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Maps to the Stars

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 29. Juni 2014

Maps to the Stars

Der provokante Drehbuchautor Bruce Wagner hat bereit in einem halben Duzend Büchern seine Metapher von Hollywood – der Stadt der toten Götter – hinreichend dargelegt, doch wenn Regisseur David Cronenberg eine dieser Geschichten aufgreift, darf man großes erwarten. Mit „Maps to the Stars“ liefert dieser nun eine Mischung aus Satire und Drama ab, die Hollywood direkt einen Spiegel vor Augen führt.

Maps to the StarsDie in Los Angeles ansässige Familie Weiss lebt den ganz normalen Hollywood Wahnsinn, denn während Vater Stafford (John Cusack) als Guru an seinem neuen Buch arbeitet, versucht Mutter Christina (Olivia Williams) sich um die Karriere ihres dreizehnjährigen Sohnes Benji (Evan Bird) zu kümmern, der bereits einen Drogenentzug hinter sich gebracht hat. Bei alledem darf natürlich nicht die ältere Tochter Agatha (Mia Wasikowska) fehlen, die vor rund zehn Jahren das gesamte Anwesen der Familie nieder brannte und seitdem in einer geschlossenen Anstalt lebte, nun jedoch wieder entlassen wurde. Agatha zieht es zurück nach Los Angeles, doch anstatt direkt ihrer Familie gegenüber zu stehen, arbeitet sie lieber für die erfolglose Schauspielerin Havana Segrand (Julianne Moore), während sie von außen her das Geschehen beobachtet…

Der kanadische Regisseur und Drehbuchautor David Cronenberg (Tödliche Versprechen) dreht zum ersten Mal in den Vereinigten Staaten, was liegt also näher seinen neusten Film direkt vor der wunderschönen Kulisse Hollywoods spielen zu lassen? Basierend auf dem Roman „Dead Stars“ von Autor Bruce Wagner (Wild Palms) versucht dieser seine ganz eigene Version der Maschinerie namens Hollywood auf der großen Leinwand darzustellen, was weniger bedeutet die Marotten der Stars zu offenbaren, sondern vielmehr den damit verbundene Abgrund darzustellen, dem sich die gesamte Gesellschaft unaufhaltsam nähert.

Maps to the StarsCronenbergs „Maps to the Stars“ nun in irgendein Genre einordnen zu wollen fällt zuweilen überaus schwer, denn zwischen Drama, Satire und Thriller finden sich zahlreiche andere Elemente wieder, die hier ganz offen genutzt werden. Vielmehr versuchen Cronenberg und Wagner auf die Missstände in Hollywood hinzuweisen, diese mit bitterböser Satire darzulegen, ohne zu irgendeiner Zeit eine Figur gezielt ins lächerliche zu ziehen. Der Hass und die Abscheu auf Hollywood sind unmissverständlich, zuweilen erinnert einiges durchaus an Robert Altmans Hollywood Abrechnung „The Player“, während man durchaus auch Steven Soderbergh diesen Film hätte zutrauen können, hängte er doch erst im letzten Jahr seine Karriere wegen genau dieser Argumente an den Nagel.

Rein inhaltlich weiß der Zuschauer lange Zeit nicht wohin David Cronenberg mit seiner Geschichte überhaupt möchte, die Figur der Agatha schwebt etwas leblos und ohne Ziel im Raum, bis sich nach und nach die verschiedensten Elemente der Rahmenhandlung zu überlagern beginnen. Der Zuschauer wird langsam Teil vom großen Ganzen, er erfährt die innerfamiliären Probleme, wird Zeuge einer Gesellschaft, in der sich scheinbar alle gegenseitig belügen müssen. Uns wird der Abgrund Hollywoods vor Augen geführt, wie arrogante und selbstverliebte Stars bereits in jungen Jahren an Drogenproblemen leiden, ganz andere ein Leben lang nicht aus dem Schatten der eigenen Eltern entfliehen können. Es entwickelt sich ein Stück Realsatire die jedoch nicht urteilen möchte, ein Drama das auf Strukturen verzichtet, ein Thriller, der erst im letzten Drittel zur Geltung kommt.

Maps to the StarsWas bleibt ist neben dieser durchweg interessanten Geschichte vor allem ein Cast an Ausnahmedarstellern, den man in dieser Zusammensetzung nur sehr selten sieht. John Cusack (Being John Malkovich) darf nach einigen durchschnittlichen B-Movies endlich wieder in einer größeren Produktion mitwirken, wo er den selbstsicheren Therapeuten und Guru genauso überzeugend spielt wie den verunsicherten Vater, der alles dafür geben würde seine Familie und ein lang gehegtes Geheimnis zu beschützen. Robert Pattinson (Cosmopolis) brilliert in einer kleineren Nebenrolle als Fahrer und zeigt zum ersten Mal überhaupt schauspielerisches Talent, während Nachwuchstalent Mia Wasikowska (Alice im Wunderland) gekonnt die Gradwanderung stemmt, die ihre Rolle als psychisch leicht angeknackstes Brandopfer mit sich bringt.

Als herausragend darf bei alledem jedoch vor allem das Spiel von Evan Bird (The Killing) bezeichnet werden, der als 13-jähriger Kotzbrocken mit jeder Menge bissiger Dialoge die Erwachsenen zur Weißglut treibt. Ähnlich souverän präsentiert sich aber auch Julianne Moore (Magnolia), die als Havana Segrand unter gleich mehreren Komplexen zu leiden scheint und einfach nicht aus dem Schatten ihrer Mutter ausbrechen kann. Selbige Leistung wurde übrigens bei den Filmfestspielen von Cannes auch entsprechend gewürdigt, denn Moore wurde der Preis für die Beste weibliche Hauptrolle zuteil.

David Cronenberg präsentiert mit „Maps to the Stars“ ein bitterböses Drama, welches den Mythos Hollywood sprichwörtlich in seine Einzelteile zerlegt. Eine wunderbare Geschichte mit großartigen Darstellern, was braucht ein guter Kinoabend mehr?

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: MFA+, Daniel McFadden

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Maps to the Stars

Länge: 111 min

Kategorie: Drama

Start: 11.09.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 111 min
Kategorie: Drama
Start: 11.09.2014

Bewertung Film: (7,5/10)

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