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Roland Klick: Filme

Geschrieben von Frank Schmidke am 16. August 2014

roland-klick-2013-still-2-filmgalerie-451-ctIm Juli ist der deutsche Filmmacher Roland Klick 75. Jahre alt geworden. Ein willkommener Anlass einen Großteil seiner Filme neu aufzulegen, zusammen mit einer sehenswerten Doku über den Regisseur „The Heart is a Hungry Hunter“, die auch als Einzeltitel erschienen ist.  Die Filmgalerie 451 hat  eine schöne DVD-Box mit Klicks Filmen veröffentlicht. Seit mehr als 20 Jahren hat  Roland Klick keine Filme mehr gemacht hat, die meisten seiner Filme haben (zu Recht) Kultstatus und / oder sind ein wesentlicher Beitrag zum deutschen Film.Seinerzeit haben das allerdings wenige seiner Kollegen und Kritiker so wahrgenommen. Für Filmfans gibt es hier viel  zu entdecken beziehungsweise wiederzuentdecken.

charly-wierzejewski-und-eva-mattes-in-supermarkt-1973-filmgalerie-451-ctIm vergangenen Jahr präsentierte die Dokumentarfilmerin Sandra Prechtel auf der Berlinale eine Doku über den deutschen Filmmacher Roland Klick, der von Beginn der 1960er Jahre bis Anfang der 1990er Jahre sechs Spielfilme, eine preisgekrönte Doku („Derby Fieber“) und einige beachtliche Kurzfilme gedreht hatte. Mit seinen Langfilmen hatte Klick allerdings von Anfang an Probleme. „Jimmy Orpheus“, 1966 erschienen, sollte eigentlich das Langfilmdebüt werden, aber die Filmfirma ging Pleite und so montierte Klick aus dem Material einen rund 50minütigen großstädtischen Bilderrausch.

Zwei Jahre später verwirrte „Bübchen“ die Gemüter und erhielt neben einem Bundesfilmpreis auch viel Ablehnung aufgrund seines Themas, das ein Kind sein jüngeres Geschwister tötet. Mit „Deadlock“ gelang Klick ein schillernder Italowestern, der eigentlich als deutscher Beitrag bei den Filmfestspielen in Cannes laufen sollte. Stattdessen tummelte sich 1970 Peter Lilienthals Biopic „Malatesta“ auf dem Wettbewerb, nachdem die filmenden deutschen Kollegen  befanden, dass „Deadlock“ das nationale Filmschaffen nicht repräsentieren könne.

ludwig-von-roland-klick-mit-otto-sander-1964-copyright-filmgalerie-451-ctAngeeckt ist Roland Klick mit seinen Filmen und seiner Art zu filmen immer wieder bei den Filmschaffenden, der Kritik oder auch beim Publikum und auch seinen Projekt „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ mit Bernd Eichinger endete in einem Zerwürfnis der beiden Filmwahnsinnigen. Der anschließende „White Star“ mit Dennis Hopper floppte total und wurde von internationalen Verleih auch noch nachträglich bearbeitet. Als dann die Filmförderung bei Klicks letzter überdrehter Tragikomödie  „Schluckauf“ nach Sichtung ihr Geld zurückforderte, hatte der Filmmacher die Nase voll und zog sich aus dem Filmgeschäft zurück.

mario-adorf-in-deadlock-1970-filmgalerie-451-ctJetzt kann sich der Filminteressiete selbst ein umfassendes Bild von Roland Klicks Filmschaffen machen. Zwar fehlen in der Box das Spielfilmdebüt „Bübchen“, Die Simmel-Verfilmung „Lieb Vaterland magst ruhig sein“ und die Pferderenn-Doku  „Derby-Fieber“ aus lizenzrechtlichen Gründen, aber die kultigen „Deadlock“, Supermarkt“ und „White Star“ liegen in remasterter Form vor und strahlen auch heute noch in fiebriger Lebendigkeit. Außerdem sind neben den eigenwilligen „Schluckauf“ noch die Kurzfilme komplett in der Box versammelt. Allerdings muss man sagen, dass der Zahn der Zeit an letzten genagt hat, gerade was die Tonqualität angeht. Außerdem sind als Bonusmaterial sehr informative Audiokommentare des Regisseurs zu den Filmen, sowie diverse Interviews und Portraits enthalten. Abgerundet wird die lohnenswerte Film-Box von einem Booklet mit zeitgenössischen Reaktionen, Kritiken und einer ausführlichen Filmografie.

mario-adorf-und-roland-klick-bei-den-dreharbeiten-zu-deadlock-1970-filmgalerie-451-ctImmer wieder sind Klicks Protagonisten Außenseiter, Gestrandete am Rand der Gesellschaft, Antihelden und große einsame Wölfe. Wenn man so will kann man Klick als den ersten richtigen  deutschen Action-Filmer ansehen, der in seiner Bereitschaft Genrefilme zu machen seiner Zeit deutlich voraus war. „Deadlock“ und „Supermarkt“ sind auch heute noch großartige Filme.
Wenn ausgerechnet Alejandro Jodorowski, der große surrealistische Visionär und Regisseur von „El Topo“ , ebenfalls ein oft unverstandener Filmmacher, „Deadlock“ als „phantastisch“, als „bizarren, glühenden Film“ lobt, sagt das zugleich einiges über die Kraft des Film aus und über die Kompromisslosigkeit des Filmmachers Roland Klick.

Mit „Roland Klick: Filme“ ist der Filmgalerie 451 eine liebevolle Werkschau eines wichtigen und leider häufig unterbewerteten deutschen Regisseurs gelungen, der vielen noch unbekannt sein dürfte. Klicks Bildsprache, der Umgang mit Musik  und auch seine auf die Darsteller zugeschnittenen Drehbücher und Dialoge sind nicht nur im deutschen Film ziemlich einzigartig. In der Box  wie auch in der einzeln erschienenen Doku „Roland Klick: The Heart is a Hungry Hunter“ kann man entdecken und erfahren, was für eine überwältigende und aufwühlende Erfahrung Film sein kann. Hut ab!

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Wir vergeben daher 9 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Filmgalerie 451

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Länge: 540 Minuten

Kategorie: Drama, Action, Short, Documentary, Western

Start: 10.07.2014

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Roland Klick: Filme

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 540 Minuten
Kategorie: Drama, Action, Short, Documentary, Western
Start: 10.07.2014

Bewertung Film: (9/10)

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