cinetastic.de - Living in the Cinema

Und morgen Mittag bin ich tot

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 17. August 2014

Und morgen Mittag bin ich tot

Lässt man die letzten Kinojahre mit deutschen Produktionen in einer ruhigen Minute einmal Revue passieren, so könnte man beinahe glauben, dass es nur zwei Arten an Filmen gibt. Zum einen sind dies umsatzstarke und nur wenig fordernde Komödien, zum anderen bleischwere Dramen, die sich zumeist mit einer ausweglosen Situation beschäftigen. Das Debüt von Regisseur Frederik Steiner gehört ganz ohne Frage zu letzterem Themenkomplex, beschäftigt sich sein Film „Und morgen Mittag bin ich tot“ doch mit einem todkranken jungen Mädchen, dass beschließt ihrem Leben ein Ende zu machen.

Und morgen Mittag bin ich totWo andere junge Menschen bereits fest im Leben stehen, benötigt die 22-jährige Lea (Liv Lisa Fries) noch immer Hilfe von ihrer Familie, denn Lea leidet seit frühster Kindheit an der unheilbaren Krankheit Mukoviszidose. Genau wie bei ihrem Bruder verschlechtert sich die Krankheit von Jahr zu Jahr, doch wo dieser eine helfende Lungentransplantation in Erwägung zog und daran starb, lässt Lea die Chance verstreichen. Stattdessen fährt sie nach Zürich um ihrem Leben mit fremder Hilfe einem Ende zu setzen, einzig ihre Oma Maria (Kerstin De Ahna) hat Lea vorab eingeweiht. In Zürich angekommen bringt sie den routinemäßigen Besuch beim Arzt hinter sich, die Vorbereitungen sind getroffen, doch kann sie wirklich allein aus dem Leben treten? Mit einem Anruf lässt sie ihre ahnungslose Mutter Hannah (Lena Stolze) und ihre Schwester Rita (Sophie Rogall) nach Zürich nachkommen, erklärt diesen die Situation und wünscht sich nichts sehnlicher als noch einmal zusammen Geburtstag zu feiern, um anschließend den tödlichen Cocktail im Beisein der Familie zu sich zu nehmen.

Sterbehilfe ist nach wie vor ein Thema dem die Politik am liebsten aus dem Wege gehen würde, denn wo in anderen Ländern der Freitod erlaubt oder zumindest geduldet wird, zählt Sterbehilfe hier noch immer zu den strafbaren Verbrechen. Regisseur Frederik Steiner (Die Todeswelle – Eine Stadt in Angst) liegt es in seinem Debüt aber gar nicht daran dieses Thema erneut anzusprechen, er möchte auch gar keine Lösung darbieten, er möchte vielmehr jeden Schritt für den Zuschauer greifbar machen, wenn es heißt einfach nicht mehr weiter leben zu wollen. Für das Drehbuch dieses bleischweren Dramas zeichnet sich Barbara Te Kock verantwortlich, die hier ebenfalls ihr Erstlingswerk dem Zuschauer präsentiert.

Und morgen Mittag bin ich tot„Irgendwer hat einmal gesagt Glück ist nur eine Frage der richtigen Perspektive“, Worte die lebensbejahender nicht sein könnten, doch was sich dahinter verbirgt ist die traurige Gewissheit dem Leben schon bald freiwillig ein Ende zu bereiten. Mit einem Sauerstoffgerät auf dem Rücken quält sich Lea die Stufen hoch, schaut sie jemand verwundert an, hat sie immer einen passenden Spruch auf den Lippen. Der Grenzpolizist fragt sie wo sie denn hin möchte, natürlich zum Bergsteigen, als kleine Aufwärmung für noch gefährlichere Sportarten. Mit diesem Zynismus gelingt Regisseur Frederik Steiner ein spielendleichter Einstieg in die doch sehr schwere Problematik des Freitods, doch wer denkt hier würde es sich um einen Film handeln bei dem letzten Endes doch noch alles gut ausgeht, der sei getäuscht.

Mit dem Eintreffen der Familien kommen die ersten Probleme auf, denn obwohl ein jeder Lea auf keinen Fall verlieren möchte, sind die Beweggründe doch recht unterschiedlicher Natur. Ihre Schwester Rita kann den Entschluss nicht verstehen aber akzeptiert diesen dennoch, Oma Maria hat sogar den Transport nach Zürich organisiert und kann sich wohl am besten in Leas Situation hineinversetzen, während Mutter Hannah ein ums andere Mal auf jene Chancen aufmerksam macht, die Lea doch in ihrem Leben noch verbleiben. Wieso nicht die Transplantation abwarten, wieso nicht eine neue Therapie ausprobieren, wieso nur will ihre Tochter an diesem Punkt aufgeben, wenn es doch noch Möglichkeiten gibt das eigene Leben zu verlängern? Vor ganz ähnlichen Problemen scheint ein gleichaltriger Junge zu stehen mit dem Lea sich anfreundet, der einen ähnlich schwarzen Humor besitzt und ebenso in Zürich ist, um die Erlaubnis für den Freitod zu erhalten. Ihm wurde diese Erlaubnis jedoch versagt, leidet er doch nur an einer größeren psychischen Störung, sah er im Alter von Zehn Jahren doch seine Mutter mit aufgeschnittenen Pulsadern im Bad.

Und morgen Mittag bin ich totMit dieser Grundstimmung zieht sich „Und morgen Mittag bin ich tot“ beinahe quälend anderthalb Stunden in die Länge, doch quälend ist hier nicht etwa gleichbedeutend mit dem Begriff langweilig, sondern vielmehr mit den verschiedensten Stufen bis hin zum Tod. Es kommen ein ums andere Mal Szenen in denen der Zuschauer glauben möchte das alles doch noch gut ausgeht, doch nach der Freundschaft zu Moritz (Max Hegewald) oder dem liebevollen Kuss mit ihrem Ex-Freund kommt ein jedes Mal der Schlag in den Magen, der den Zuschauer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück holt. Das schwere Atmen, die quälenden Hustenanfälle bei Nacht, dass sehr lang hinausgezögerte Ende des Films, welches den Zuschauer sprachlos und mit einer Träne in den Augen zurück lassen wird.

Bei alledem fällt weniger das Drehbuch ins Gewicht das ein ums andere Mal nicht ganz perfekt ausformuliert wurde, sondern vor allem das einmalige Spiel der Nachwuchsdarstellerin Liv Lisa Fries (Staudamm), die hier eine wirklich beeindruckende Performance hat abliefern können. Jedes Schnaufen lässt sie den Zuschauer spüren, jeder Hustenanfall schnürt die Luftröhre zu, die Entscheidung ihrem Leben ein Ende zu setzen, stets nachvollziehbar. Wie würde man selbst in einer solchen Situation entscheiden, wie würde man mit einer solchen Lage umgehen, als Patient wie auch als Familienmitglied?

Mit „Und morgen Mittag bin ich tot“ ist Frederik Steiner ein sehenswertes Spielfilmdebüt gelungen, welches den Zuschauer so schnell nicht mehr loslassen wird. Man kann nur hoffen das dieser Film die endlose Diskussion über Sterbehilfe erneut anfachen wird, sodass die Politik den Betroffenen endlich eine zufriedenstellende Lösung unterbreitet.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Universum, Jacqueline Krause-Burberg, Peter Heilrath, Julienne Pascale Karzig

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Und morgen Mittag bin ich tot

Länge: 103 min

Kategorie: Drama

Start: 15.08.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (1/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Und morgen Mittag bin ich tot

Und morgen Mittag bin ich tot

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 103 min
Kategorie: Drama
Start: 15.08.2014

Bewertung Film: (7,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (1/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten