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All Is Lost

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 21. Mai 2014

All Is Lost

Das Überleben in extremen Situationen scheint sich in den letzten Monaten ein wenig als heimlicher Trend abzuzeichnen, denn während Sandra Bullock in „Gravity“ hoch oben im Weltraum noch versuchte von einer Raumstation zur nächsten zu gelangen, musste sich Tom Hanks in „Captain Phillips“ sogleich einer ganzen Gruppe somalischer Piraten erwehren. In J.C. Chandor seinem zweiten Spielfilm „All Is Lost“ soll nun jedoch wieder die unbändige Natur im Vordergrund stehen, wenn wir in einer beinahe 106-minütigen Odyssee Hauptdarsteller Robert Redford dabei zusehen dürfen, wie er alles nur Erdenkliche unternimmt um doch noch das eigene Überleben zu sichern.

Im Grunde sollte es für den namenlosen älteren Mann (Robert Redford) eine Reise wie viele davor werden, er und sein kleines Segelboot, auf einem nicht näher genannten Meer. Die Tage ziehen ins Land, der alte Mann legt sich hin für ein kleines Nickerchen, doch plötzlich wird er von einem großen Knall in das Jetzt zurück gerissen. Wasser dringt in das Boot ein, der Schaden wird begutachtet, alle wichtigen Dinge erst einmal beiseite geräumt, bis man das Boot leicht zur Seite kippt, um den Schaden zu reparieren. Die nötigsten Dinge für die Reparatur werden zusammengesucht, dass Leck, welches durch einen alten Container verursacht wurde ist wieder abgedichtet, doch plötzlich merkt dieser Mann, dass neben dem Funkgerät ebenso jenes für die Navigation durch das eingedrungene Salzwasser in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Ausgerechnet jetzt kommt auch noch ein Sturm auf, dass Schiff wird wild im Wind umher geworfen, bis es erneut beginnt zu kentern. Die einzige Rettung soll nun ein kleines Schlauchboot versprechen, in dem man sich fortan in den Meeresströmungen treiben lässt und darauf hofft doch noch ein anderes Boot zu finden…

All Is LostAls Regisseur und Drehbuchautor J.C. Chandor im Jahre 2011 beim ehrenwerten Sundance-Festival sein Debüt „Der große Crash“ vorstellte (welcher im darauffolgenden Jahr eine Oscar-Nominierung für das Beste Drehbuch erhielt) war dies nicht nur ein unglaublich gelungener Auftakt, sondern auch der Beginn einer engen Freundschaft mit Festivalleiter Robert Redford. Selbiger ließ es sich nicht nehmen in Chandor seinem neusten Film die Hauptrolle zu übernehmen, auch wenn Hauptrolle in diesem Fall beinahe zu hoch gegriffen erscheint. Redford ist die einzige Person die man in beinahe zwei Stunden zu sehen bekommt, der Film ist wie auf seine Person zugeschnitten und so war es auch nicht verwunderlich, dass „All Is Lost“ zumindest Ambitionen für einen Oscar zugesprochen wurden.

Vergleicht man nun J.C. Chandors „Der große Crash“ mir „All Is Lost“ so werden unweigerlich einige Unterschiede zu Tage gefördert, denn wo sein Debüt noch von den unglaublich intensiven Dialogen einiger Finanzjongleure lebte, hört man im letzteren doch nicht einen einzigen Satz. Vielmehr ist Robert Redfords Vokabular auf ein gelegentliches „Fuck“ beschränkt, ein vereinzeltes Stöhnen oder einen grimmigen Seufzer, wodurch der Überlebenskampf auf dem Meer jedoch nur noch mehr Intensität erfährt. Im Grunde sieht man Redford beinahe zwei Stunden dabei zu wie er mit seiner stoischen Ruhe versucht die Oberhand zu behalten, wie er wie einem Lehrbuch folgend ein Kapitel fürs Überleben Schiffbrüchiger nach dem anderen beginnt abzuarbeiten, nur um letztendlich bei allem zu scheitern.

All Is LostSo sehen wir diesen dabei zu wie er sein Boot notdürftig zusammenflickt, wie er als augenscheinlich Ahnungsloser versucht das Funkgerät zu reparieren, wie er nach einem Sturm seine Rettung im Schlauchbot sucht, nur um dort nur kurze Zeit später an Hunger und Durst zu leiden. Diese Zeit, diese Erfahrungen und die damit verbundenen Qualen werden stets in einer Art Tagebuch festgehalten, das beinahe so etwas wie Halt zu geben scheint, in dieser trostlosen Zeit. Bei alledem ist dem älteren Mann stets anzumerken das er in seinem Leben bereits mit Stress zur Genüge konfrontiert wurde, dass er im Grunde alles im Leben kennt und sich nur darauf einzustellen braucht, kann man doch alles irgendwie bewältigen.

Diese stoische Ruhe schafft es Hauptdarsteller Robert Redford auch mit Bravour zu vermitteln, wenn er die verschiedensten Lösungsansätze immer wieder ausprobiert und bei alledem die Kamera dich bei ihm verbleibt. So lässt sich auch die Veränderung selber nachvollziehen die an diesem Mann vonstattengeht, wie das fehlende Wasser langsam die Haut austrocknet, wie er unter der ständigen Sonne zu leiden hat. Obwohl gerade dies von Redford unglaublich intensiv wiedergegeben wurde und man vor dieser One-Man-Show durchaus seinen Hut ziehen muss, so kommt man nicht umhin zuzugeben, dass „All Is Lost“ komplett in den bekannten Bahnen verläuft und nur wenig wirklich Neues zu bieten hat. Jedwede Wendung innerhalb des Plots ist absolut vorhersehbar, die Geschichte selber haben wir bereits unzählige Male gesehen, wodurch man dies Werk schlussendlich einzig und allein auf Redfords grandioses Spiel reduzieren muss.

All Is LostFür all jene die sich nun von Robert Redford seinen Qualitäten selber ein Bild machen möchten und „All Is Lost“ seinerzeit im Kino verpasst haben, für die kommt nun die Rettung, denn Universum Film bringt das Drama ab dem 23. Mai 2014 auf Blu-ray, DVD und natürlich auch per Video-on-Demand direkt in euer Wohnzimmer. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p recht scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 in den Sprachen Deutsch und Englisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, die diesmal keinerlei Wünsche offen lassen sollten. In beinahe 70 Minuten Interviews berichten neben Redford auch Regisseur J.C. Chandor, diverse Produzenten, Sounddesigner und Kameramann Frankie Demarco vom Film und vom eigentlichen Dreh, während wir neben einer kurzen B-Roll vor allem zahlreiche Features zum Darsteller Robert Redford, der Geschichte zum Film sowie die eigentliche Postproduktion geboten bekommen (rund 20 Minuten).

Mit „All Is Lost“ geht die Regie-Nachwuchshoffnung Hollywoods konsequent seinen Weg weiter, auch wenn die eigentliche Geschichte nur wenig Neues zu bieten hat. Überragend ist bei alledem vor allem Hauptdarsteller Robert Redford, der erneut mit einer unglaublichen Darbietung zu beeindrucken versteht.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Universum Film, SquareOne

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All Is Lost

Länge: 106 min

Kategorie: Drama

Start: 23.05.2014

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

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All Is Lost

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 106 min
Kategorie: Drama
Start: 23.05.2014

Bewertung Film: (6,5/10)

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