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Mud

Geschrieben von Frank Schmidke am 22. Mai 2014

IMG_8336.CR2Mit „Take Shelter“ legte der amerikanische Filmacher Jeff Nichols nach seinem beachtlichen Debut „Shotgun Stories“ einen großen, verstörenden Kritikererfolg hin. Und auch sein neuester Film „Mud“ wurde mit zahlreichen Preisen und Nominierungen ausgezeichnet – unter anderem war Nichols in Cannes 2012 für die goldene Palme nominiert. Die Hollywoodstars Matthew McConaughey und Reese Witherspoon sorgen für eine namhafte Besetzung und dennoch hat es hierzulande nicht für einen Kinostart gereicht. Vielleicht liegt es an der jugendlichen Erzählperspektive des sehenswerten Abenteuerdramas, dass Kinoverleiher sich mit „Mud“ schwertaten. Nun ist der Film als Home Entertainment Premiere erschienen.

Der vierzehnjährige Ellis (Tye Sherdan) lebt mit seinen Eltern auf einem Hausboot am Mississippi. Eines Tages erzählt ihm sein Kumpel Neckbone (Jack Loafland) von einem Boot, das von einer Jahre zurückliegenden Überschwemmung in einen Baumwipfel gespült wurde. Die beiden Jungs machen sich auf die Suche nach dem Boot und finden es auch auf einer Insel im Fluss. Doch zu ihrer Überraschung ist das Boot nicht verlassen.

IMG_7995.CR2Hier versteckt sich seit einigen Tagen eine heruntergekommene Gestalt, die sich Mud (Matthew McConaughey) nennt, und erzählt den Jungs eine abenteuerliche Geschichte von seiner großen liebe Juniper (Reese Witherspoon). Um sie zu beschützen, hat Mud einen Mann getötet. Nun ist die Polizei ebenso hinter ihm her wie die Familie des Toten. Auf der Insel wartet Mud bis Juniper in die Stadt kommt, mit der er abhauen will. Ellis und Neckbone beschließen, dem geheimnisvollen Mann zu helfen und das Boot wieder seetüchtig zu machen.

Der erste Eindruck, den Jeff Nichols „Mud“ hinterlässt ist eine Huckleberry Finn-artige Abenteuergeschichte. Ellis und Neckbone lieben das freie Leben am Fluss und abgesehen von ein paar Verpflichtungen, streunen sie selbstvergessen und träumend umher. Doch je länger der Film andauert, desto reichhaltiger wird er in Motiven und Themen. Die tragische Liebesgeschichte zwischen Mud und Juniper wächst sich zu einem thrillerartigen Drama aus, in das die Jungen hineingezogen werden.

Ellis Fluss-Idyll ist bedroht, einerseits durch den Streit seiner Eltern, die sich wohl trennen werden, andererseits durch die folgende Zwangsenteignung des Hausbootes, wenn seine Mutter, der das Boot gehört, hier wegzieht. Ein weiteres Motiv, das sich durch den Film zieht, ist Ellis erwachendes Interesse für Mädchen. Besonders die etwas ältere  May Pearl hat es ihm angetan und er schafft es durch sein mutiges Einschreiten, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen.

IMG_7678.CR2Durch die thematische Breite gewinnt Jeff Nichols schnörkelloses, aber auch makellos gefilmtes Drama beinahe die Qualitäten eines modernen Heimatfilms, eines Panoramas des Lebens am Fluss. Ebenso wie „Beasts of the Southern Wild“ ist auch „Mud“ zugleich Lobgesang wie Schwanengesang auf den uramerikanischen Mythos vom freien und selbstbestimmten Leben. „Mud“ ist ein Abgesang auf diese Lebensweise, die so gar nicht in die moderne Welt des 21. Jahrhunderts passen will.

Fast scheint es, als könne ein Charakter wie Mud nur im Schlamm des Mississippi existieren und zu einem fast mythischen Außenseiter werden. Seine verquere und hochgradig romantische Weltsicht wird von McConaughey („Dallas Buyers Club“) mit glaubhafter sprachlicher Aneignung und Naturburschen-Appeal ebenso heldenhaft wie dubios verkörpert. Das allein genügte um einen Film zu tragen.

IMG_5631.CR2Neben einer unaufgeregten Kameraarbeit und den vielen sehr gelungen ineinander greifenden Motiven und Themen des Films hat „Mud“ außerdem noch Michael Shannon, der bislang in allen drei Nichols Filmen zu sehen war, und einen kauzigen, eigenbrötlerischen Sam Shepard zu bieten, die den Film zusätzlich um Nuancen des Flusslebens bereichern.

Als Bonusmaterial kann die Blu-ray mit einer B-Roll und eine Vielzahl von Interviews mit Cast und Crew aufwarten. Das aufschlussreiche Making of ist auch auf der DVD enthalten und legt einige Hintergründe und Motive dar. Filmfans und Fans von Jeff Nichols kommen auf ihre Kosten.

Obwohl, oder gerade weil sich Jeff Nichols mit „Mud“ erzählerisch zwischen Jugendabenteuer, Romanze, Drama und Thriller einrichtet, ist seine Mississippi-Saga ein Film, der länger im Gedächtnis haften bleibt. Ganz so eindrücklich wie „Take Shelter“ ist „Mud“ allerdings nicht geworden.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Ascot Elite

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Länge: 130 min

Kategorie: Drama

Start: 13.05.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Info

Mud

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 130 min
Kategorie: Drama
Start: 13.05.2014

Bewertung Film: (7/10)

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