von Bernhard Koch und Nils Landmark, die beide seit vielen Jahren selbst meditieren. Ihr Anliegen ist zwar kein belehrendes, aber zumindest ein motivierendes, Lust auf eigene Erfahrungen machendes. Sie wollen Menschen an die Meditation heranführen, die bisher zwar davon gehört, aber den Schritt zur Praxis noch nicht gewagt haben.

Somit beschränken sich die assoziativen Zwischenschnitte abseits der Gesprächs- und Übungsszenen meist auf naheliegende Bilder und Metaphern. Blühende Bäume oder rieselnder Schnee stehen für das Abtauchen in eine innere Welt, schnelle Schnitte visualisieren die Hektik der Großstadt. Das ist hübsch anzusehen und sorgfältig gemacht, ordnet sich aber dem Primat des gesprochenen Wortes spürbar unter.

Dank seiner motivierenden Machart ist „Stopping – Wie man die Welt anhält“ allen stressgeplagten Zuschauern zu empfehlen. Ohne belehrend oder weltanschaulich geprägt zu sein, widmet sich die Dokumentation den praktischen Herausforderungen und Chancen der Meditation. Wer dagegen einen Film sehen möchte, der selbst meditativ wirkt, ist bei anderen Zugangsweisen zum Thema besser aufgehoben.

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Stopping

Länge: 90 min

Kategorie: Documentary

Start: 26.02.2015

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Stopping

Stopping – wie man die Welt anhält – Wege zur Meditation

Geschrieben von Peter Gutting

Länge: 90 min
Kategorie: Documentary
Start: 26.02.2015

Bewertung Film: (6,5/10)

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