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Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 1. April 2014

Inside WikiLeaks - Die fünfte Gewalt

Es vergeht kaum ein Tag an dem es keine neuen Enthüllungen über das Spionageprogramm der Vereinigten Staaten gibt, mit dem sie nicht nur die globalen Informationswege überwachen, sondern – wie sich nach den neusten Erkenntnissen herausstellt – sogar die obersten Machthaber der unterschiedlichsten Länder. Für diese Enthüllungen zeigt sich jedoch nicht die Plattform Wikileaks verantwortlich, sondern vielmehr ein ehemaliger Mitarbeiter namens Edward Snowden, doch wäre all dies jemals ohne jene Arbeit möglich gewesen, die Wikileaks und insbesondere Julian Assange im Vorfeld tätigten?

Berlin im Jahre 2007: An einem kalten Wintertag trifft der Berliner Informatiker Daniel Domscheit-Berg (Daniel Brühl) auf den Computerspezialisten und ehemaligen Hacker Julian Assange (Benedict Cumberbatch), wohnt bei einem seiner Vorträge bei und ist sofort Feuer und Flamme für dessen Ziel Informationen jedermann zugänglich zu machen. Selbiges geschieht mit einer Plattform auf der Menschen anonym belastendes Material hochladen können und schon bald folgt für beide auch der erste große Coup. Durch unzählige Dokumente werden sie von den illegalen Machenschaften der Schweizer Bank Julius Bär in Kenntnis gesetzt, wie diese ihren Kunden hilft Geld gezielt vor dem Finanzamt zu verstecken, woraufhin die Weltpresse zum ersten Mal auf die Organisation aufmerksam wird.

Inside WikiLeaks - Die fünfte GewaltEs folgt eine Zeit mit kleineren Leaks, die Infrastruktur wird mit bescheidenen Mitteln und der Hilfe von Technikgenie Marcus (Moritz Bleibtreu) weiter verfeinert, bis plötzlich ein Leak über einen Hubschrauberangriff in Afghanistan hochgeladen wird, bei dem zwei Reporter ums Leben kommen. Zum ersten Mal wird nun auch die US Regierung auf die Website und deren Mitglieder aufmerksam, es folgen beinahe 90.000 hoch geheime Dokumente über brisante Einsätze und verdeckte Operationen, doch erstmal kommen Domscheit-Berg ernste Zweifel daran, ob man diese Dokumente mit all den beinhalteten Namen wirklich online stellen darf…

Es ist noch gar nicht so lange her als mit Alex Gibneys Dokumentation „We Steal Secrets: Die WikiLeaks Geschichte“ das erste Werk über die berühmte Enthüllungsplattform ins Kino kam. Besagte Dokumentation war umfassend und interessant aufbereitet, erfuhr insbesondere am Anfang der Unterstützung von Julian Assange und dennoch sollte es zum Bruch kommen, als Forderungen von Seiten Assange immer seltsamere Züge annahmen. Der nun folgende abendfüllende Spielfilm von Regisseur Bill Condon (Dreamgirls) erfuhr diese Unterstützung leider nicht, stattdessen stützte er sich vornehmlich auf David Leighs Sachbuch „WikiLeaks“ und Daniel Domscheit-Bergs „Inside WikiLeaks“, wodurch eine recht einseitige Betrachtungsweise zum Zuge kam.

Inside Wikileaks - Die fünfte GewaltNoch vor der Vollendet des Films meldete sich Julian Assange im Frühjahr des Jahres 2013 zu Wort um seiner Unmut über diesen Luft zu machen, basiere er doch in erster Linie auf einem verräterischen Buch von jemanden der ihm nicht unbedingt gut gestellt sei. Das Assange mit dieser Aussage nicht ganz Unrecht haben soll beweist schließlich „Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt“, denn obwohl gerade am Anfang Assange und auch Domscheit-Berg noch gleichberechtigt nebeneinander zu stehen scheinen, verschieben sich schon bald im weiteren Verlauf die Sympathien eindeutig zu Domscheit-Berg. Assange wird immer mehr als eine Art Irrer hingestellt der sich im Rampenlicht sonnt, es genießt im Mittelpunkt zu stehen, während Domscheit-Berg am ehesten den ruhigen Gegenpol bildet, der über die getätigten Handlungen zumindest im Nachhinein nachzudenken versucht.

Der Handlungsverlauf selber orientiert sich im Großen und Ganzen an den bekannten Fakten aus den Medien, wirklich spannendes kommt bei diesem gut zwei Stunden andauernden Werk nicht hinzu und somit dürften insbesondere Wikileaks interessierte hier wohl eher enttäuscht werden. Visuell versucht Regisseur Bill Condon seinen Film immer wieder ein wenig Pepp zu verleihen und punktuell aufzulockern, wenn er beispielsweise in regelmäßigen Abständen ein virtuelles Büro mit einer Unmenge an Informationen zeigt, welche das Wikileaks Netzwerk symbolisch darstellen sollen. Diese Spielerei ist nett und überzeugend, während eine ganz andere am Ende des Films wohl als völlig überflüssig angesehen werden darf. Wenn sich Benedict Cumberbatch zur Kamera dreht und in einem Interview den echten Julian Assange mit seinen kritischen Äußerungen zum Film darzustellen versucht, ist dies mehr als nur lächerlich.

Inside Wikileaks - Die fünfte GewaltVon Seiten der Darsteller lebt „Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt“ in erster Linie von Benedict Cumberbatch (Star Trek: Into Darkness) als exzentrischer Egomane der sich selbst in den Mittelpunkt stellt sowie von Daniel Brühl (Rush – Alles für den Sieg), der hier am ehesten den überlegten Quergeist gibt, der zumindest gegen Ende bereit ist Verantwortung zu übernehmen. In den Nebenrollen sehen wir Moritz Bleibtreu (München) in einigen wenigen Szenen als Technikfreak und Hacker sowie David Thewlis (Sieben Jahre in Tibet) als Guardian Mitarbeiter, der bereit ist Risiken einzugehen.

All jene die nun Lust auf „Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt“ bekommen haben, diesen aber im Kino leider verpassten, denen sei nun geholfen, denn Constantin Film bringt ihn ab dem 3. April 2014 auf Blu-ray, DVD und natürlich auch per Video-on-Demand direkt in euer Wohnzimmer. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 in den Sprachen Deutsch und Englisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir insbesondere an den Extras des Mediums interessiert, die diesmal jedoch recht übersichtlich waren. Es gibt lediglich einen zehnminütigen Bericht über die Enthüllungsplattform Wikileaks, einen sechsminütigen Blick hinter die Kulissen sowie einen kleinen Einblick in die Musik des Films, was dann doch ein wenig mager ist. Wünschenswert wäre insbesondere das eine oder andere Interview gewesen, um von den Darstellern mehr über die Entstehung des Films zu erfahren.

Bill Condons „Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt“ ist ein sehr interessanter, gleichwohl aber auch sehr einseitiger Film, da im Grunde der Fokus lediglich auf Daniel Domscheit-Berg gelegt wird, während Julian Assange die Rolle des Verrückten einnehmen muss. Ein wenig mehr Objektivität wäre hier durchaus angebracht gewesen.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Constantin Film

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Inside WikiLeaks - Die fünfte Gewalt

Länge: 128 min

Kategorie: Drama, Thriller

Start: 03.04.2014

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Info

Inside WikiLeaks - Die fünfte Gewalt

Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 128 min
Kategorie: Drama, Thriller
Start: 03.04.2014

Bewertung Film: (6/10)

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Bewertung Extras: (5/10)

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