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Der letzte Fang

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 12. Mai 2014

Der letzte Fang

Als der Internationale Gerichtshof in Den Haag Ende März 2014 ein Walfangverbot für den Antarktischen Ozean aussprach und Japan sich offen zu diesem Verbot bekannte, ging ein leises Aufatmen durch die Reihen der Umweltschützer. Natürlich hielt sich Japan nicht sehr lang an dieses Verbot, doch sind Wale wirklich die einzigen bedrohten Lebewesen im Meer denen wir unsere Aufmerksamkeit zukommen lassen sollten?

Das es andernorts ganz ähnlich zugeht versucht nun Dokumentarfilmer Markus Schmidt aufzuzeigen, der sich zuletzt mit „Schlafende Monster“ einem gänzlich anderem Thema im Kongo widmete. In seiner neusten Dokumentation „Der letzte Fang“ versucht Schmidt auf die untragbaren Zustände des europäischen Blauflossen-Thunfisch aufmerksam zu machen, dessen Population nicht nur seit nunmehr zehn Jahren drastisch zurückgegangen ist, sondern die sich auch kurz vor dem totalen Kollaps befindet. Um diese These zu untermauern begibt sich Schmidt in eine kleine französische Stadt die stark vom Fischfang abhängig ist, wo sich in den 50er und 60er Jahren zahlreiche italienische Familien niederließen, welche sich in erster Linie dem Fischfang widmeten.

Der letzte FangDrei dieser Familien versucht Markus Schmidt ein wenig genauer vorzustellen, wenn er diese nicht nur auf ihren Reisen begleitet, sondern ebenso parallel dazu den Zuschauer mit zahlreichen Fakten versucht über das globale Problem aufzuklären. So berichtet dieser beispielsweise davon, dass der europäische Blauflossen-Thunfisch vor ein bis zwei Jahrzehnten noch eine Größe von bis zu fünf Meter und ein Gewicht von bis zu 600 Kg aufgewiesen hat, was heutzutage kaum noch erreicht werden kann. Um dieses globale Problem jedoch vollständig zu erfassen sollte man wissen, dass es die riesigen Thunfisch Schwärme ein jedes Jahr vom Atlantik ins wärmere Mittelmehr zieht, wo sie anfangen zu laichen. Dieser Prozess wurde jedoch zunehmend unterbrochen, weil über Jahre hinweg nicht nur zu viel, sondern insbesondere die viel zu kleinen Thunfische gefangen wurden.

Auf seiner Reise versucht er somit also zum einen die Sicht der Fischer zu verinnerlichen die davon leben müssen, zum anderen versucht er aber auch den Standpunkt der Naturschützer zu verstehen, die bereits über Jahre hinweg vor diesem Kollaps warnen. Fischer wie Roger die sich an die gesetzlichen Fangquoten halten stehen auf einem Mal vor dem aus, ganz andere wie Raphaël nutzen jede sich ihnen bietende Gesetzeslücke, um diese Fangquoten zu umgehen. So wird beispielsweise darauf hingewiesen das zahlreiche Fischer unter Lybischer Flagge fahren um dort vor den Küsten mit riesigen Schleppernetzen bis zu 1400 Tonnen Thunfisch (Marktwert 30 Mio. Euro) an Land zu ziehen, während ganz andere darauf bauen Kleintiere einzufangen und diese in riesigen Becken wie Schweine zu mästen. Natürlich kommen auch an dieser Stelle die warnenden Worte der Umweltschützer nicht zu kurz, die offen auf jene Problematik hinweisen, dass genau diese Becken durchaus auch dazu dienen, illegal gefangenen Thunfisch quasi über Nacht in legalen zu verwandeln.

Der letzte FangDiese Geschichten werden zusätzlich durch eine weitere verstärkt, denn Roberto ist bereits vor Jahren aus der Thunfisch-Industrie ausgestiegen und versucht sich nun stattdessen auf der gegnerischen Seite zu behaupten, wenn es darum geht den Blauflossen-Thunfisch zu schützen. Roberto kennt jede Tricks der Fischer, er versucht illegale Aktivitäten nachzuweisen wo es nur geht, doch wo Länderübergreifend andere Gesetze gelten, sind auch ihm die Hände gebunden. Dies alles wird immer wieder durch wissenschaftlich nachgewiesene Fakten belegt, der Zuschauer bekommt Diagramme dargelegt die eine Jahr für Jahr niedere Thunfisch Population aufzeigen, während japanische Fischer insbesondere jenen Fakt bestätigen, das die Fische an sich immer kleiner werden.

Mit „Der letzte Fang“ ist Markus Schmidt ein überaus wichtiger Beitrag zur immer geringer werdenden Population der Blauflossen-Thunfische gelungen, die im Mittelmehr kaum noch aus eigener Kraft überleben können.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Mindjazz Pictures

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Der letzte Fang

Länge: 84 min

Kategorie: Documentary

Start: 09.05.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Bewertung Extras: (4/10)

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Info

Der letzte Fang

Der letzte Fang

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 84 min
Kategorie: Documentary
Start: 09.05.2014

Bewertung Film: (7/10)

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