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Harms

Geschrieben von Frank Schmidke am 23. Mai 2014

Harms-ct-1Eine epische deutsche Gangsterballade im Stil der alten Hollywood-Klassiker sucht man hierzulande eher vergeblich. Das zumindest dachten sich Regisseur Nicolai Müllerschön und Schauspieler Heiner Lauterbach und machten sich an die Arbeit zu „Harms“. Der Film nach einem Drehbuch von Müllerschön kommt ohne Filmförderung aus, kann also als Independentfilm gelten und verdient damit eigentlich im deutschen Filmgeschäft schon mal Bonuspunkte. Allerdings ist die Story vom alten Gauner, der gerade aus dem Knast kommt ziemlich altmodisch ausgefallen und weiß nicht in allen Belangen zu packen.

harms-ct-3Harms (Heiner Lauterbach) kommt nach 16 Jahren aus dem Gefängnis und kommt erst einmal in der Unterkunft für gerade Strafentlassene unter. Der schweigsame Typ wendet sich an seinen alten Kumpel, der nur als Onkel (Helmuth Lohner) bekannt ist. Der betreibt einen abgelegenen Imbiss an einem Kinderspielplatz, verfügt aber immer noch über ganz gute Kontakte.So richtig etwas anzufangen, weiß Harms noch nicht mit sich und erst als der ominöse Ex-Banker Knauer (Friedrich von Thun) auf den alten Gauner zukommt und ihm einen „totsicheren“ Einbruch bei der Bundesbank vorschlägt, nimmt Harms Fahrt auf. Er kontaktiert seine alten Genossen Menges (Axel Prahl) und Timm (Martin Brambach), außerdem holt er noch seinen jungen Gefängniskumpel Luik (Benedikt Blascoviv) als Computerfachmann ins Boot. Doch so richtig rund läuft der ganze Coup nicht: Der Banker will unbedingt selbst mitmachen, Timm hat noch Schulden ausstehen und hinter die freundliche Nutte Jasmin (Valentina Sauca) kommt Harms auch nicht.

Harms-ct-2„Harms“ ist ein harter Genrebeitrag, irgendwo zwischen Thriller und Film Noir, der gleich mit einer derben Prügelei im Knast beginnt und auch im Folgenden eher ein Milieu am sozialen Rand zeigt als eine glamouröse Unterwelt. Alles wirkt heruntergekommen und abgewirtschaftet und vermittelt nicht eben den Eindruck, dass sich Verbrechen lohnen würde. Und so läuft der alleinerziehende Menges eben mal mit einer Knarre durch das Zimmer seiner kleinen Kinder. Filmmacher Müllerschön überzieht schon seine Milieustudie mit Bildern und Impressionen, die etwas übertreiben wirken; vor allem wirken sie alles andere als aktuell.

harms-ct-4Auch die alte Garde der Gauner hat so ihre Probleme mit dem modernen Leben und der Zuschauer bezweifelt beizeiten, dass die drei überhaupt in der Lage sind, einen Computer oder ein modernes Mobiltelefon zu bedienen. Wie um alles in der Welt soll es denen also gelingen, eine hochgesicherte Bank zu überfallen. Aber Harms ist eher ein Mann für Grobe und Handfeste, der auch nach 16 Jahren Knast noch an seiner Ganovenehre festhält. Auch vertraut er seinem Bachgefühl, dass an der Nummer etwas nicht stimmt, aber seine Mitstreiter wollen davon nix wissen. Die Aussicht auf Millionen und das damit verbundene Paradiesische Leben hat alle Vorsicht ausgeblendet.

Nikolai Müllerschön ist seit mehr als dreißig Jahren im Filmgeschäft („Operation Dead End“, „Im Sog des Bösen“, „Der rote Baron“) und hat auch immer wieder kriminalistische Themen verarbeitet. So ist „Harms“ auch routiniert ausgefallen, doch so recht zünden will die dem Alter der Charaktere entsprechend behäbig inszenierte düstere Gaunerballade nur in wenigen Momenten. Stattdessen bleibt Harms, der von Heiner Lauterbach mit stoischer Schweigsamkeit verkörpert wird, dem Zuschauer länge Zeit ein Unbekannter. Mag sein, dass das zur Erzählhaltung des Films gehört, aber der wie auch immer gearteten Identifikation mit dem Protagonisten trägt das nicht gerade bei.Man merkt „Harms“ deutlich die große filmische Geste an, das Bemühen, einen zeitlosen Genrebeitrag zu schaffen. Doch hinter allem filmischen Realismus zeigt sich wenig, dass der Genre-Zuschauer nicht schon anderweitig gesehen hätte.

„Harms“ und Kollegen wirken zeitlich etwas deplatziert und wenn das Gaunerstück in den Achtziger oder Neunziger Jahren angesiedelt wäre, käme es vielleicht authentischer rüber. So aber fehlt dem Film einfach das Tempo unserer schnelllebigen Zeit. Da nützen auch Stilwille und Indie-Produktion nichts. Da war mehr drin.

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Wir vergeben daher 5,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Handschlagfilm, Kinostar

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Länge: 98 Minuten

Kategorie: Crime, Drama

Start: 12.06.2014

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Harms

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 98 Minuten
Kategorie: Crime, Drama
Start: 12.06.2014

Bewertung Film: (5,5/10)

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