cinetastic.de - Living in the Cinema

Beste Chance

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 8. Dezember 2014

Beste Chance

Als der bayrische Filmemacher Marcus H. Rosenmüller im Jahre 2006 seinen Debütfilm „Wer früher stirbt ist länger tot“ in einem kleinen Augsburger Kino dem Publikum präsentierte, dachten wohl nur die wenigsten daran, dass besagter Film nur wenige Monate später die Millionengrenze knacken würde. Es folgte mit „Beste Zeit“ nur ein Jahr später der Beginn einer Trilogie, welche im Jahre 2008 schließlich mit „Beste Gegend“ fortgeführt werden sollte. Nach einer längeren Pause präsentiert uns Rosenmüller nun den Abschluss der ungewöhnlichen Reihe, die gemeinhin das Genre des Neuen Heimatfilms prägte.

Beste ChanceFür die 20-jährige Kati (Anna Maria Sturm) hat sich in letzter Zeit so einiges geändert. Das WG-Leben geht ihr gehörig auf den Keks, der Ex-Freund nervt und zu guter Letzt hat sie auf dem Anrufbeantworter auch noch eine Reihe beunruhigender Nachrichten ihrer einst besten Freundin gefunden, die sich irgendwo in Indien befindet. Trotz Prüfungsstress vom Architekturstudium wird kurzerhand der Koffer gepackt, um im heimischen Tandern die Freunde von damals zusammen zu trommeln, um mit diesen Jo (Rosalie Thomass) zu suchen. Leider entpuppt sich dieser Plan alles andere als solide, denn die Freunde von damals sind nun entfernt von jedweder Spontanität. Rocky (Ferdinand Schmidt-Modrow) und Toni (Volker Bruch) stehen mit einem Fuß vor dem Traualtar, während es Mike (Florian Brückner) doch tatsächlich zum Stationsarzt geschafft hat. Drei Freunde und drei Absagen, woraufhin Kati allein nach Indien reist, um dort ihre Freundin zu finden. Diese findet sich zeitgleich jedoch in Tandern ein, woraufhin parallel die Väter der beiden Mädchen nachreisen, haben sie doch von Terroranschlägen in Indien erfahren.

Beste ChanceEine Trilogie über mehrere Jahre hinweg mit denselben Schauspielern bietet sich immer an, um einerseits eine bekannte Geschichte fortzuführen, andererseits aber auch die Schauspieler selbst beim Altern zu bewundern. Dieses Konzept wurde erst kürzlich von Richard Linklater und seinem Film „Boyhood“ auf die Spitze getrieben, als er eine 13 Jahre lange Entwicklung aller Schauspieler mit in seinen Film integrierte. Im Falle von „Beste Chance“ versucht Rosenmüller dies in einem etwas kleineren Maßstab, denn wo zwischen „Beste Zeit“ und „Beste Gegend“ noch ein Jahr lag, soll die Entwicklung diesmal ganze sechs Jahre trennen.

Damit einher geht auch, dass sich die Geschichte selbst von der ländlichen Idylle Bayern löst. Die im Mittelpunkt stehenden Kati und Jo haben komplett andere Entwicklungen durchgemacht, denn wo es Kati fürs Studium in die Großstadt zog, versuchte sich Jo im fernen Indien selber zu finden. Alle übrigen Figuren aus den ersten beiden Filmen sind ebenfalls erwachsen geworden, sind fest in ihren Leben verankert, wodurch es sich als großes Problem gestaltet, Jo im fernen Indien zu suchen. Aus dieser Prämisse entstehen drei zum Teil recht unterschiedliche Handlungsstränge, denn wo Kati als Rucksacktourist versucht den Weg ihrer verschollenen Freundin nachzuvollziehen, schlagen sich zwei Väter mit einer fremden Kultur herum, während die Verschwundene selber in ihrer Heimatstadt neue Gefühle und alte Romanzen wieder aufleben lässt.

Beste ChanceRein visuell hebt sich „Beste Chance“ dahingehend zum Teil radikal von den beiden Vorgängern ab, denn durch den kulturellen Ansatz Indiens wirkt nun alles durch eine Vielzahl an Farben wesentlich lebendiger. Das triste Bayern wird durch ein lebendig wirkendes Indien ersetzt, wobei damit ebenso die Schnelllebigkeit dieses Landes einhergeht. Mit Straßendieben, Raub und Armut werden sogleich Themen Indiens angesprochen, die zuweilen haarscharf an der Abarbeitung bekannter Klischees vorbei schlittern. Was an diesen Stellen inhaltlich nur von sehr geringem Mehrwert erscheint, ergibt im Großen Ganzen schon wesentlich mehr Sinn. Es sind letztendlich die vielen Details die hier überzeugen, die Entwicklung der unterschiedlichsten Figuren, sowie die daraus gewonnenen Erkenntnisse. „Beste Chance“ kann man ganz ohne Frage als eigenständigen Film betrachten und diesen auch genießen, doch will man mehr von der erwähnten Figurenentwicklung erfahren, kommt man nicht umhin, Rosenmüllers gesamtes Werk zu betrachten.

Betrachtet man „Beste Chance“ als eigenständigen Film, so gibt es ganz ohne Frage inhaltliche Defizite, die das Sehvergnügen schmälern. Kennt man beide vorangegangenen Filme, so bildet dieser nicht nur einen sehenswerten Abschluss, sondern gleichwohl die Basis für einen Neuanfang, den sich Rosenmüller hier völlig offen gelassen hat.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Majestic, Stefan Biebl, Meike Birck

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Beste Chance

Länge: 100 min

Kategorie: Drama

Start: 05.12.2014

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (1/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Beste Chance

Beste Chance

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 100 min
Kategorie: Drama
Start: 05.12.2014

Bewertung Film: (6,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (1/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten