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Der Nil – Fluss der Flüsse

Geschrieben von Frank Schmidke am 31. Juli 2014

NIL, AGYPTEN, LUXORDenkt man an den Nil, den längsten Fluss der Erde, fallen einem die alten Ägypter ein, die ihre Kultur an dem afrikanischen Strom aufbauten, Und es fallen einem die Abenteurer ein, die sich auf den Weg gemacht haben, um die damals sagenumwobene Quelle des Nil zu finden. Kein Wunder, dass der große und mächtige Fluss immer wieder Gegenstand von Dokumentationen ist. Nun hat die österreichische Produktionsfirma Terra Mater ein dreiteiliges Flussportrait veröffentlich, dass tatsächlich noch einige neue Aspekte über den Nil aufweisen kann und selbstredend spektakuläre Landschafts- und Tieraufnahmen.

Der-Nil-ct-2Regisseur und Produzent Harald Pokieser  und sein Team haben mehr als zwei Jahre lang gefilmt, um die 150 Minuten lange TV-Serie über die ostafrikanische Lebensader Nil herzustellen und das Ergebnis ist eine großartige Doku. Zunächst geht es in Folge eins „Das Land der tausend Quellen“  zu den Ursprungsregionen des Nil. Denn die vielen Quellflüsse des Stroms haben bereits einen langen Weg hinter sich, bevor sie den Viktoriasee in Tansania erreichen. Die wesentlichen Quellflüsse des Weißen Nil, der als Hauptstrom gilt, entspringen in den gebirgigen Regionen Ruandas und Burundis, die der ostafrikanische Grabenbruch geologisch aufgetürmt hat. Die eigentümliche und faszinierende Landschaft der Berg-und Nebelwälder des Ruwenzori-Gebirges und der Nyugwe-Nationalpark wirken ebenso fantastisch wie erstaunlich. Auch der Viktoriasee selbst und seine Fischereinutzung werden in der ersten Folge thematisiert.

Vom Viktoriasee aus fließt der Nil in das riesige Sumpfgebiet Sudd im Süden des Sudan und die zweite Folge „Der Weg durch die Wildnis“ hält sich im Wesentlichen in der absurd anmutenden Landschaft auf. Und folgt dem Fluss und seinen tierischen Bewohner bis zur Stadt Khartum, wo die Ströme des Weißen und des Blauen Nil zusammenfließen und ihren Weg in Richtung Mündungsdelta am Mittelmeer fortsetzen. Inzwischen hat der Fluss schon etwa die Hälfte seines mitgeführten Wassers durch Verdunstung verloren. Doch die Wassermassen des Nil sind noch immer gigantisch.

NIL, AGYPTEN, WESTERN DESERTIn der abschließenden Folge „Die Lebensader der Pharaonen“ geht es zu den Quellregionen des Blauen Nil, der in einem schroffen Gebirge in Äthiopien entspringt. Am Tanasee in 3500 Metern Höhe vereinigen sich die unterschiedlichen Läufe schließlich zum Blauen Nil. An dessen Verlauf bildete sich die Hochkultur der Nubier aus, die heute ebenso Geschichte ist wie das Ägypten der Pharaonen. Die Doku macht sich auch auf dem Weg zu den Ursprüngen der altägyptischen Religion und kommt so einem längst ausgetrockneten Nilzufluss auf die Spur, dem gelben Nil, der bis 500 Kilometer westlich in die Wüste führt. Schließlich werden noch die Pyramiden und die Metropole Kairo betrachtet, bevor der Nil im Delta bei Alexandria das Mittelmeer erreicht.

Bis dorthin hat der Zuschauer einige absolut berauschende Landschaftsaufnahmen gesehen, die in dem hochauflösenden Bild der Blu-ray atemberaubend sind. Die Filmmacher arbeiten mit Luftaufnahmen und Teleobjektiven, so dass man die Landschaft erlebt, wie man das als Tourist schlicht nicht erreicht. Auch die Tierwelt wird mit technischer Finesse inszeniert. Super-Slow-Motion und unglaublich nah wirkende Teleaufnahmen machen ein Erleben der seltenen, häufig endemisch (also nur in dieser begrenzten Region vorkommenden) Arten zu einem wunderbaren Eindruck von Flora und Fauna.

Murchison FallsDie Unterwasserwelt des Nil lässt die Doku ganz bewusst beiseite, um sich auf das Geschehen an den Ufern zu konzentrieren. Auch mangelt es der Doku „Nil –Fluss der Flüsse“ bei aller optischen Brillanz vielleicht gelegentlich an einer tatsächlich menschlichen Perspektive, die die Eindrücke relativiert. Selten einmal nimmt die Kamera so auf wie das Auge tatsächlich wahrnimmt. Wenn man dann Bergaffen einmal bei der Überquerung einer Teeplantage zusehen darf als stünde man tatsächlich daneben, wird die Perspektive wieder gerade gerückt. Aber zumeist geht es atemberaubend nah heran oder weit weg. Die Vielzahl der tollen Tieraufnahmen von afrikanischen Wölfen in Äthiopien, Webervögeln an den papyrusbestandenen Seeufern, Schuhschnäbeln und wilden Elefanten im Sudd halten sich die Waage mit den Landschaftsportraits, den wilden reißerischen Katarakten und Stromschnellen. Erst in der dritten Folge, rückt der Mensch ein wenig mehr in den Blickpunkt, auch als Kobrafänger im Nildelta. Zusammengehalten wird die Doku durch animierte Karten, in denen quasi aus der Flugperspektive der Flussverlauf gezeigt wird und durch die man seine geografische Orientierung behält.

NIL, AGYPTEN, KAIROVerglichen mit einigen der unzähligen Nildokumentarfilme ist Harald Pokiesers „Der Nil – Fluss der Flüsse“ eine der herausragenden Annäherungen an dieses großen Strom. Das ist selbstredend auch der moderneren Aufnahmetechnik geschuldet, die beispielsweise die dreiteilige Nil-Doku der BBC von 2004 nur bedingt zur Verfügung hatte. Allerdings widmet sich Regisseurin Matha Holmes auch eine Folge lang den Nilforschern und bebildert dies mit Spielszenen. Der Österreicher Harald Pokieser hingegen findet neue Aspekte und auch neue Tierbeobachtungen genug, um sich ganz darauf zu verlassen. Vor allem weil das Budget für diese aufwendigen Dreharbeiten stimmt, ist die Fluss-Doku „Der Nil – Fluss der Flüsse“ so faszinierend ausgefallen ist. Pokieser ist ein alter Hase im Dokumentargeschäft und seit 1990 auf dem Gebiet tätig. Diese Erfahrung merkt man der Erzählhaltung und Struktur des Flussportraits an. Wie auch die Terra Mater Produktionsfirma war er lange für das ORF-Dokuformat „Universum“ tätig.

Mit „Der Nil –Fluss der Flüsse“ erscheint nun eine der besten TV-Naturdokus der jüngeren Zeit als Home Entertaiment Titel. Mit großartiger Bildqualität und wunderschönen und spektakulären Aufnahmen ist diese Doku in einem ohnehin immer aufwändiger werdenden Genre herausragend –und das soll schon etwas heißen.

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Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Polyband, Terra Mater

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Länge: 150 Minuten

Kategorie: Documentary

Start: 27.06.2014

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Der Nil – Fluss der Flüsse

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 150 Minuten
Kategorie: Documentary
Start: 27.06.2014

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