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Hide and Seek – Kein Entkommen

Geschrieben von Frank Schmidke am 21. Oktober 2014

HIDE AND SEEK-1-ctDie Aussicht, dass Fremde in den eigenen vier Wänden herumgeistern, weckt die Urängste in uns. Der koreanische Thriller „Hide and Seek – Kein Entkommen“ beruht auf wahren Begebenheiten und erzählt von eben jenen Heiminvasionen. Dabei inszeniert der Erstling von Regisseur Jung Huh sein Thema nicht als Horror, sondern als psychologischen Thriller. „Hide and Seek“ hält die Spannung zwar nicht durchgängig, kann aber mit einigen überraschenden Wendungen überzeugen.

HIDE AND SEEK-5-ctTrotz eines erfolgreichen Lebens wird Familienvater ( Hyoen-ju Son)  von Schlafstörungen und Alpträumen geplagt. Davon bekomme seine Frau Min-ji (Mi-seon Jeon) und ihrn beiden Kindern wenig mit. Doch dann scheint  Seung-soos Bruder verschwunden zu sein und der Mann macht sich auf die Suche. Die letzte Adresse des Bruders liegt in einem riesigen Appartementkomplex in einem nicht sonderlich angesehenen Stadtteil und die Nachbarn, die Seung-soo befragt, sind wenig hilfreich. Doch dann taucht ein mysteriöser Mann mit einem Motorradhelm auf, der vielleicht Licht in das Dunkel bringen kann. Gleichzeitig macht Min-ji die Bekanntschaft einer alleinerziehenden Mutter, die mit ihrer Tochter in dem Komplex wohnt, als ein Betrunkener sie in ihrem Auto bedrängt. Doch je weiter Seung-soo nachforscht, desto mehr muss er sich seinen Alpträumen stellen und seine Familie fühlt sich in der schönen Wohnung nicht mehr sicher.

HIDE AND SEEK_2-ctJung Huhs Regiedebüt, für das er auch das Drehbuch verfasste, beginnt mit einer unheimlichen Begegnung der unerfreulichen Art, eine junge Frau wird von jenem Helmträger nach Hause verfolgt. Allerdings schwenkt die Aufmerksamkeit des Thrillers nach der Eingangssequenz zunächst auf Seung-soos Familie und erst so nach und nach wird der Zusammenhang deutlich. Das ist solide konstruiert und setzt vor allem unterschwellige Ängste beim Zuschauer. „Hide and Seek“ kommt ohne Horror und mit wenigen Gewaltmomenten aus und unterscheidet sich insofern von dem koreanischen Filmschaffen, das hierzulande sonst zu sehen ist.

Die Hauptfigur Seung-soo ist sehr ambivalent angelegt und diese Charakterzeichnung macht einen großen Teil der Spannung aus, denn die Zwangsstörungen und auch das dunkle Verhältnis zu gesuchtem Bruder rücken den Familienvater in ein sehr zwielichtiges Licht – der Mann hat Geheimnisse. Gleichzeitig erzählt „Hide and Seek“ von beengten Wohnverhältnissen in Korea und auch mehr oder minder unterschwellig von organisierter Kriminalität. Denn an vielen der Wohnungen in dem Komplex, den Seung-soo als letzten Wohnort seines Bruders ausgemacht hat, sind kaum merkbare Markierungen angebracht, die Einbrechern Aufschlüsse über die Bewohner  geben.

HIDE AND SEEK_3-ctSolche Einbruchsbanden sind kein ausschließlich koreanisches Phänomen und so kann man sich als Zuschauer leicht auf den Psychothriller einlassen. Dabei weist das Drehbuch allerdings einige Macken auf und kann nicht durchgehend überzeugen. Die Besetzung ist allerdings durchaus sehenswert und die Auflösung, die an dieser Stelle nicht verraten wird,  vermag zu überraschen. Psychologisch überzeugt „Hide and Seek“ und kommt ohne große Action aus, was wohl auch dem eher geringen Budget geschuldet ist, das man dem Film ansonsten aber nicht ansieht. Anders als beispielsweise „Trespas“, der Horrorstreifen „The Strangers“ oder auch Klassiker wie „Kap der Angst“ und „Wer Gewalt sät“ spielt „Hide and Seek“ lange damit, dass weder die Täter- noch die Opferperspektive eingenommen wird. Das ist durchaus reizvoll.

Als Bonus gibt es noch ein etwa halbstündiges „Making of“, das sich wie die meisten asiatischen „Behind the Scenes“-Featurettes vor allem mit höflichen Interviews und weniger mit dem Aufzeigen und Dokumentieren der Dreharbeiten befasst. Das Making of ist nur mit Untertiteln verfügbar, bei welcher Gelegenheit auffällt, dass diese von einem schwarzen Hintergrund begrenzt werden. Das ist auch während des Films der Fall, und schmälert den Genuss von „Hide and Seek“ in der Originalversion erheblich. Die deutsche Synchronisierung ist allerdings gelungen.

Der koreanische Psychothriller „Hide and Seek“ kann nicht durchgehend überzeugen, zeichnet sich aber durch subtiles Spiel mit den realistischen Ängsten aus. Hartgesottene Thrillerfans werden die mangelnde Action bemängeln, aber gerade die Psychologisierung der Charaktere macht den Film aus.

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Länge: 107 Minuten

Kategorie: Thriller

Start: 26.09.2014

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Hide and Seek – Kein Entkommen

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 107 Minuten
Kategorie: Thriller
Start: 26.09.2014

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