cinetastic.de - Living in the Cinema

Hawking

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 13. Mai 2014

Hawking

Vor nicht einmal drei Monaten veröffentlichte der britische Astrophysiker Stephen Hawking einen vierseitigen Fachbeitrag in dem er den Ereignishorizont Schwarzer Löcher komplett infrage stellte, womit er zum einen versuchte die Wiedersprüche zwischen Quantenphysik und der Allgemeinen Relativitätstheorie zunichte zu machen, andererseits insbesondere von Fachkollegen eher mit einem Kopfschütteln bedacht wurde. Wer aber ist dieser Mann der als einer der klügsten Köpfe unserer Zeit gilt?

Genau dies muss sich wohl anfangs auch Dokumentarfilmer Stephen Finnigan (9/11: Voices from the Air) gedacht haben, als dieser von Hawking die Aufgabe erhielt dessen Biografie entsprechend für jene umzusetzen, die sein Buch nicht gelesen haben. Da man „Hawking“ also am ehesten als nacherzählte Biografie, nicht aber als eigentliche Dokumentation ansehen kann, fehlt diesem Werk natürlich die entsprechende Distanz, dass kritische Hinterfragen von bestimmten Ereignissen, was Stephen Hawking als Produzent und Geldgeber so wohl auch zu keiner Zeit zugelassen hätte.

HawkingWie auch immer man also zu diesem Aspekt stehen mag, rein inhaltlich betrachtet bekommen wir eine leicht abgespeckte Biografie Hawkings geboten, die nicht nur für den durchschnittlichen Zuschauer kaum Wünsche offen lässt, sondern ebenso die erste überhaupt ist, bei der Stephen Hawking offen mitwirkt. So erfahren wir näheres zur Kindheit und zu den familiären Verhältnissen des berühmten Astrophysikers, wir erleben seinen weiteren Werdegang zur Universität wo er zwar als klug, gleichwohl aber auch als relativ faul galt, bis im Alter von 21 Jahren schließlich eine folgenschwere Diagnose gestellt wird, nachdem Hawking beim Schlittschuhfahren auf dem Eis hingefallen war und nicht mehr allein aufstehen konnte.

Die Ärzte sprachen von Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), einer degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems, woraufhin ihm im besten Falle noch zwei Jahre gegeben wurden. Hawking verfiel in eine Art Depression und hörte nur noch Stücke von Wagner, bis er schließlich seine erste Frau Jane kennenlernte und mit bescheidenen Mitteln auch schon bald heiratete. Was nun folgt ist eine Abhandlung zu den verschiedensten Theorien aus der Physik die Stephen Hawking überhaupt erst bekannt gemacht haben. Die Theorie vom Urknall, die Ausarbeitung über Schwarze Löcher und die damit verbundenen Energien werden für Laien durchaus verständlich erklärt und anschaulich aufbereitet, während sich Stephen Finnigan aufgrund der Komprimierung von 90 Minuten recht schnell durch die fünf Jahrzehnte von Hawking bewegt.

HawkingBei alledem kommentiert Stephen Hawking diverse Szenen stets selbst, er lässt seinen Sprachcomputer sprechen den er mit den Augen steuert, die Kamera auf seinem Rollstuhl montiert ist ihm stets ganz nah. Ehemalige Studenten, Kollegen und Freunde kommen zu Wort und berichten über die Arbeit mit Hawking, seine erste Frau Jane spricht noch immer in den höchsten Tönen von diesem Mann, während seine zweite Ex-Frau Elaine Mason (seine ehemalige Krankenschwester) überhaupt gar nicht zu Wort kommt, scheint das Verhältnis hier doch trotz der Trennung nicht mehr das Beste zu sein.

Bei alledem fehlen für den interessierten Zuschauer natürlich ein wenig die kritischen Stimmen, jene der Kollegen die seine Theorien anzweifeln, womöglich etwas neidisch sind, Menschen aus Hawkings direktem Umfeld die darüber berichten könnten, die exzentrisch dieser manchmal sein könnte. Genau diese kritischen Stimmen kommen jedoch nie zu Wort, werden wohlwissentlich unterdrückt, um jenes Bild aufrecht zu erhalten, dass dieser geniale Mann trotz seiner Krankheit in unserer Gesellschaft genießt. Sein Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ wurde inzwischen weit über 10 Mio. Mal verkauft und in über 40 Sprachen übersetzt, Hawking ist auf Fachvorträgen und Partys zu sehen, fühlt sich offenbar in seiner Rolle wohl, die dieser Ruhm mit sich bringt. Bei alledem vermisst man jedoch stellenweise den wahren Hawking, den Mann für den die Physik stets wichtiger war als das Aufwachsen seiner drei Kinder mit zu verfolgen, genauso wie zu keiner Zeit jene Erfahrungen angesprochen werden, wie es ist beinahe fünf Jahrzehnte mit ALS leben zu müssen.

Stephen Finnigan’s „Hawking“ ist eine durchaus interessante Dokumentation über den berühmten Astrophysiker, doch kratzt dieses von Hawking produzierte Werk bestenfalls an der Oberfläche. Die eine oder andere kritische Stimme wäre hier durchaus angebracht gewesen, um zumindest den Schein eines authentischen Werkes zu wahren.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Ascot Elite

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Hawking

Länge: 94 min

Kategorie: Documentary

Start: 13.05.2014

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (1/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Hawking

Hawking

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 94 min
Kategorie: Documentary
Start: 13.05.2014

Bewertung Film: (6,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (1/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1