cinetastic.de - Living in the Cinema

Welcome to New York

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 3. Oktober 2014

Welcome to New York

Als Dominique Strauss-Kahn am 14. Mai 2011 in New York festgenommen wurde, überschlug sich die Presse weltweit mit Spekulationen. Der angehende französische Präsidentschaftskandidat und Chef des Internationalen Währungsfonds wurde der versuchten Vergewaltigung angeklagt, was nicht nur zum freien Fall von Strauss-Kahn führte, sondern ebenso dazu, dass sich Regisseur und Drehbuchautor Abel Ferrara dem Stoff angenommen hat.

Welcome to New YorkGeorge Devereaux (Gérard Depardieu) ist ein wichtiger Mann in der Finanzwelt, er liebt den Luxus und reist von einem Land zum anderen, um die wirklich großen Deals über die Bühne zu bringen. Als er eines Tages in einem luxuriösen Hotel in New York eincheckt, bestellt er sich neben Champagner als erstes einige Prostituierte aufs Zimmer, um zusammen mit seinen beiden Geschäftspartnern ausgelassen zu feiern. Am Ende dieser Feier kommt eine durchzechte Nacht mit weiteren Damen, doch auch am nächsten Morgen scheint Devereaux noch lange nicht genug zu haben, als er ein Zimmermädchen (Pamela Afesi) sexuell belästigt. Nach einem Essen mit seiner Tochter (Marie Mouté) plant Devereaux zurück nach Frankreich zu fliegen, doch plötzlich wird er am JFK Airport von bewaffneten Polizisten festgenommen und in Gewahrsam genommen. Die Richterin lehnt eine Kaution wegen Fluchtgefahr ab, woraufhin er auf einmal neben allerlei anderen Ganoven im Gefängnis Platz nehmen darf, wo einzig und allein seine Frau Simone (Jacqueline Bisset) noch zu ihm halten soll.

Welcome to New YorkDer Fall Dominique Strauss-Kahn beschäftigte im Mai 2011 die internationale Presse, die politische Karriere des Chefs des Internationalen Währungsfonds war praktisch über Nacht vorbei und so ließ auch die Nachricht nicht lang auf sich warten, dass ausgerechnet Regisseur und Drehbuchautor Abel Ferrara (Body Snatchers – Angriff der Körperfresser) plant dieses Ereignis zu verfilmen. Das für die Hauptrolle ausgerechnet der skandalträchtige Gérard Depardieu in den Fokus rückte war gleichwohl ein Skandal an sich, was er sich während der Dreharbeiten jedoch zu keiner Zeit anmerken ließ.

Im Grunde genommen hatte Abel Ferrara alles was er für ein gutes Drehbuch benötigte. Eine schillernde Figur in Form von Dominique Strauss-Kahn, jede Menge Sex mit Prostituierten und sogar noch der Verdacht der Zuhälterei, weswegen dieser ein Jahr später angeklagt werden sollte. Aus alledem machte Ferrara jedoch nicht unbedingt viel, denn sein zweistündiger Film erzählt vor allem eine recht langweilige Geschichte über einen Mann, der über Nacht beinahe alles verloren hat. Dabei sind die ersten dreißig Minuten noch recht vielversprechend, in denen in erster Linie eine Person gezeigt wird, die von allem nie genug bekommen kann. Der Alkohol fließt in Strömen, Prostituierte bestellt man sich in größeren Mengen aufs Zimmer und wenn es nicht genug ist, dann bedient man sich eben an den Hotelangestellten.

Welcome to New YorkGenau diese dreißig Minuten werden in erster Linie von vielen sexuellen Handlungen überschattet, es gibt kaum Dialoge, dafür noch mehr Gestöhne. Was danach kommt ist dann allerdings eher seichte Unterhaltung für das Abendprogramm im Öffentlich Rechtlichen, denn nun wird der Zuschauer rund anderthalb Stunden mit unglaublich vielen Details aus der damaligen Verhaftung von Strauss-Kahn konfrontiert. Extra für den Dreh wurden an der Verhaftung beteiligte Polizisten mit in den Film integriert, vieles wirkt wie eine dokumentarische Aufarbeitung von Ereignissen, wodurch „Welcome to New York“ gänzlich stagniert und keinerlei Höhepunkte erkennen lässt.

Sieht man von der fehlenden Dramaturgie einmal ab, so kann „Welcome to New York“ in erster Linie mit seinen Darstellern unterhalten. Gérard Depardieu (Der Mann in der eisernen Maske) ist ganz ohne Frage über allem erhaben und zeigt eine der besten Performances der letzten Jahre, wenn er ungeniert seine Wampe frontal in die Kamera hält und über zwei Stunden hinweg den gebrochenen Mann zeigt, der praktisch über Nacht alles verloren hat. Nicht weniger überzeugend spielte aber auch Jacqueline Bisset (Die amerikanische Nacht), welche als Frau von George Devereaux allerlei erdulden musste und dies mit stoischer Ruhe, gleichwohl aber auch mit anklagenden Worten hingenommen hat. Zweifelsohne zwei ganz starke Darbietungen, bei einem ansonsten recht enttäuschenden Film.

Abel Ferrara versucht mit „Welcome to New York“ mit dokumentarischer Genauigkeit jene Umstände auf der Leinwand abzubilden, die im Mai 2011 zur Verhaftung von Dominique Strauss-Kahn geführt haben. Trotz zweier bemühter Darsteller ist eben diese Detailverliebtheit jedoch alles andere als spannend inszeniert.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Wild Bunch Germany

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Welcome to New York

Länge: 125 min

Kategorie: Drama

Start: 12.02.2015

cinetastic.de Filmwertung: (5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Welcome to New York

Welcome to New York

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 125 min
Kategorie: Drama
Start: 12.02.2015

Bewertung Film: (5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten