cinetastic.de - Living in the Cinema

Feuerwerk am helllichten Tage

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 28. Oktober 2014

Feuerwerk_05-weltkino-ct

Über viele Jahre hinweg war das asiatische Kino in der europäischen Kinolandschaft kaum vertreten, was weniger an der entsprechenden Qualität der Filme lag, als vielmehr dem Mut der Verleiher für diese ein Publikum zu finden. Festivals wie die Berlinale, Cannes oder auch Venedig bilden dabei zum Glück die Ausnahme, wo in steter Regelmäßigkeit ungewöhnliche filmische Ergüsse zu bewundern sind, die sich mit den Problemen und Wünschens Asiens auseinandersetzen. Yi’nan Diaos „Feuerwerk am helllichten Tage“ gewann in diesem Jahr den Goldenen Bären, erreichte unglaubliche Einspielergebnisse in China und ist nun auch auf DVD erhältlich.

Feuerwerk_04--weltkino-ctChina im Jahre 1999: In einer nordchinesischen Provinz werden an verschiedenen Orten Leichtenteile gefunden. Der Teil eines Körpers wird mitten in einer Kohlemine entdeckt, in einem Restaurant schwimmt ein Auge in der Suppe und schnell sind die Fälle auch in den Medien vertreten, woraufhin die Polizei unter Zugzwang gerät. Eine Hand voller Polizisten kann schließlich den Täter stellen, doch in einer anschließenden Schießerei sterben zwei der Gesetzeshüter, wobei der dritte schwer verletzt überlebt. Zhang Zili (Fan Liao) ist diese besagte dritte Person, die Aufgrund traumatischer Erlebnisse und schwerer Fehler schließlich aus dem Polizeidienst entlassen wird. Sein neuer Job ist der eines Sicherheitsbeamten in einer Fabrik, doch neben privaten Problemen soll auch der Alkohol eine wichtige Rolle in dessen Leben fortan spielen. Als fünf Jahre später erneut Leichenteile gefunden werden die einem ähnlichen Muster wie dem damaligen entsprechen, wird Zhang hellhörig, woraufhin er zusammen mit einem alten Kollegen beginnt privat zu ermitteln. Die Spur führt schließlich zur geheimnisvollen Wu Zhizhen (Lun-mei Gwei), welche mit allen Opfern in engen Kontakt stand.

Als „Feuerwerk am helllichten Tage“ im Februar dieses Jahres den Goldenen Bären für den besten Film auf der Berlinale gewann, waren Besucher wie auch Kritiker recht unterschiedlicher Meinung. Die einen waren von dem düsteren Neo-Noir-Thriller im modernen China durchaus angetan, ganz andere wiederrum sahen in der Preisverleihung eher eine symbolische Geste, dass es einfach an der Zeit war einem asiatischen Filmemacher diese begehrte Trophäe zu überreichen. Zu welcher Fraktion man auch immer gehörte, es gab zweifelsohne Filme die es ebenso verdient gehabt hätten, andererseits zeigte Yi’nan Diao (Das Badehaus) aber auch Möglichkeiten auf, wie man eindrucksvoll mit Elementen spielen kann, um einen anspruchsvollen Film zu konzipieren.

Feuerwerk_03_-weltkino-ctGanz im Stile alter Noir Filme versucht Yi’nan Diao eine recht einfache Kriminalgeschichte zu erzählen, die dem üblichen Muster folgt. Auf der einen Seite haben wir den bekannten Antihelden der raucht, trinkt und eine Ehe in den Sand gesetzt hat, auf der anderen die unscheinbare und mysteriöse Femme Fatal, die entgegen US-amerikanischer Vorbilder alles andere, nur eben nicht dominant ist. Die Geschichte selbst ist bei einer Laufzeit von über zwei Stunden recht vorhersehbar angelegt, wer mit dem Genre vertraut ist wird auf das Ende schon recht früh kommen, was inhaltlich aber auch nicht unbedingt ein Problem darstellen soll.

Worum es Yi’nan Diao am ehesten geht ist das Spiel mit Elementen und Farben, denn wo wir in einzelnen Szenen mit scheinbar völlig sinnlosen Dingen wie beispielsweise einem Pferd auf dem Flur konfrontiert werden, nutzt er in seiner dunklen Inszenierung die Möglichkeit der Farben, um bestimmte Dinge unterschwellig heraus zu arbeiten. Rot steht für die Liebe und für den Tod, mit Grün versucht er die emotionale Distanz abzubilden, die aus den unterschiedlichsten Figuren heraus erwächst. Dies alles hätte man nun in ein visuelles Gerüst der 20er und 30er Jahre verpacken können, doch auch hier wählt Diao einen sehr mutigen Weg. Er siedelt seine Geschichte im hier und jetzt an, lässt diese in den kalten Wintermonaten in einem heruntergewirtschafteten Arbeiterviertel spielen und zeigt so indirekt die Probleme auf, mit denen sich die chinesische Arbeiterklasse konfrontiert sieht. Ausweglosigkeit, Armut und vor allem emotionale Distanz prägen das Bild, welches heute vermittelt wird.

Feuerwerk_02-weltkino-ctBesagtes Bild ist ganzheitlich sehr dunkel gehalten. Dunkle Gassen, schwarze Kohle, dazu immer wieder ein aufdringliches Neonlicht, während alles im direkten Kontrast zum weißen Winter steht. Wie auch schon in „Night Train“ nutzt Yi’nan Diao die Kraft des visuellen um Spannung und Angst zu erzeugen, wodurch eine Atmosphäre entsteht, die beinahe gänzlich ohne die explizite Darstellung von Gewalt auskommt.

Natürlich wäre dies alles nicht ohne zwei Hauptdarsteller gelungen, welche ungemein viel in ihre jeweilige Rolle investiert haben. Lun-mei Gwei (Bu neng shuo de. mi mi) überrascht insbesondere mit ihrem emotionslosen und sehr zurückgezogenen Spiel, scheint sie doch keinerlei Menschen an sich heran zu lassen. Liebhaber werden dezent auf Distanz gehalten, ihrem Chef in der Reinigung würdigt sie kaum eines Blickes, wodurch jene unscheinbare Filmfigur entsteht, der man alles, gleichwohl aber auch nichts zutraut. Gänzlich anders baut Fan Liao (Armour of God – Chinese Zodiac) die Figur des Zhang auf, welcher sich bereits in einer Spirale befindet, die kaum noch näher an den Abgrund heranreichen könnte. Der Fall ist seine Chance sich zu rehabilitieren, seine Chance es sich noch einmal selber zu beweisen, dass neben Hoffnungslosigkeit und Alkohol noch andere Dinge ein Platz in seinem Leben haben können.

„Feuerwerk am helllichten Tage“ ist ein dunkler Noir-Thriller in modernem Gewand, der vor allem auf visueller und erzählerischer Ebene Akzente setzen kann. Für Fans dieses Genres mag die Auflösung eventuell zu einfach erscheinen, was angesichts zweier groß aufspielender Hauptdarsteller jedoch zu verschmerzen ist.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Weltkino

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Feuerwerk am helllichten Tage

Länge: 106 min

Kategorie: Crime, Drama, Mystery

Start: 06.11.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (4/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Feuerwerk am helllichten Tage

Feuerwerk am helllichten Tage

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 106 min
Kategorie: Crime, Drama, Mystery
Start: 06.11.2014

Bewertung Film: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (4/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten