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Oculus

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 24. November 2014

Oculus

Seinen eigenen Kurzfilm als abendfüllenden Spielfilm umzusetzen gestaltet sich immer wieder als größere Herausforderung, denn was mit einer guten Idee und geschickt platzierten Schockeffekten im kleinen Rahmen funktioniert, bedarf im großen weitaus mehr Aufwand. Regisseur Mike Flanagan stand vor eben dieser Herausforderung, als er seinen 30-minütigen Kurzfilm „Oculus: Chapter 3 – The Man with the Plan“ adaptierte und diesem kurzerhand eine zweite Metaebene verpasste.

OculusRund zehn Jahre nach dem Tod seiner Eltern wird der 21-jährige Tim (Brenton Thwaites) aus der geschlossenen Psychiatrie entlassen. Tim soll damals seinen Vater und seine Mutter auf grausamer Art und Weise getötet haben, doch seine ältere Schwester Kaylie (Karen Gillan) weiß es besser. Schuld soll ein geheimnisvoller antiker Spiegel sein, welcher einen jeden Besitzer für sich einzunehmen vermag und nach und nach in den Wahnsinn treibt. Besagten Spiegel hat Kaylie bei einer ihrer Auktionen ausfindig gemacht, woraufhin sie diesen kurzerhand für ein Wochenende ausleiht, um zusammen mit ihrem Bruder dem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Trotz zahlreicher Vorsichtsmaßnahmen und einem gut strukturierten Ablauf soll dann jedoch alles aus dem Ruder laufen, denn beide werden plötzlich mit ihrer eigenen Kindheit und somit erneut mit dem Tode ihrer Eltern konfrontiert.

Basierend auf seinem eigenen im Jahre 2006 konzipierten Kurzfilm versucht Regisseur und Drehbuchautor Mike Flanagan jene Idee auf Spielfilmlänge auszudehnen, mit der er damals noch von einem Festival zum nächsten reiste. Ob diese Idee letztendlich genügt um einen spannenden 90-Minüter zu drehen muss allerdings bezweifelt werden, denn was im kleinen Rahmen durchaus funktionierte, bedarf im Großen einfach mehr. Dieses „mehr“ wird uns mit dem durchaus ambitionierten „Oculus“ jedoch nur im Ansatz geliefert, wodurch mehr als nur ein Problem entsteht.

OculusIm direkten Vergleich mit dem Kurzfilm (liegt der Blu-ray bei) muss man Mike Flanagan zumindest im Ansatz zugutehalten, seine Idee des bösen Spiegels zumindest insofern auszubauen, als das er eine zweite Metaebene hinzufügt, wodurch wir mehr aus der Kindheit der beiden im Mittelpunkt stehenden Protagonisten erfahren. Ansonsten bleibt vieles absolut gleich. Im Raum sind drei Kameras platziert die jederzeit mit einer eigenen Stromversorgung einen jeden Winkel im Raum überwachen, ein Thermostat registriert jede noch so kleine Veränderung der Raumtemperatur und eine Hand voller Wecker sorgt stündlich dafür, dass die beiden nicht vergessen Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

So ambitioniert sich diese Einleitung auch anhört, so enttäuschend verlaufen die nächsten 60 Minuten. Flanagan wechselt immer wieder geschickt die Zeitebenen, er verwebt nach und nach beide Handlungsstränge, sodass alles zumindest gegen Ende hin wesentlich mehr Sinn ergibt, als es anfangs noch den Anschein hat. Das bei alledem niemals auch nur im Ansatz das geheimnisvolle des Spiegels geklärt wird (immerhin hat er 45 Menschen in 400 Jahren umgebracht) ist nur eine Sache, viel schlimmer wiegt jedoch jenes Problem auf, dass „Oculus“ für einen Horrorfilm letztendlich doch reichlich harmlos ist.

OculusEs gibt eine recht schmerzhaft ansehende Szene in der Fingernägel herausgerissen werden, eine recht interessante Szene in der in guter alter Schneewittchen Manier in den Apfel (oder war es doch eine Glühbirne?) gebissen wird, doch das war es dann leider auch schon. Hier ein krächzen, dort ein geheimnisvolles stöhnen, doch nichts was einen Genrekenner nur im Ansatz vom Hocker hauen könnte. Genau das ist es schließlich was einen guten Horrorfilm ausmacht, worauf hier jedoch beinahe gänzlich verzichtet wurde. Damit einhergehen gleich mehrere Figuren, die zum Teil absolut blass bleiben. Die im Mittelpunkt stehenden Tim und Kaylie bilden einen durchaus intelligent angelegten gegensätzlichen Pol, doch bleiben auf der anderen Zeitebene insbesondere ihre Eltern reichlich lustlos, sodass dem Zuschauer gar nicht daran gelegen ist mehr über diese zu erfahren. Das ist insbesondere dahingehend Schade, da man dadurch gut 50% des Films quasi über Bord wirft, wodurch erst jene langatmigen Stellen im Film entstehen, die eingangs noch erwähnt wurden.

„Oculus“ ist ein auf zwei Zeitebenen ausgelegter Horrorfilm der leider nur im Ansatz überzeugt, denn was im kleinen Rahmen noch durchaus funktionierte, will hier den Zuschauer absolut nicht vom Hocker reißen.

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Wir vergeben daher 5,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Square One/Universum Film

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Oculus

Länge: 104 min

Kategorie: Horror

Start: 05.12.2014

cinetastic.de Filmwertung: (5,5/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 104 min
Kategorie: Horror
Start: 05.12.2014

Bewertung Film: (5,5/10)

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