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Mandela: Der lange Weg zur Freiheit

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 31. August 2014

Mandela: Der lange Weg zur Freiheit

Im Kampf gegen die Apartheit haben eine Unmenge an Menschen ihr Leben verloren, zwei wirklich große Namen sind dabei jedoch im Gedächtnis verblieben. Zum einen hat der 1968 verstorbene Martin Luther King einen ungemein großen Anteil an den Rechten der Afroamerikaner, zum anderen hat aber auch Nelson Mandela seinen Teil dazu beigetragen, der ganze 27 Jahre im Gefängnis saß und am 5. Dezember 2013 im Alter von 95 Jahren verstarb.

Mandela: Der lange Weg zur FreiheitBereits in jungen Jahren erwacht das politische Interesse von Nelson Mandela (Idris Elba), der nach seinem Jurastudium überwiegend schwarze Mitbürger versucht vor Gericht zu vertreten. Nelson erarbeitet sich einen Namen als Freund der Unterschicht, doch einem ersten Interesse der ANC (African National Congress) steht dieser eher ablehnend gegenüber. Erst als ein Freund von ihm nach einer Party während einer Polizeigewahrsam von diesen erschlagen wird beginnt ein Umdenken, woraufhin er sich 1944 der ANC anschließt und schon bald in den Untergrund gehen muss. Im Jahre 1964 wird Mandela schließlich als Staatsfeind Nummer 1 aufgrund zahlreicher organisierter Terroranschläge zusammen mit einigen anderen ANC Mitgliedern zu lebenslanger Haft auf der Gefängnisinsel Robben Island verurteilt, wo er sich den Erniedrigungen und den strikten Regeln der Gefängniswärter ausgesetzt sah. 27 Jahre lang soll er schließlich dort verbleiben, bis er in die Freiheit entlassen wird.

Es ist immer schwer das komplette Leben einer einflussreichen Person auf der großen Leinwand zu verewigen, weshalb sich die meisten dazu berufen sehen, sich überwiegend auf einen Teilaspekt zu konzentrieren. Produzent Anant Singh (I Capture the Castle) und Regisseur Justin Chadwick (Die Schwester der Königin) versuchten es dennoch und nahmen als Basis die im Jahre 1994 erschienene Autobiografie Mandelas, die nicht weniger als 700 Seiten umfasste. Besagte Biografie wurde studiert, es wurde eine Drehbuchfassung nach der anderen entworfen, bis schließlich 16 Jahre und 34 Drehbuchfassungen später ein Entwurf vor ihnen lag, der ihrer Meinung nach das wichtigste über diesen berühmten Mann abdeckte.

Mandela: Der lange Weg zur FreiheitBesagtes Drehbuch wurde schließlich auf die große Leinwand gebracht, was in Form von rund zweieinhalb Stunden Film beinahe gering ausgefallen ist, versucht man sich in etwa vorzustellen, was alles in der 700-seitigen Autobiografie niedergeschrieben wurde. Dahingehend muss man leider auch feststellen das rein inhaltlich vieles absolut oberflächlich abgehandelt wurde, denn Justin Chadwick fliegt nahezu durch die verschiedenen Jahrzehnte, um die wichtigsten Aspekte im Schnelldurchlauf abzuhandeln. Wir sehen ein wenig aus der Jugend, erfahren einzelne Details aus seiner ersten Ehe und den Ablauf des späteren Freiheitskampfes, was allerdings stets nur an wenigen Beispielen wiedergegeben wird.

Genau dies muss man dem Werk letzten Endes auch ankreiden, denn obwohl ganz offensichtlich ungemein viel Arbeit investiert wurde, wird es dem großen Mann nicht einmal im Ansatz gerecht. Hier wäre man definitiv besser gefahren sich auf einen Teilaspekt zu konzentrieren, bei dem man sich entweder auf jene Zeit vor seinem Gefängnisaufenthalt festgelegt hätte oder aber gleich ein Mamut Werk angegangen wäre, das man durchaus als Mehrteiler fürs Fernsehen hätte aufbereiten können. Daraus ergibt sich insbesondere ein strukturelles Problem, denn die einzelnen Episoden wirken zuweilen alles andere als Homogen, was man recht deutlich in der zum Teil recht abgehakten Erzählweise wiedererkennen kann.

Mandela: Der lange Weg zur FreiheitEin weiteres alles andere als positives Detail ist, dass man „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ bestenfalls als Hommage verstehen kann, keinesfalls jedoch als kritische Auseinandersetzung mit dessen Leben und dem Kampf gegen die Apartheit. Im Grunde werden nur die positiven Dinge dargestellt, negatives wie seine unzähligen Liebschaften oder die unzähligen Tote während seiner radikalen Phase wird nur sehr wenig Beachtung geschenkt. Umso verwunderlicher wirkt dahingehend die nicht ganz schlüssige Veränderung während seines 27-jährigen Gefängnisaufenthaltes, wo er eine innige Freundschaft zu seinem Gefängniswärter aufgebaut hat und somit ein tieferes Verständnis für ein friedliches Miteinander erlangte.

So halbgar „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ auf der rein inhaltlichen Ebene ist, so imposant ist dieser auf der visuellen ausgefallen. Mit einem Budget von rund 35 Mio. Dollar ist es eine der teuersten afrikanischen Produktionen überhaupt geworden, was man in absolut jeder Minute auch deutlich sehen kann. Egal ob es die Townships in Johannesburg sind, die Gefängnisinsel oder die imposanten Gerichtsverhandlungen, es wurden kaum Mühen gescheut. Damit einher geht auch die Verpflichtung von Hauptdarsteller Idris Elba (Prometheus – Dunkle Zeichen), der die Person des Nelson Mandela wie kein zweiter verkörpert und als absoluter Glücksgriff zu bezeichnen ist. Eine ungemein intensive Darbietung, absolut überzeugend, weswegen man sich „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ insbesondere im englischen Original ansehen sollte, kommt dort seine kraftvolle Stimme doch weitaus besser zur Geltung, als es die deutsche Synchronisation vermag.

Das Biopic „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ muss man leider recht zwiespältig betrachten, denn wo es auf der einen Seite ein durchaus unterhaltsamer Film ist, muss man auf der anderen diverse strukturelle Probleme anmerken, was nicht nur hinsichtlich der historischen Aufarbeitung ärgerlich ist. Mit einem festen Zeitabschnitt aus dem Leben Mandelas wäre man hier wesentlich besser gefahren.

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Mandela: Der lange Weg zur Freiheit

Länge: 141 min

Kategorie: Biographym Drama, History

Start: 05.09.2014

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Mandela: Der lange Weg zur Freiheit

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 141 min
Kategorie: Biographym Drama, History
Start: 05.09.2014

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