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Stereo

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 17. November 2014

Stereo

Die beiden deutschen Schauspieler Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu gehören zweifelsohne zu den wenigen Ausnahmetalenten in der heimischen Kinolandschaft, umso unverständlicher ist es, dass man beide zusammen noch nie auf der großen Leinwand zusammen sah. Mit seiner zweiten Regiearbeit versucht Maximilian Erlenwein dies nun zu ändern, was nicht nur auf der diesjährigen Berlinale mit Wohlwollen aufgenommen wurde, sondern gleichwohl anschließend auch im Kino.

Weit entfernt von seiner Wahlheimat Berlin versucht Erik (Jürgen Vogel) ein neues Leben aufzubauen, wobei ihm nicht nur seine Freundin Julia (Petra Schmidt-Schaller) behilflich ist, sondern ebenso deren kleine Tochter Linda (Helena Schoenfelder), mit der er sich blendend versteht. Die neu eröffnete Motoradwerkstatt läuft bestens, einzig und allein mit seinem zukünftigen Schwiegervater muss sich Erik ein ums andere Mal auseinandersetzen, hält dieser ihn doch Regelmäßig in seiner Eigenschaft als Polizist auf der Landstraße an.

StereoAls sich eines Tages eine Hand voller Zigeuner in der Nähe seiner Werkstatt niederlassen, verändert sich diese scheinbar perfekte Welt jedoch schlagartig über Nacht. Erik sieht den geheimnisvollen Kapuzenmann erst nur aus der Ferne, woraufhin dieser schnell näher kommend sich als Henry (Moritz Bleibtreu) herausstellt, ein Mann der auf ihn einzureden versucht, den er jedoch einzig und allein sehen und hören kann. Hat Erik eine tief sitzende Psychose? Versucht ihn seine Vergangenheit einzuholen oder hat er womöglich sogar ganz andere Probleme? Bei einem russischen Medium versucht er Hilfe einzuholen, doch plötzlich stehen Gangster vor seiner Tür und möchten eine alte Rechnung begleichen.

Der deutsche Genrefilm stand über viele Jahre hinweg auf einem verlorenen Posten, denn egal wie gut die Idee auch war, die Zuschauer würdigten dies oftmals keines Blickes, woraufhin eben dieses Genre schnell mit gewaltigen Verlusten verbunden war. Mit seiner erst zweiten Regiearbeit geht Maximilian Erlenwein (Schwerkraft) dennoch diesen Schritt, denn Erlenwein hatte nicht nur ein gutes Drehbuch in der Hinterhand, sondern wusste auch ganz genau, wie er dieses selbstkonzipierte am besten verfilmen sollte. Es sollte eine Art deutscher „Fight Club“ werden, ein schmutziger und gewalttätiger Film, gleichwohl aber auch ein Werk, welches nicht von Beginn an komplett vorhersehbar ist.

StereoGenau dies ist Maximilian Erlenwein ganz ohne Frage gelungen, denn „Stereo“ ist ein deutscher Genrefilm, der eindeutig Hoffnung auf mehr macht. Bereits die Einleitung spiegelt eine wunderbar heile Welt vor sommerlicher Kulisse vor, bevor der im Mittelpunkt stehende Erik auch schon von einem namenlosen Polizisten angehalten und gedemütigt wird, welcher sich nur wenig später als Vater seiner Frau herausstellen soll. Dieser Zynismus wird in „Stereo“ gelebt, doch mit fortlaufender Zeit geht ebenso eine Veränderung des visuellen einher. Mit jeder Minute zerbricht Erik mehr, wenn er einen Mann zu sehen glaubt, den er nicht so richtig einordnen kann. Wird er verrückt? Hat er eine Psychose oder ist an dieser Gestalt doch mehr dran, als er sich zugestehen will?

Die Bilder werden dunkler, rauer und gleichwohl geheimnisvoller, während mit Erik und Henry zwei Figuren platziert werden, die nicht von ungefähr an jene aus „Fight Club“ erinnern. Mit dem amerikanischen Vorbild kann es „Stereo“ natürlich nicht im Ansatz aufnehmen, was nicht nur hinsichtlich des Budgets zu sehen ist, sondern gleichwohl in Punkto der verzwickten Geschichte. Genau diese ist durchaus gut, spannend konzipiert und hat dieses gewisse Etwas, doch wirklich neu ist sie aufgrund diverser Vorbilder eben nicht. Dies soll an dieser Stelle jedoch auch gar kein Problem darstellen, denn „Stereo“ unterhält so wie er ist, was in erster Linie am großartigen Spiel von Jürgen Vogel (Die Welle) und Moritz Bleibtreu (Das Experiment) begründet liegt. Beide stacheln sich an, steigern sich mit illustren Sprüchen von Minute zu Minute, was nicht nur immer verrückter wird, sondern gegen Ende auch gleichwohl in einem doch recht unvorhersehbaren Showdown endet.

Genau dieser Showdown ist es auch der viele scheinbar im Raum schwebenden Fäden zusammen zieht, wodurch einzelne Details plötzlich Sinn ergeben und ein großes Ganzes entsteht. Sehenswert ist bei alledem auch Georg Friedrich (Nordwand) als Gangsterboss und Zuhälter, der stets das gewisse undurchschaubare Etwas im Film ausmacht, dass der Zuschauer nicht eindeutig zuordnen kann.

Der deutsche Genrefilm lebt, nicht anders kann man Maximilian Erlenweins zweite Regiearbeit beschreiben. Undurchsichtig, spannend inszeniert und mit zwei großartigen Hauptdarstellern, was will man mehr?

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Wild Bunch

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Stereo

Länge: 95 min

Kategorie: Thriller

Start: 20.11.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 95 min
Kategorie: Thriller
Start: 20.11.2014

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