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Mauern der Gewalt

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 26. Oktober 2014

Mauern der Gewalt

Gefängnisdramen haben allgemeinhin den faden Beigeschmack, dass der Realismus meist nur so weit geht, wie sich der Zuschauer auf diesen einlassen kann. Für David Mackenzies Drama „Mauern der Gewalt“ wurde dahingehend auf einen Drehbuchautor gesetzt der sich ganz genau auf der anderen Seite der Mauer auskennt, der selber lange Zeit mit gewaltbereiten Jugendlichen gearbeitet hat und der daher das ganze Spektrum der Gewalt kennt, das dort vorhanden ist.

Mauern der GewaltDer 19-jährige Eric Love (Jack O’Connell) gehört eigentlich noch in den Jugendknast, doch aufgrund seiner gewaltbereiten Art kommt er einer tickenden Zeitbombe gleich, auf die sich die Behörden nicht länger bereit sind einzulassen. Kurzerhand wird Eric ins Gefängnis der Erwachsenen verlegt, doch wer denkt das sich Eric dort anderen unterordnen würde, der hat sich kräftig geirrt. Mit mehreren Wärtern wird eine Rauferei begonnen, einem Mithäftling bricht er beinahe den Schädel, woraufhin ihm kurzerhand ein Antiaggressionsprogramm angeboten wird. Leider ist Eric diesem alles andere als aufgeschlossen, denn neben dem Alltag im Gefängnis hat er noch ein ganz anderes Problem zu bewältigen. Im selben Zellentrakt befindet sich ein alter Bekannter namens Neville (Ben Mendelsohn), welcher ganz nebenbei sein lange verschollen geglaubter Vater ist.

Der Brite David Mackenzie zeigte erst vor kurzem mit „Perfect Sense“ das ganze Ausmaß einer mutigen aber auch einfallsreichen Inszenierung, mit „Mauern der Gewalt“ geht er nun gefühlt einen Schritt zurück, obwohl man ihm dafür nur bedingt verantwortlich machen kann. Für seinen neusten Film zeichnet sich vielmehr Drehbuchautor Jonathan Asser verantwortlich, welcher selber lange Zeit im Gefängnis als Aggressionstherapeut tätig war und dies als Basis dafür nahm, sein Bild eines britischen Gefängnisses mit einer entsprechenden Geschichte zu verbinden.

Mauern der GewaltWie auch immer man dazu letztendlich stehen mag sei dahingestellt, denn wenn „Mauern der Gewalt“ eines mit Sicherheit nicht ist, dann Realitätsnah. Die Wächter sind korrupt und misshandeln Häftlinge, diese wiederrum haben sich innerhalb der Gefängnismauern eine Art Kartell errichtet und ganz nebenbei laufen diese auch noch beinahe den ganzen Tag unbeaufsichtigt herum und vergnügen sich mit auf dem Gang stehenden Tischtennisplatten und anderer Annehmlichkeiten. Das dieses Luxus Gefängnis tatsächlich in dieser Form betrieben wird ist also relativ unwahrscheinlich, soll hier jedoch auch nicht weiter thematisiert werden.

Vielmehr geht es um einen gewaltbereiten Jugendlichen der als absolut kritisch angesehen werden kann, der auf alles und jeden sofort einschlägt ohne Fragen zu stellen und sich somit nicht nur Freunde, sondern vor allem Feinde macht. In „Mauern der Gewalt“ wird sich vornehmlich also geschlagen, getreten, an- und abgestochen und natürlich der Kopf im Klo versenkt, während dieses noch ordentlich gefüllt ist. Dazwischen gibt es jede Menge Kraftausdrücke, Geschrei und noch mehr Gewalt, um die Geschichte des 19-jährigen Eric entsprechend aufzubereiten.

Mauern der GewaltDie Läuterung zum besseren Menschen soll bei alledem eher am Rande verlaufen, denn im Mittelpunkt steht vielmehr ein anschwellender Vater-Sohn-Konflikt, wie wir ihn schon lange nicht mehr gesehen haben. Eric auf der einen Seite der vor allem Respekt und Akzeptanz, womöglich sogar etwas Liebe von seinem Vater verlangt, Neville auf der anderen, der vor allem die Geschäfte am laufen halten möchte. Jeder ist sich im Gefängnis selber der nächste und so macht Neville auch keinen Halt vor seinem eigenen Sohn, wenn er erkennt das dieser mit seinen Schlägereien jenen Alltag zu bedrohen gedenkt, den sie sich so hart erarbeitet haben. Das bei alledem der Gefängnisdirektor als böser Bube dargestellt wird entspricht schon beinahe einem Klischee, was jedoch Aufgrund der erzeugten Spannung durchaus zu verschmerzen ist.

Viel wichtiger erscheint bei alledem beinahe ein überzeugender Hauptdarsteller zu sein, der den Schmerz, die Aggressivität und den Hass zu verkörpern vermag, was mit der Verpflichtung von Jack O’Connell (300: Rise of an Empire) auch durchaus gelungen ist. Egal ob er sich mit den übelsten Burschen prügelt, er eine schamvolle Leibesvisitation über sich ergehen oder einfach nur den gebrochenen jungen Mann am Ende abgeben muss, er bewältigt eine jede Szene absolut souverän.

David Mackenzie ist mit „Mauern der Gewalt“ ein durchaus interessantes Gefängnisdrama gelungen, welches neben seiner brutalen Offenheit in erster Linie mit seinem Hauptdarsteller zu überzeugen vermag.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Ascot Elite

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Mauern der Gewalt

Länge: 106 min

Kategorie: Drama

Start: 28.10.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Mauern der Gewalt

Mauern der Gewalt

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 106 min
Kategorie: Drama
Start: 28.10.2014

Bewertung Film: (7/10)

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