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Lauf Junge lauf

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 6. Oktober 2014

Run Boy Run–Lauf Junge Lauf

In den letzten zehn Jahren hat sich der deutsche Regisseur Pepe Danquart ausschließlich diversen Dokumentationen gewidmet, in denen er sich Themen wie dem Bergsteigen, aber auch dem ehemaligen Politiker Joschka Fischer angenommen hatte. Mit seinem Spielfilm „Lauf Junge lauf“ kehrt Danquart nun zu seinen Wurzeln zurück, wenn er von einem kleinen jüdischen Jungen erzählt, der aus dem Warschauer Ghetto entkommen konnte und über mehrere Jahre hinweg allein ums Überleben kämpfte.

Run Boy Run–Lauf Junge LaufDer kleine achtjährige Srulik (Andrzej und Kamil Tkacz) kann im letzten Augenblick der Säuberung im Warschauer Ghetto entkommen und flüchtet in den angrenzenden Wald, wo er auf gleichgesinnte jüdische Kinder trifft, die ihre Eltern verloren haben. Diese bringen Srulik das Überleben im Wald bei, wie man stiehlt, auf Bäumen schläft und Hühner ausweidet, doch das halbwegs glückliche Zusammensein soll nicht lange andauernd. Deutsche Soldaten finden die Kinder, treiben sie auseinander, woraufhin Srulik erneut auf sich allein gestellt ist, was ihm schon bald zum Verhängnis werden soll.

Völlig entkräftet schleppt er sich schließlich mitten im Winter zu einem einsam herumstehenden Haus, wo er auf die Bäuerin Magda (Elisabeth Duda) stößt und vor dieser völlig entkräftet zusammen bricht. Entgegen erster Erwartungen liefert Magda ihn nicht an die Soldaten aus, stattdessen pflegt sie ihn und bringt ihm weitere Möglichkeiten bei, wie er allein überleben kann. Ein Teil dieser Ausbildung ist das Ablegen seines jüdischen Namens, woraufhin er sich fortan als Jurek ausgibt, einen polnischen katholischen Waisenjungen, der in erster Linie auf Mitleid baut. Die Jahre ziehen ins Land, doch neben glücklichen Monaten soll es auch immer wieder Phasen der Angst geben, wenn Soldaten plötzlich vor der Tür stehen.

Run Boy Run–Lauf Junge LaufNach rund zehn Jahren mit diversen Dokumentationen beschloss der deutsche Regisseur Pepe Danquart (Joschka und Herr Fischer) den sehr erfolgreichen Roman von Uri Olev (Die Insel in der Vogelstrasse) zu verfilmen, welcher die Leidens- und Lebensgeschichte des Juden Yoram Friedman erzählt. Besagte Adaption wurde von der Filmbewertungsstelle nicht ganz zu Unrecht mit einem „Besonders Wertvoll“ ausgezeichnet, doch wo „Lauf Junge lauf“ seine wirklich überwältigenden Momente hat, soll der Film auch Schattenseiten aufzeigen, die durchaus hätten vermieden werden können.

Wie bereits im zugrunde liegenden Roman versucht auch Pepe Danquart die Leidensgeschichte eines Jungen aufzuzeigen, der aus dem Warschauer Ghetto gerade so entkommen konnte. Dabei bedient er sich immer wieder gezielt kurzen Phasen die das schwierige Leben kennzeichnen, in denen Srulik ums Überleben kämpfen muss und an deren Ende ein leises Aufatmen des Zuschauers erfolgt, wenn der kleine Junge dem Tod erneut von der Schippe gesprungen ist. Durch diese Erzählweise wird der Spanungsbogen stets von neuem aufgebaut, doch was sich im ersten Augenblick nach losen Fragmenten anhört, bildet gegen Ende ein großes Ganzes.

Run Boy Run–Lauf Junge LaufEs ist im Grunde ein Beispiel dafür wie man sich selbst biegen und brechen muss, was man aufgibt, um letzten Endes nicht geschnappt zu werden. Bereits der Vater versucht ihm am Anfang des Filmes in sehr eindringlichen Worten zu sagen, dass Srulik seinen Namen und seine Identität vollkommen zurücklassen soll, doch das er tief im Herzen nie vergessen mag, wo er und sein Volk im Grunde doch herkommen. Durch diese intensiven Worte erfährt der Zuschauer was es heißt vollkommen alles aufzugeben, wie es ist von einem Hof zum anderen gejagt zu werden, stets darauf bedacht, den Soldaten doch noch im letzten Moment entkommen zu können. Es zeigt aber gleichwohl auch den Einfallsreichtum auf den sich die Flüchtlinge damals zunutze gemacht haben, auch wenn der eine oder andere eben diese Geschichten durchschaute und ihnen nach einem kurzen Überlegen dennoch Hilfe zukommen ließ. Genau diese Differenzierung ist es auch die in „Lauf Junge lauf“ immer wieder herausgearbeitet wird, denn befinden sich in dem vorliegenden Haus Menschen die einem freundlich gesinnt sind, oder rufen diese wiederrum die Soldaten, gab es doch ein lukratives Kopfgeld auf jeden verratenden Juden?

Neben dieser intensiven Geschichte und dem großartigen Spiel der beiden Brüder Andrzej und Kamil Tkacz, gibt es aber auch Dinge die man an diesem Film leider kritisieren muss. In erster Linie ist dies die sehr aufdringliche Filmmusik von Stéphane Moucha (Das Leben der Anderen), die über einen Großteil der Zeit hinweg absolut monoton und aufgesetzt wirkt. Hier hätte man sich wesentlich mehr Fingerspitzengefühl gewünscht, wenn es darum geht eine Leidensgeschichte mit musikalischen Mitteln zusätzlich zu unterstützen.

Pepe Danquart gelingt mit „Lauf Junge lauf“ eine sehr intensive Adaption des gleichnamigen Romans, die sich in erster Linie mit einer unglaublichen Geschichte, wunderbaren Bildern und zwei großartigen Hauptdarstellern auszeichnet. Einzig und allein die Musikuntermalung darf man hier als völlig misslungen bezeichnen.

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Lauf Junge lauf

Länge: 103 min

Kategorie: Drama

Start: 25.09.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 103 min
Kategorie: Drama
Start: 25.09.2014

Bewertung Film: (7/10)

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