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45 Minuten bis Ramallah

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 18. Mai 2014

45 Minuten bis Ramallah

Der israelisch-palästinensische Konflikt lädt immer wieder die unterschiedlichsten Filmemacher dazu ein sich diesem Thema anzunehmen, doch wo dies in erster Linie auf thematisch ganz ähnliche Dokumentationen hinausläuft, versucht Regisseur Ali Samadi Ahadi dies nun in einer Komödie zu verpacken.

Der Palästinenser Rafik (Karim Saleh) versucht sich mehr schlecht als recht in Hamburg als Tellerwäscher durchzuschlagen, doch als dieser wieder einmal entlassen wird und zeitgleich auch noch sein Bruder Jamal (Navíd Akhavan) zu heiraten gedenkt, zieht es ihn für einen kurzen Besuch zurück in seine Heimat. Natürlich wird Rafik als Palästinenser mit israelischem Pass am Flughafen ganz genau kontrolliert, doch so sehr er sich auch auf das Wiedersehen mit seiner Mutter freut, so zuwider ist es ihm seinem Vater zu begegnen. Besagte Begegnung auf der Hochzeit endet sofort in einem lauten Streit, doch wo Rafik zumindest diesmal die Oberhand zu behalten gedenkt, verstirbt sein Vater plötzlich an einem Herzinfarkt. Sein letzter Wunsch ist es nun im 45 Minuten entfernten Ramallah beerdigt zu werden, doch leider liegt genau dies auf palästinensischem Territorium, wo es gilt einige Kontrollpunkte zu passieren. Die ungleichen Brüder machen sich nun in einem alten Lieferwagen für Klimageräte auf die Leiche dorthin zu schmuggeln, doch plötzlich wird besagter Wagen samt Leiche gestohlen, woraufhin sich die Wiederbeschaffung als größeres Problem herausstellen soll…

45 Minuten bis RamallahDas eine Komödie auf Basis des israelisch-palästinensischen Konfliktes durchaus funktionieren kann bewies vor nunmehr vier Jahren bereits Regisseur Christopher Morris mit seinem Film „Four Lions“, dass man sich diesem Thema aber durchaus auch mit einer gehörigen Portion Satire annähernd darf, versucht nun Ali Samadi Ahadi zu beweisen, der zuletzt mit seiner Dokumentation „The Green Wave“ international für Aufsehen sorgte. Für das Drehbuch von „45 Minuten bis Ramallah“ zeichnet sich das Autorenteam bestehend aus Gabriel Bornstein (Dezemberküsse) und Karl-Dietmar Möller-Naß (Wie zwischen Himmel und Erde) verantwortlich, die zum ersten Mal ein gemeinsames Projekt bestreiten.

Bereits der Beginn von „45 Minuten bis Ramallah“ verspricht jede Menge gute Unterhaltung, wenn wir das ungleiche Brüderpaar gefesselt auf der Ladefläche eines Autos liegen sehen, sind diese doch einer Gruppe Freiheitskämpfer scheinbar hoffnungslos ausgeliefert. Natürlich springt der Film an dieser Stelle erst einmal zum Beginn des Geschehens einige Tage früher zurück, wo sogleich das eigentliche Problem von Palästinensern und Israelis auf einer virtuellen Landkarte kurz und bündig skizziert wird. Aus genau dieser Skizzierung entstehen nun diverse Aufeinandertreffen der beiden Bevölkerungsgruppen, wo ein jedes Klischee des jeweils anderen in jeder nur erdenklichen Art bedient wird. So sind für Palästinenser jedwede Israelis Unterdrücker, wie auch für Israelis alle Palästinenser Selbstmordattentäter sind, die von ihrer Seite der Mauer die Macht an sich zu reißen versuchen.

45 Minuten bis RamallahEs geht weiter mit Witzen über den Ramadan, natürlich sind russische Autoschieber in den Diebstahl des Transporters samt Leiche involviert, während bei diesem gleich mehrfach Israelis wie auch Palästinenser durch den Kakao gezogen werden, was anhand einer zu verkaufenden Klimaanlage thematisiert wird. Leider beginnt „45 Minuten bis Ramallah“ bei alledem sehr stark, um anschließend in ein kleines Loch zu fallen, wo der zugrunde liegende Humor noch immer gut ist, jedoch kaum noch zu zünden vermag. Aus besagtem Loch findet man erst wieder gegen Ende heraus, wenn es um die eigentliche Entführung geht, aus den beiden ungleichen Brüdern plötzlich Selbstmordattentäter gemacht werden sollen oder diese nur mit Mühe und Not einem Erschießungskommando entkommen können.

Bei alledem versucht Ali Samadi Ahadi stets den Ton seiner skurrilen Culture Clash Komödie „Salami Aleikum“ zu treffen, doch wo der Humor leider nicht immer zu zünden vermag, bleiben diesmal auch die überzeichneten Charaktere auf der Strecke. Hier fehlt vor allem eine entsprechend feine Figurenzeichnung wodurch die beiden nicht nur bloße Abziehbilder ihrer selbst bleiben, Eigenschaften die sie interessant für den Zuschauer gestalten, liegt mit der jeweiligen Vergangenheit doch bereits eine Grundlage vor, um den Schlagabtausch beider Brüder voran zu treiben. Leider geschieht selbiges nur am Anfang konsequent, wodurch die Komödie insbesondere im Mittelteil sehr viele Möglichkeiten verspielt, sich doch noch über das Mittelmaß hinaus zu erheben.

45 Minuten bis RamallahIm Bereich der Darsteller überzeugt neben Hauptdarsteller Navid Navid (Fremde Haut) – den wir Bereich aus „Salami Aleikum“ als Metzgersohn kennen – vor allem Julie Engelbrecht (Napola – Elite für den Führer) als Russin namens Olga, die nicht nur weibliche Reize zu bieten hat, sondern Dank ihres russischen Akzents auch wunderbar als Komödiencharakter funktioniert.

Ali Samadi Ahadi’s „45 Minuten bis Ramallah“ versucht den israelisch-palästinensischen Konflikt mit bissiger Satire zu bewältigen, verfängt sich dabei jedoch in einer Vielzahl an Baustellen. Hier wäre es womöglich besser gewesen sich strukturell auf ein Thema zu konzentrieren, dies dafür aber umso tiefgründiger abzuhandeln, sodass Löcher wie im Mittelteil gar nicht erst entstehen. Die DVD bietet neben dem Trailer noch ein 10-minütiges Making Of, in dem es mehr zu den Dreharbeiten zu erfahren gibt.

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Copyright: Good!Movies, Zorro Film

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45 Minuten bis Ramallah

Länge: 85 min

Kategorie: Comedy

Start: 06.06.2014

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 85 min
Kategorie: Comedy
Start: 06.06.2014

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