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12 Years a Slave

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 12. Mai 2014

12 Years a Slave

Bevor in einem jeden Jahr die Academy Awards vergeben werden lässt sich eine erste mögliche Tendenz der Preisträger bei den vorher stattfindenden Golden Globes ablesen, bei denen am Anfang des Jahres Steve McQueens „12 Years a Slave“ trotz zahlreicher Nominierungen nahezu unberücksichtigt geblieben ist. Zum Glück hatten die Verantwortlichen der Oscar-Verleihung mehr Gespür für die wirklich wichtigen Themen im Film, woraufhin „12 Years a Slave“ mit drei Oscars neben „Gravity“ zum Abräumer des Abends avancierte.

New York im Jahre 1841: Der Afroamerikaner Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor) lebt zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern ein einfaches und dennoch angenehmes Leben, denn mit dem Einkommen seiner Frau und dem seinen als Violinist lassen sich zwar keine großen Sprünge machen, dennoch geht es beiden weitaus besser als anderen Menschen mit derselben Hautfarbe. Eines Tages lässt sich Solomon von zwei windigen Geschäftemachern dazu überreden sein grandioses Geigenspiel auch anderen Menschen vorzuführen und so zieht es die drei schließlich nach Washington DC, wo Solomon nach einer durchzechten Nacht in Ketten gelegt wieder aufwacht. Er kann sich an nichts mehr aus der letzten Nacht erinnern, beteuert seine Unschuld und versucht zeitgleich zu beweisen das er im Grunde ein freier Mann ist, doch was macht man wenn einem die nötigen Dokumente entwendet wurden?

12 Years a SlaveIn einer Nacht und Nebel Aktion wird er schließlich zusammen mit anderen Sklaven in den Süden nach Louisiana geschmuggelt, wo Sklavenhändler Freeman (Paul Giamatti) ihn kurzerhand an den Plantagenbesitzer Ford (Benedict Cumberbatch) verkauft. Dieser weiß den klugen Sklaven durchaus zu nutzen, schafft ihm Freiräume wo er im Gegenzug mit guter Leistung belohnt wird, doch als sich Solomon gegen den sadistischen Vorarbeiter Tibeats (Paul Dano) erhebt, sind auch Ford die Hände gebunden. Solomon wird erneut verkauft, doch diesmal hat es ihn schlimm erwischt, denn mit dem brutalen Edwin Epps (Michael Fassbender) ist beim besten Willen nicht zu Spaßen. Die Devise lautet fortan für Solomon zu überleben, koste es was es wolle…

Basierend auf der im Jahre 1853 erschienenen Biografie von Solomon Northup versuchen Regisseur Steve McQueen (Shame) und Drehbuchautor John Ridley (Three Kings) jenen Leidensweg auf der großen Leinwand darzustellen, der gleichbedeutend für Millionen anderer Einzelschicksale stehen könnte. Über besagte Zeit gibt es nur wenig Überlieferungen aus erster Hand, umso schrecklicher kommt der zwölf Jahre andauernde Leidensprozess für den durchschnittlichen Zuschauer daher, wird dieser doch mit einem dunklen Kapitel der amerikanischen Geschichte konfrontiert, das in erster Linie von Rassenhass, Gewalt und der Sklaverei geprägt ist.

12 Years a SlaveUm besagtes Thema anschaulich für den Zuschauer aufzubereiten nutzt Steve McQueen die bereits bekannten sehr langen Einstellungen seines Kameramanns Sean Bobbitt (The Place Beyond the Pines), der den Schmerz im wahrsten Sinne des Wortes einfängt. Bei den zahlreichen Folterszenen verbleibt die Kamera stur in der Halbdistanz, wenn Peitschenhiebe auf das nackte Fleisch treffen sind diese sprichwörtlich zu spüren, wenn Solomon unter duzenden von Schlägen seinen wahren Namen tief im Gedächtnis vergräbt, merkt man wie dieser Mann soeben durch unmenschliche Gewalt gebrochen wurde. Besagte Gewalt ist zuweilen durch die erwähnten langen und starren Einstellungen nur schwer zu ertragen, der Leidensweg der dargelegten Einzelschicksale ist beinahe unbegreiflich, Menschen werden als Ware angesehen, nicht aber als freie und eigenständige Individuen.

Um dies zusätzlich zu verstärken versucht Drehbuchautor John Ridley in gleich mehreren Szenen explizit darauf hinzuweisen, dass den jeweiligen Sklaven im Grunde nur daran gelegen ist das eigene Überleben zu sichern, gemeinsame Aktionen oder gar Bündnisse nicht im Traum realisierbar gewesen wären. So sehen wir Solomons Freund das Schiff am Anfang als freier Mann verlassen ohne sich auch nur einmal noch zu seinem Freund umzudrehen, während in einer späteren Szene Solomon selber an einem Baum aufgeknüpft wird und dieser von den umherstehenden Sklaven vollkommen ignoriert wird, könnte ihnen doch jeden Augenblick ähnliches passieren. Dies zeichnet vor allem ein Bild der Trostlosigkeit, von einem unglaublichen Hass, von dem puren Willen selber zu überleben, koste es was es wolle.

12 Years a SlaveDies spiegelt sich jedoch nicht nur im unglaublichen Spiel von Chiwetel Ejiofor (Salt) wieder der im Laufe der gut zwei Stunden Stück für Stück gebrochen wird, sondern ebenso im Spiel von Lupita Nyong’o (Non-Stop), welche nicht umsonst mit dem Oscar für die beste weibliche Nebendarstellerin belohnt wurde. In ihrer Rolle als Patsey schafft sie beinahe nur mit ihrer Mimik die Gradwanderung zwischen hart arbeitender Sklavin und jener Person die sich mit sexuellen Handlungen gewisse Freiheiten bei ihrem Master erkauft, während ihr von dessen Frau offen der Hass und jede Menge Gewalt entgegenschlagen. Besagte Gewalt drückt aber auch Michael Fassbender (Prometheus) als brutaler Edwin Epps aus, während Paul Dano (Prisoners) in einer für ihn ungewohnten Rolle den zutiefst sadistischen Vorarbeiter spielen darf, für den Menschen keinerlei wert haben. Genauso wie diese die Schattenseiten repräsentieren, versucht Benedict Cumberbatch (Sherlock) den Gutmenschen zu geben, der einerseits Mitleid mit seinen Sklaven hat und für diese sogar einen Gottesdienst veranstaltet, auf der anderen Seite seine billigen Arbeiter und die Sklaverei durchaus schätzt, verschaffen diese ihm doch jenen Reichtum, den er und seine Familie gewohnt sind.

Es ist aber nicht nur die einmalige Geschichte und die unglaubliche Leistung diverser Darsteller die „12 Years a Slave“ zu einem nahezu perfekten Film machen, sondern ebenso die sehr nahegehende Musik von Hans Zimmer (Inception), der diesmal weniger auf bombastische Instrumente, als vielmehr auf leise Streicher setzt.

12 Years a SlaveFür all jene Leser die nun genauso begeistert sind wie wir, „12 Years a Slave“ jedoch im Kino verpasst haben, denen bietet sich nun die entsprechende Gelegenheit dies nachzuholen, denn der Tobis Filmverleih bringt diesen ab dem 16. Mai 2014 auf Blu-ray, DVD und natürlich auch per Video-on-Demand direkt in euer Wohnzimmer. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und zeichnet sich durch sehr kräftige Farben aus, während der Ton in DTS-HD 5.1 in den Sprachen Deutsch und Englisch bestens auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir bei einem so hochwertigen Film wie „12 Years a Slave“ insbesondere am zusätzlichen Material des Mediums interessiert, das diesmal keinerlei Wünsche offen ließ. In einem 41-minütigen Special erfahren wir näheres über den schwierigen Weg von der Buchvorlage zum entsprechenden Film, in gleich fünf Features erfahren wir unglaublich viel interessantes über die Intension des Regisseurs, die Filmmusik und natürlich auch über die Person Solomon Northup (zusammen 24 Minuten), während eine kurze neunminütige B-Roll einige Eindrücke vom Set vermittelt. Den Abschluss bilden gleich fünf Interviews in denen auf rund zehn Minuten komprimiert die Darsteller noch einmal kurz über ihre jeweilige Rolle berichten, was jedoch in den zahlreichen genannten Features zum Teil auch enthalten war.

Steve McQueens „12 Years a Slave“ ist ein einmaliger Film der stellvertretend für Millionen von Einzelschicksalen steht, die in diesem dunklen Kapitel der amerikanischen Geschichte Ungerechtigkeit erfahren haben. Ein großartiger und vor allem wichtiger Film, der vollkommen zu recht mit dem Oscar für den besten Film und das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet wurde.

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Wir vergeben daher 8,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Tobis Filmverleih

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12 Years a Slave

Länge: 134 min

Kategorie: Biography, Drama

Start: 16.05.2014

cinetastic.de Filmwertung: (8,5/10)

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12 Years a Slave

12 Years a Slave

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 134 min
Kategorie: Biography, Drama
Start: 16.05.2014

Bewertung Film: (8,5/10)

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