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Hannas Reise

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 20. Juli 2014

Hannas Reise

Mit einer normalen Bewerbung hat man bei einem zukünftigen Arbeitgeber heutzutage kaum noch eine Chance, stattdessen zählen außergewöhnliche Lebensläufe und vor allem der Nachweis nach einem sozialen Engagement, um entsprechende Interessen und Führungsqualitäten bereits frühzeitig nachzuweisen. In Julia von Heinz ihrem Drama „Hannas Reise“ geht es auch um eben dieses soziale Engagement, denn die Betreuung von behinderten Juden kommt doch in jedem Lebenslauf gut an, oder?

Hannas ReiseKurz vor ihrem Bewerbungsgespräch bei einem international agierenden Arbeitgeber erhält Hanna (Karoline Schuch) von einer Konkurrentin den entscheidenden Hinweis, denn um sich von der breiten Masse abzuheben, sei der Nachweis für ein soziales Engagement im Ausland ein Mittel zum Erfolg. Diesen Tipp versucht Hanna auch sogleich umzusetzen und so gibt sie in besagtem Gespräch mit den Personalverantwortlichen vor, in den Sommermonaten in Israel mit behinderten Kindern arbeiten zu wollen. Der Nachweis dafür ist schnell erbracht, denn wer könnte ihr ein Zeugnis besser fälschen, als ihre für den „Aktion Friedensdienste“ arbeitende Mutter Uta (Suzanne von Borsody)? Leider steht diese dem Unterfangen alles andere als positiv gegenüber und so verwehrt sie ihrer Tochter zwar das Zeugnis, besorgt ihr jedoch dennoch kurzfristig ein Platz in einer Kindereinrichtung in Israel, wo Hannah sich um behinderte Kinder kümmern darf. Weit von ihrem Freund Alex (Trystan Pütter) entfernt zieht Hannah in die WG von Carsten (Max Mauff) und Maja (Lore Richter) im weit entfernten Israel, um tagsüber dem attraktiven Itay (Doron Amit) mit den Kindern zu helfen und sich ganz nebenbei in diesen zu verlieben…

Das Thema Holocaust wurde bereits in unzähligen Filmen umfassend aufgearbeitet, sodass es nur noch wenig Neues zu entdecken gibt. Wie aber geht die heutige Generation mit dem Thema um das am ehesten die Großeltern betrifft, gibt es noch eine Art Verantwortungsgefühl für Taten an denen man nicht im Ansatz beteiligt war, zeigt sich Reue in einer Generation, die davon gar nichts mehr wissen möchte? Diese oder ganz ähnliche Fragen stellte sich wohl auch Regisseurin Julia von Heinz (Hanni & Nanni 2), als diese das Drehbuch zu „Hannas Reise“ schrieb, frei nach dem Roman von Autorin Theres Bäuerlein.

Hannas ReiseIm Grunde wird der Zuschauer bereits am Anfang mit einer recht unwirklichen Situation konfrontiert, wenn wir eine selbstbewusste junge Dame bei einem Bewerbungsgespräch erleben, die mit allen Wasser gewaschen zu sein scheint. Nichts ist ihr heilig und wenn Ökos halt weiter kommen, dann spielt sie eben jene Rolle die von ihr abverlangt wird. Leider geht im weiteren Verlauf nicht alles nach Plan, woraufhin sie schon kurze Zeit später im Flieger nach Israel sitzt, um sich dort um jene behinderte Kinder zu kümmern, die sie eben noch bei ihrem Vorstellungsgespräch erwähnt hat. Bei alledem ist die Figur der Hannah so angelegt das sich der Zuschauer nicht unbedingt mit dieser identifizieren kann, denn mit dem arroganten Auftreten und der hochnäsigen Meinung das sie der Holocaust absolut nichts angeht, eckt sie quasi überall einmal an.

Die Figuren in Hannas direktem Umfeld bleiben dagegen überwiegend recht blass. Da haben wir in der chaotischen WG eine linksextreme Dame die mit der Polizei regelmäßig aneinander eckt, einen jungen Mann der den Aufenthalt für sein Studium braucht und natürlich der Betreuer Itay, der Hannah in erster Linie schöne Augen macht und versucht mit Witzen über den Holocaust und die Nazizeit aufzuziehen. Bei alledem kommt die politische Situation in Israel nur wenig zur Sprache, denn abgesehen vom Hochsicherheitssystem um das Behindertendorf und einigen Protesten der Mitbewohnerin, ist von der angespannten Lage in diesem Land nur recht wenig zu sehen. Gleiches gilt für die einen oder anderen Sub-Plots innerhalb der Hauptgeschichte, denn warum Hannah sich überhaupt zu ihrem Freund Alex hingezogen fühlt und mit diesem über Skype chattet ist genauso wenig nachzuvollziehen wie die spätere Beziehung zu Itay, kann man doch zumindest keine echte Liebe erkennen.

Hannas ReiseDamit einher geht ebenso die nicht immer ganz schlüssige Entwicklung von Hannas Figur, die von einem anfänglichen Egomanen sich schon bald beginnt um Kinder zu kümmern sowie die Vergangenheit ihrer Mutter zu erforschen, mit der sie praktisch bereits vor Jahren gebrochen hat. Bei alledem überzeugt in erster Linie Schauspielerin Karoline Schuch (Wir sind die Neuen) in einer sehr wandelbaren Rolle, wenn es zuerst nur darum geht ein Zeugnis für ihre weitere berufliche Laufbahn zu bekommen, sie später jedoch beginnt sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander zu setzen. Nachwuchsdarsteller Doron Amit (Zaytoun) bleibt neben Schuch jedoch weitestgehend blass, was in erster Linie auf die sehr eindimensional angelegte Figur zurückzuführen ist.

Mit „Hannas Reise“ versucht Julia von Heinz der Frage nachzugehen, in wieweit die aktuelle Generation sich noch mit der Schuld ihrer Großeltern identifizieren kann. Bei alledem soll das Holocaust Thema jedoch genauso oberflächlich behandelt werden wie die aktuelle politische Lage in Israel, denn mit fortlaufender Handlung dominiert eine recht vorhersehbare Liebesgeschichte zwischen Hanna und dem Israeli Itay, die zwar interessant ist, jedoch nur wenig wirklich Neues zu bieten hat.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

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Hannas Reise

Länge: 100 min

Kategorie: Comedy, Romance

Start: 25.07.2014

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Hannas Reise

Hannas Reise

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 100 min
Kategorie: Comedy, Romance
Start: 25.07.2014

Bewertung Film: (6,5/10)

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