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Happy Christmas

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 14. Juli 2014

Happy Christmas

In den letzten Monaten zeichnet sich unter den Filmverleihern ein Trend ab, bei dem eher schwächere Titel ausnahmslos als digitaler Release veröffentlicht werden, nicht jedoch auf einem klassischen Medium. Das hat in den meisten Fällen natürlich etwas mit den Kosten zu tun, mit dem Risiko Verluste zu machen, während sich das Budget bei einer digitalen Veröffentlichung natürlich recht übersichtlich gestaltet. Ganz ähnlich verhält es sich nun im vorliegenden Fall mit dem neusten Film von Regisseur Joe Swanberg, welcher auf dem letztjährigen Sundance Film Festival Premiere feierte und dort durchaus angenehm vom Publikum aufgenommen wurde.

Im Grunde sollte es für Jeff (Joe Swanberg), seine Frau Kelly (Melanie Lynskey) und ihrem zweijährigen Sohn ein ganz normales Weihnachtsfest werden, da schneit plötzlich Jeff seine jüngere Schwester Jenny (Anna Kendrick) Hals über Kopf herein. Diese hat sich mal wieder von ihrem Freund getrennt, steckt mitten in einer größeren Krise und hat natürlich absolut keine Idee, wie ihre Zukunft in irgendeiner Richtung aussehen könnte. Kurzerhand quartiert sie sich in den Keller ihres Bruders ein, beginnt sich mit alten Freunden zu treffen, behält aber stets ihr Laster bestehend aus Drogen und Alkohol bei. Schon bald wird Kelly dieses unreife Verhalten ihrer Schwägerin zu viel, woraufhin das gesamte Weihnachtsfest im Chaos zu versinken droht.

Happy ChristmasMultitalent Joe Swanberg füllt mit seiner Rolle als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Darsteller so gut wie jede Nische aus, zumeist verbunden mit Filmen, die er mit einem ungemein übersichtlichen Budget irgendwie doch noch realisieren konnte. Nach seinem recht erfolgreichen Film „Drinking Buddies“ (nie erschienen in Deutschland) aus dem letzten Jahr versucht er nun die Themen Ehe, Singledasein und Verantwortung anzusprechen, wobei er nicht nur auf einen recht ansehnlichen Cast zurückgreifen durfte, sondern zeitgleich auf ein Drehbuch, das in dieser Form gar nicht existierte.

Die Grundidee hinter „Happy Christmas“ ist erneut ein Drehbuch das bestenfalls die äußere Rahmenhandlung vorgibt, alles weitere liegt im Ermessen der Darsteller. Man lässt diese gezielt in Szenen aufeinander treffen, Dialoge entstehen spontan, auf diese Spontanität muss wiederrum schnellstmöglich reagiert werden, sodass die Szene nicht ins stocken gerät. Natürlich gibt es innerhalb der knapp anderthalb Stunden zahlreiche Beispiele dafür wie dieses Konzept aufgehen kann, jedoch auch zahlreiche dafür, dass ein ausgearbeitetes Drehbuch manchmal eben doch besser gewesen wäre. Wenn sich Jenny beispielsweise bei einer Party völlig daneben benimmt, mehr trinkt als sie eigentlich verträgt und anschließend im Bett des Gastgebers einschläft funktioniert dies durchaus gut, wenn sich hinterher jedoch Jeff und Kelly über diesen Fauxpas im Ehebett zu unterhalten versuchen, so wird der Zuschauer zum Teil mit recht steifen Dialogen konfrontiert.

Happy ChristmasSieht man vom konzeptionellen jedoch einmal ab, so ist die zugrunde liegende Geschichte bekannt und dennoch recht unterhaltsam, denn obwohl es im Grunde um jene Person geht die einfach keine Verantwortung für sich selbst übernehmen möchte, ist sie doch der Auslöser um die Eintönigkeit im eigenen Eheleben zu realisieren. Jeff geht nach wie vor seinem Job nach, Kelly musste jedoch ihre Karriere als Schriftstellerin an den Nagel hängen, um sich dem Nachwuchs anzunehmen. Langsam reift diese Erkenntnis, Jenny ermutigt ihre Schwägerin dazu ihr zweites Buch in Angriff zu nehmen, woraufhin beide schließlich zusammen mit Freundin Carson (Lena Dunham) einen erotischen Roman konzipieren, kann man damit doch am meisten Geld verdienen.

Natürlich sind Szenen wie das gemeinsame Schreiben eines Buches recht witzig, die Darsteller gehen zuweilen ordentlich aus sich heraus, doch kommt man auch nicht drum herum zuzugeben, dass „Happy Christmas“ trotz der übersichtlichen 78 Minuten ein ums andere Mal dann doch nach unten hin durchhängt. Zum Teil ist es der erwähnten Improvisation geschuldet, zum Teil aber auch einfach dem Drehbuch, das einfach zu wenig darstellt um angenehm unterhalten zu können. Den Darstellern macht man bei alledem noch am wenigsten Vorwürfe, denn Anna Kendrick (Pitch Perfect) und Melanie Lynskey (Vielleicht lieber morgen) spielen Figuren die gegensätzlicher kaum sein könnten, die aber dennoch so etwas wie eine freundschaftliche Bindung aufbauen können. Ein wenig enttäuschend präsentierte sich dabei am ehesten Joe Swanberg, der jedoch bis auf wenige Szenen kaum Leinwandzeit zugesprochen bekommt, um seiner Figur ein gewisses Profil zu verleihen. Als kleine Notiz am Rande sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass im Film zu sehende Baby ist tatsächlich der kleine Sohn von Regisseur Joe Swanberg, der somit seinen ersten Film bereits erfolgreich absolvieren durfte.

Joe Swanbergs „Happy Christmas“ hat nur sehr wenig mit einem Weihnachtsfilm zu tun, stattdessen kann man ihn als Versuch betrachten mit improvisierten Dialogen das Auf und Ab im Ehe- bzw. Singledasein zu thematisieren. Was sich im ersten Moment interessant anhört, soll sich im weiteren Verlauf jedoch als recht unausgegoren herausstellen, was in erster Linie dem doch sehr oberflächlichen Drehbuch geschuldet ist.

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Copyright: Paramount Pictures, Droits réservés

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Happy Christmas

Länge: 78 min

Kategorie: Comedy, Drama

Start: 25.07.2014

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Happy Christmas

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 78 min
Kategorie: Comedy, Drama
Start: 25.07.2014

Bewertung Film: (6/10)

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