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Labor Day

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 22. September 2014

Labor Day

Der Kanadier Jason Reitman hatte als Sohn von Ivan Reitman ein paar Schuhe vor sich in die er erst einmal hineinwachsen musste, doch woran ganz andere scheitern, meisterte er mit Bravour. Es entstanden wunderbare Filme wie „Thank You For Smoking“, „Juno“, „Up In The Air“ und „Young Adult“, woraufhin Reitman einen Richtungswechsel einschlagen musste, bevor er sich in diesem seichten Genre vollends verrennt. Mit „Labor Day“ widmet er sich nun dem Frauenroman von Joyce Maynard, welcher selber in recht schwülsten Tönen daherkommt und dennoch ganz wunderbar von Reitman adaptiert wurde.

Labor DayNew Hampshire im Jahre 1987: Der 13-jährige Henry (Gattlin Griffith) hat es beim besten Willen nicht leicht, denn während er seinen Vater (Clark Gregg) nur ab und an am Wochenende sieht, muss er sich die restliche Zeit um seine depressive Mutter Adele (Kate Winslet) kümmern, die sich nur einen Tag im Monat überhaupt aus dem Hause wagt. Eines Tages ist genau dieser Tag gekommen und beide fahren mit dem Wagen in die Stadt um Essen zu kaufen, da stoßen sie in einem Supermarkt auf den entflohenen Sträfling Frank (Josh Brolin), welcher als verurteilter Mörder kurzerhand einen Krankenhausaufenthalt für eine Flucht genutzt hat. Frank bittet die beiden ihn für nur eine Nacht in deren Haus zu verstecken, doch während sich Adele um seine Wunden kümmert, entsteht eine eigenartige Romanze zwischen den beiden. Frank beginnt plötzlich im Haushalt zu helfen, Arbeiten am Wagen zu erledigen und sich ganz nebenbei um Henry zu kümmern, der zum ersten Mal in seinem Leben einen Ersatzvater haben könnte. Während die drei sich als richtige kleine Familie sehen, ist die Polizei Frank dennoch bereits auf den Fersen.

Blickt man auf die letzten Filme von Jason Reitman zurück, so konnte dieser in „Thank You For Smoking“ in erster Linie mit einer gehörigen Portion Zynismus überraschen, in „Juno“ überwog die Coming-of-Age Thematik, während man in „Young Adult“ durchaus den Sarkasmus mit der Bratpfanne verabreicht bekommen hat. Genau deswegen überrascht es ein wenig das sich Reitman nun einem so seichten Thema wie „Labor Day“ widmet, welcher auf dem Roman „Der Duft des Sommers“ von Autorin Joyce Maynard basiert und wohl am ehesten in die Kategorie eines vor Kitsch triefenden Groschenromans einzuordnen ist.

Labor DayTrotz eben dieser Vorurteile versteht es Jason Reitman das Beste aus diesem Stoff zu machen, wenn er aus der Perspektive des 13-jährigen Henry heraus eine Geschichte beginnt zu erzählen, die sich an einem einzigen Wochenende abgespielt hat. Auf der einen Seite der entflohene Sträfling Frank, auf der anderen die depressive Adele, die durch ihn aus ihrer Lethargie geweckt wird, muss sie doch ihren Sohn beschützen. Der Zuschauer erfährt in losen Rückblenden Einzelheiten aus dem Leben beider, die anfangs noch recht undeutlich sind, sich jedoch gegen Ende hin zu einem logischen Ganzen zusammenfügen sollen.

Bei alledem ist jedoch die romantische Geschichte zwischen Frank und Adele beinahe nebensächlich, denn in „Labor Day“ gewinnt einzig und allein die Schönheit des Augenblicks die Oberhand. Kameramann Eric Steelberg (Juno) zeigt uns das malerische Massachusetts in seiner Vollendung, jede Szene scheint einzig und allein für nur eine einzige Einstellung entworfen zu sein, während sich das nahezu perfekte Set-Design dort nahtlos mit einreiht. Visuell könnte man „Labor Day“ dahingehend durchaus perfekt nennen, doch genau diese optische Augenweide wird zuweilen immer wieder von eben jenen Klischees unterbrochen, welche die eingangs erwähnten Groschenromane auszeichnen. Dialoge so schwer und unwirklich wie sie nur im Film vorkommen können, das Backen eines Kuchens artet zuweilen zum Softporno aus, wodurch der Grat zu Schmonzetten wie Rosamunde Pilcher gefährlich nahe ist.

Labor DayZum Glück haben wir auf der anderen Seite zwei Hauptdarsteller die gegen eben diese Vorurteile mit aller Macht anzukämpfen versuchen und denen man das Liebespaar in absoluter jeder Minute abkaufen möchte. Kate Winslet (Titanic) gibt die depressive Mutter die ein lange zurück liegendes Ereignis noch immer nicht verkraftet hat und durch die plötzliche Bedrohung aus ihrer Lethargie geweckt wird, während Josh Brolin (No Country For Old Men) den gutaussehenden Sträfling gibt, der mit seinen Eigenschaften als Gutmensch wohl in absolut jeder Situation als nahezu perfekter Schwiegersohn durchgehen würde. Was bleibt ist die Darbietung des kleinen Gattlin Griffith (Der fremde Sohn), der den hin und hergerissenen Sohn versucht darzustellen, der auf der einen Seite zum ersten Mal in seinem Leben eine echte Vaterfigur erfährt, auf der anderen Seite aber auch mit dem drohenden Verlust einer ersten großen Liebe konfrontiert wird.

Mit „Labor Day“ versucht sich Ivan Reitman an einer sehr seichten Inszenierung des Romans von Joyce Maynard, was zum großen Teil auch als durchaus gelungen angesehen werden darf. Visuell nahezu perfekt, zwei großartige Hauptdarsteller und ein Ende, was vor Schmalz nur so trieft. Kenner des Buches werden auf ihre Kosten kommen.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Paramount Home Entertainment

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Labor Day

Länge: 111 min

Kategorie: Drama

Start: 18.09.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Start: 18.09.2014

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