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Joe – Die Rache ist sein

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 21. Oktober 2014

Joe - Die Rache ist sein

In den letzten Jahren machte Nicolas Cage in erster Linie durch seine Vielzahl an Finanzproblemen von sich reden, wodurch dieser gezwungen war jedes noch so schlechte Angebot anzunehmen. Die Folge waren diverse unterdurchschnittliche Filme, B-Movies mit denen man Cage damals nicht einmal im Ansatz in Verbindung gebracht hätte, wodurch unzählige enttäuschte Fans auf der Strecke blieben. Mit „Joe – Die Rache ist sein“ versucht Cage nun nach langer Zeit seine Rückkehr im Arthouse-Segment zu vollziehen, was neben einzelnen Kleinigkeiten auch durchaus als gelungen angesehen werden kann.

Joe - Die Rache ist seinDer unscheinbare Joe Ransom (Nicolas Cage) ist ein Ex-Sträfling der bereits einmal mit dem Gesetz in Berührung kam, was aufgrund seines Temperaments schließlich ausartete, woraufhin dieser für mehrere Jahre in den Bau musste. Völlig allein versucht Joe nun wieder auf die Beine zu kommen, was ihm irgendwo im südlichen Texas auch durchaus gelungen ist. Mit einer kleinen Gruppe von Waldarbeitern sorgt er dafür das Bäume krank werden und im Anschluss gefällt werden dürfen, doch eines Tages trifft Joe auf den 15-jährigen Gary (Tye Sheridan), der ihn um einen Job bittet. Obwohl die Arbeit mehr als nur hart ist und die Kollegen alles andere als freundlich sind, freundet Joe sich mit Gary an, wird fortan eine Art Ersatzvater und fühlt sich somit für diesen Verantwortlich, was er auch bitter böse nötig hat. Zuhause warten auf diesen nämlich eine teilnahmslose Mutter und ein Alkoholkranker Vater, welcher Gary nicht nur täglich schlägt, sondern gleichwohl dessen hart erarbeitetes Geld gegen Alkohol eintauscht.

Der US-amerikanische Regisseur, Drehbuchautor und Produzent David Gordon Green (Ananas Express) versucht bereits seit längerem den Fokus auf die Menschen zu richten, wenn er von Individuen erzählt, die ein scheinbar unmögliches Leben in einer für sie unwirklichen Welt führen. Mit „Joe – Die Rache ist sein“ geht er diesen Weg konsequent weiter, denn auch diesmal soll sein Fokus auf gleich zwei Menschen beruhen, die in den texanischen Wäldern um ihr eigenes Überleben kämpfen und dabei im Grunde doch nur in Ruhe gelassen werden wollen. Für das Drehbuch zeichnet sich diesmal aber nicht Green selber verantwortlich, sondern sein Landsmann Gary Hawkins (The Rough South of Larry Brown), welcher kurzerhand versuchte den gleichnamigen Roman von Larry Brown (Big Bad Love) entsprechend aufzubereiten, sodass dieser mit seiner Vielzahl an Nebenschauplätzen dennoch ein großes Ganzes ergibt.

Joe - Die Rache ist seinBesagte Umsetzung muss man an dieser Stelle jedoch äußerst kritisch betrachten, denn ähnlich wie im Roman weiß der Zuschauer über einen langen Zeitraum hinweg nicht wirklich, wie sich der rote Faden überhaupt herauskristallisieren soll. Wir werden mit allerhand Nebenschauplätzen konfrontiert, Story-Elementen die sich zu keiner Zeit wirklich einordnen lassen, bis sich nach rund einer halben Stunde langsam jener dramaturgische Faden bildet, welcher letzten Endes eine Art Vater-Sohn-Geschichte ergibt. Der Weg bis dorthin ist alles andere als einfach, denn in der englischen Originalversion wird der Zuschauer mit einem harten texanischen Akzent konfrontiert, in der deutschen Synchronisation mit unmöglich erscheinenden Dialogen von Waldarbeiten, bei denen man sich durchaus etwas mehr Mühe hätte geben können.

Ist man darüber jedoch erst einmal hinweg, wird man mit zwei im Mittelpunkt stehenden Figuren konfrontiert, die im Grunde das Leid der texanischen Unterschicht repräsentieren. Auf der einen Seite der robuste Waldarbeiter Joe der jederzeit sprichwörtlich kurz vorm explodieren steht und abends einzig und allein seine Ruhe haben möchte, auf der anderen der 15-jährige Knabe Gary, der bereits in so jungen Jahren allerlei Leid hat erfahren dürfen. Wie in vielen ähnlich gelagerten Geschichten freunden sich beide an, Joe fühlt sich für seinen Arbeiter verantwortlich, wodurch dieser natürlich in jene Richtung gelenkt wird, die er am liebsten gar nicht erst beschreiten wollen würde.

Joe - Die Rache ist seinDies nun als zusammenhängende Geschichte bezeichnen zu wollen täte dem Film jedoch Unrecht, denn „Joe – Die Rache ist sein“ besteht in erster Linie aus einer Vielzahl von Fragmenten, die irgendwie doch zusammen gehören. Dies alles ist spätestens ab dem zweiten Drittel recht interessant umgesetzt, doch wieder einmal verdankt David Gordon Green einen Großteil des Erfolges seinen Darstellern. Nicolas Cage (Kick-Ass) zeigt definitiv eine der stärksten Leistungen der letzten Jahre, wenn er den ständig geladenen Waldarbeiter gibt, der sich im Grunde nur um sich selber kümmern möchte und ständig kurz davor steht innerlich zu explodieren. Ähnlich stark zeigt sich aber auch der junge Tye Sheridan (The Tree of Life), welcher aufgrund seiner Mimik nicht nur den Willen vermittelt etwas verändern zu wollen, sondern gleichwohl auch die Einsatzbereitschaft, lässt er sich doch immer wieder aufs brutalste vermöbeln.

Wie in vielen Filmen zuvor setzt Green aber auch diesmal auf Laiendarsteller, wo er die Person des Alkoholkranken Vaters prompt mit dem Obdachlosen Gary Poulter besetzte, der sich quasi selbst spielte. Poulter kehrte im Anschluss der Dreharbeiten in sein altes Leben zurück, woraufhin er kurze Zeit später verstarb.

David Gordon Greens Drama „Joe – Die Rache ist sein“ besitzt ganz ohne Frage einige dramaturgische Schwächen, doch gleichen zwei großartige Hauptdarsteller diese beinahe wieder aus. Wenn man es nicht besser wüsste würde man meinen, dass Nicolas Cage nun endlich wieder zu alter Hochform zurückgefunden hat.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Koch Media

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Joe - Die Rache ist sein

Länge: 117 min

Kategorie: Drama

Start: 23.10.2014

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

Joe - Die Rache ist sein

Joe – Die Rache ist sein

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 117 min
Kategorie: Drama
Start: 23.10.2014

Bewertung Film: (6,5/10)

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