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The Returned – Weder Zombies noch Menschen

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 24. Juni 2014

The Returned - Weder Zombies noch Menschen

Das Zombie-Genre unterliegt einem steten Wandel, welcher zumeist im Abstand von einem Jahrzehnt vollzogen wird und somit einen fortlaufenden Prozess darstellt. Zuletzt wurde dem Genre mit Danny Boyles „28 Tage später“ eine erhöhte Geschwindigkeit verpasst, mit Manuel Carballos „The Returned – Weder Zombies noch Menschen“ kommt nun ein noch radikalerer Bruch, denn Carballo gelingt es erstmalig einen Zombiefilm ohne jedwede Zombies zu drehen.

In den 80er Jahren war die Erde Schauplatz einer riesigen Zombie-Apokalypse, welche in zwei Wellen über 100 Mio. Menschen dahinraffte und somit in Zombies verwandelte. Aus den Leichen besagter Zombies konnte ein Gegenmittel gewonnen werden, welches jedoch nur dann den Betroffenen half, wenn dieses direkt nach der Infektion verabreicht wurde. Leider geht damit jedoch noch ein ganz anderes Problem einher, denn gehört man erst einmal zu besagten „The Returned“ (Wiedergekehrten), geht dies mit einer lebenslangen Verpflichtung einher, sich täglich ein ganz spezielles Serum zu verabreichen.

The Returned - Weder Zombies noch MenschenZu besagten Wiedergekehrten gehört auch Alex (Kris Holden-Ried), dessen Frau Kate (Emily Hampshire) sich im örtlichen Krankenhaus um genau jene Patienten kümmert, wo sich beide auch vor vielen Jahren kennengelernt haben. Für ihre Freunde und Verwandten ist Alex sein Status geheim, Kate jedoch unternimmt ihr Möglichstes, jede noch so kleine Ampulle des Gegenmittels aus dem Krankenhaus zu entwenden. Eines Tages kommt es jedoch zum großen Bruch in der Gesellschaft, denn während auf der einen Seite das Gegenmittel mehr und mehr zur Neige geht, gelingt es den Forschern auf der anderen nach wie vor nicht dieses synthetisch herzustellen. Plötzlich werden aus Angst die entsprechenden Menschen verhaftet und eingesperrt, woraufhin Alex und Kate zu engen Freunden fliehen…

Den spanischen Regisseur Manuel Carballo (Seiken) sollten die einen oder anderen noch aus seinem mittelmäßigen Horrorfilm „La posesión de Emma Evans“ aus dem Jahre 2010 kennen, doch was er zumindest zur damaligen Zeit an Ideen vermissen ließ, kompensiert dieser nun durch die Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Hatem Khraiche (Das verborgene Gesicht). Khaiche ist dabei gar nicht erst daran gelegen das bekannte Zombie-Genre und die damit verbundenen Klischees neu aufzurollen, stattdessen bemüht er sich einen komplett neuen Ansatz zu entdecken, um die Untoten und die somit betroffenen Menschen in einem gänzlich anderen Licht dastehen zu lassen.

The Returned - Weder Zombies noch MenschenDer gelungene Schachzug dabei ist weniger auf die Zombies selber zum Großteil zu verzichten, sondern vielmehr die Geschichte als besseres Drama aufzubereiten, bei dem es als Zuschauer gilt selber bestimmte Handlungen zu beurteilen. Wie würde man selbst als Arzt agieren dessen Lebensgefährte betroffen ist, ist ein Leben mehr wert als ein anderes und wie verhält es sich mit der Angst, wenn scheinbar ganz normale Menschen durch das Ausbleiben eines Medikamentes zu etwas Lebensbedrohliches werden könnten? Der Aspekt des ausbleibenden Serums funktioniert hier wunderbar als bessere Metapher, die Krankheit als solche ist jederzeit auf jede andere übertragbar, wodurch das Thema neben dem rein fiktionalen Ansatz durchaus etwas universelles bekommt.

Natürlich darf bei alledem die Tragik nicht zu kurz kommen, wenn beispielsweise die betroffenen in riesigen Lagern zusammengetrieben werden, was durchaus an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Angst ist ein universelles und vor allem stets präsentes Thema, ob es nun die Angst der normalen Menschen ist nicht infiziert zu werden, oder eben jene Angst der Infizierten ausreichend Serum zu bekommen, um ein normales Leben weiterführen zu dürfen. Durch geschickt angelegte Kniffe innerhalb der Geschichte wird diese bei rund anderthalb Stunden kaum langweilig, wobei diese gegen Ende hin deutliche Defizite aufweist. Drehbuchautor Hatem Khraiche lässt insbesondere im Finale das nötige Gespür für einen spannenden Ausklang vermissen, wodurch sich nicht nur sichtbar Unsicherheiten einschleichen, sondern gleichwohl ein um fast 15 Minuten gestrecktes Ende, was in dieser Form die letzte Konsequenz zu den eigenen Figuren vermissen lässt.

The Returned - Weder Zombies noch MenschenBesagte Figuren sind es letzten Endes auch die trotz des übersichtlichen Budgets deutlich besser ausgebaut hätten werden können. Man erfährt über die jeweilige Vergangenheit der Protagonisten nur bedingt tiefergehende Details, die Figuren der zwei Freunde schweben stets als etwas unbekanntes im Raum, wobei die Darsteller selber ihr Möglichstes geben, diese interessant zu gestalten. Vor allem Kris Holden-Ried (Underworld: Awakening) und Emily Hampshire (Cosmopolis) kann man hier weitestgehend als Sympathieträger bezeichnen, als zwei Darsteller die recht unbekannt sind, dennoch aber die Fähigkeit besitzen diesen Film erfolgreich zu tragen.

Neben den beiden Hauptdarstellern wusste aber auch Kameramann Javier Salmones (Tagebuch einer Nymphomanin) mit seiner Arbeit zu überzeugen, der trotz des geringen Budgets einige sehr gelungene Szenen hat einfangen können. Die Straßenzüge wirken bei alledem zumeist sehr dunkel, die dadurch entstandene Atmosphäre ist stimmig, während man natürlich bei alledem zuweilen die recht beschränkten Mittel deutlich ablesen kann.

Mit „The Returned – Weder Zombies noch Menschen“ schafft es Manuel Carballo erstmalig das Zombie-Genre erneut zu revolutionieren, beschränkt er sich doch weniger auf die Untoten an sich, als vielmehr auf gesellschaftskritische Themen und Aspekte, die man ohne weiteres auch auf andere Bereiche in unserer Gesellschaft übertragen kann.

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Copyright: MFA+ FilmDistribution e.K.

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The Returned - Weder Zombies noch Menschen

Länge: 98 min

Kategorie: Drama, Horror

Start: 22.07.2014

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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The Returned - Weder Zombies noch Menschen

The Returned – Weder Zombies noch Menschen

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 98 min
Kategorie: Drama, Horror
Start: 22.07.2014

Bewertung Film: (6,5/10)

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