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Lucy

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 29. Juli 2014

Lucy

Erst vor kurzem ging ein gewaltiges Medienecho durch die Kinolandschaft, als sich der Senator Filmverleih trotz überwiegend guter Festivalkritiken dazu entschloss den Science Fiction Film „Under the Skin – Tödliche Verführung“ nur für das Home Entertainment auszuwerten, sah man doch in diesem Genre nicht genug Potential, um entsprechende finanzielle Mittel für eine Kinoauswertung bereit zu stellen. Mit „Lucy“ kommt nun der nächste Science Fiction Film in kurzer Zeit in dem Scarlett Johansson die Hauptrolle innehat, doch wo man dem ersteren nur wenig Beachtung zukommen ließ, steht hier der Name Luc Besson bereits für sich, der einmal mehr einen ungewöhnlichen Genre Mix dem Zuschauer präsentiert.

LucyDie US-Amerikanerin Lucy (Scarlett Jonhansson) geht in der chinesischen Hauptstadt Taipeh ihrem Studium nach, doch anstatt zu lernen, findet sie sich eines Morgens nach einer durchzechten Nacht mit ihrem neuen Freund Richard (Pilou Asbæk) vor einem Bürogebäude wieder. Richard muss nur schnell einen Aktenkoffer abgeben, Lucy soll ihn dabei begleiten. Als diese verneint wird besagter Koffer kurzerhand mit Handschellen an ihrem Arm befestigt, Ziel ist nun der unbekannte Gangster Mr. Jang (Min-sik Choi), der sich weiter oben im Gebäude bereits einiger Partner entledigt hat. In dem Koffer befinden sich vier Päckchen der neuartigen Droge CHP4, die Lucy und drei andere Personen kurzerhand unter die Bauchdecke eingenäht werden. Als Lucy von einem anderen Gangster schwer misshandelt wird, reißt eines dieser Päckchen in ihrem Innersten, woraufhin sich die Droge beginnt im Blutkreislauf auszubreiten. Die Folge ist eine mit der Zeit gesteigerte Intelligenz, ungeahnte Fähigkeiten und der Wunsch mehr zu verstehen, woraufhin sie nicht nur beginnt den renommierten Wissenschaftler Professor Norman (Morgan Freeman) aufzusuchen, sondern gleichwohl die anderen drei Kuriere zu jagen.

Wo Luc Besson drauf steht da ist auch Luc Besson, so oder so ähnlich argumentierte man wohl am Ende der 90er Jahre, als dieser mit „Léon – Der Profi“ und „Das fünfte Element“ zwei echte Kassenschlager abgeliefert hat. Zuletzt war es um seine qualitative Arbeit eher ruhiger geworden, denn nach einem halbgaren „The Lady – Ein geteiltes Herz“ folgte die nur bedingt witzige Mafiakomödie „Malavita – The Family“. Mit dem Science Fiction Film „Lucy“ setzt sich Besson erneut der Doppelbelastung aus, denn dieser ist nicht nur für die Regie, sondern gleichwohl auch für das entsprechende Drehbuch verantwortlich.

LucyDie Umsetzung dieses Drehbuchs ist insbesondere am Anfang sehr ungewöhnlich, denn neben der eigentlichen Haupthandlung rund um Lucy und ihrem Freund Robert werden uns immer wieder diverse Tierbilder aus der Evolution unterbreitet, die auf den ersten Blick recht nichts aussagend erscheinen. Mit diesen wird einerseits Lucy ihre Lage anhand eines Raubtieres und dessen Opfer verdeutlicht, zum anderen wird aber auch der direkte Bezug zu Professor Norman hergestellt, der Vorträge über die genutzte Kapazität des menschlichen Gehirns vor seinem Publikum hält.

Mit fortlaufender Handlung wird genau diese Thematik über den Nutzungsgrad des Gehirns intensiviert, wenn Lucy plötzlich durch die unfreiwillige Einnahme einer neuen Droge ungeahnte Möglichkeiten erhält. Plötzlich werden Informationen in Sekundenschnelle aufgesogen, die Gedanken anderer Menschen sind per Telepathie zu erfahren, während selbst Telekinese nicht mehr weit entfernt ist, um heranstürmende Gegner in Windeseile zu entwaffnen. An dieser Stelle verschmilz die Mischung aus Drama und Actionfilm zusehends mit dem Science Fiction Genre, einzelne Ideen erinnern an Filme wie „Matrix“ oder „Transcendence“, während Luc Besson jedoch auch ganz eigene mit einbringt.

LucyDiese Mischung ist insbesondere in der ersten Hälfte sehr unterhaltsam, was maßgeblich darin begründet liegt, dass Besson erneut eine wirklich starke Frauenrolle erschaffen hat. Am Anfang gibt Scarlett Jonhansson (Lost in Translation – Zwischen den Welten) die fast schon gebrechliche Studentin die kaum aufhört vor Angst zu schreien, während ihre Figur mit fortlaufender Handlung und gesteigertem Intelligenzquotienten zu einem ruhigen und emotionslosen Etwas verkommt. Leider geht diese Entwicklung auch auf Kosten der zahlreichen Nebendarsteller, denn sieht man einmal von Morgan Freeman (Die Verurteilten) und seiner Vielzahl an wissenschaftlichen Ausarbeitungen ab, fehlt allen anderen doch ein gewisses Profil. Min-sik Choi (Old Boy) wird als Gangsterboss auf die üblichen Klischees reduziert, Amr Waked (Lachsfischen im Jemen) hat im Grunde gar keine Figurenzeichnung als Polizist erfahren, während es bei allen anderen Nebenfiguren sogar noch spärlicher gesät ist.

Obwohl genau diese fehlende Figurenzeichnung für einige Abstriche sorgt, unterhält dennoch dieser eigenartige Genre Mix aus Action und Science Fiction, wobei ersteres zuweilen alles andere als zu kurz kommt. Wir haben einige wunderbare Auseinandersetzungen mit Schusswaffen, wilde Verfolgungsjagden durch die Pariser Innenstadt und natürlich gegen Ende hin auch ein wirklich sehenswertes Finale, was man als solches lieber nicht hinterfragen sollte. Einzelne Logiklöcher gibt es bei dieser Vielzahl an wissenschaftlichen Thesen einige, drum sei man bei diesem 90-minütigen Werk auch gut damit bedient sich einfach von den Bildern unterhalten zu lassen, als darin einen tieferen Sinn zu entdecken.

Luc Besson gelingt mit „Lucy“ ein durchaus sehenswerter Genre Mix der mit seiner Mischung aus Action und Science Fiction zu unterhalten vermag. Einzig und allein die fehlende Figurenzeichnung zahlreicher Personen sowie das eine oder andere Logikloch mindern das Sehvergnügen, worüber man jedoch bei diesem kurzweiligen Film hinwegsehen kann.

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Lucy

Länge: 90 min

Kategorie: Action, Sci-Fi

Start: 14.08.2014

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

Lucy

Lucy

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 90 min
Kategorie: Action, Sci-Fi
Start: 14.08.2014

Bewertung Film: (6,5/10)

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